Windprinzessin

Märchen zum Thema Liebe und Leid

von  Mondsichel

Und es begab sich vor vielen hundert Jahren, als die unsterblichen Feen und Zauberer noch auf dieser Welt weilten, das sich der junge, aber große Magier Roland in das Mädchen Salrida verliebte. Jene war jedoch längst dem Müllerburschen Hendrik versprochen. Roland wusste das die Menschen leicht zu blenden waren und so dachte er sich eine List aus um das Mädchen für sich zu gewinnen. In der Nacht vor der Hochzeit kam der Magier in das Haus des Müllerjungen und versprach ihm so viel Gold, das er und seine Nachfahren niemals wieder hungern müssten. Im Gegenzug dafür wollte er jedoch die zukünftige Braut haben. Der Müllerbursche war so von der glänzenden Zukunft geblendet die ihm der Zauberer versprach, das er in den Handel einschlug und seine Braut für ein magisches Goldsäcklein eintauschte... Das Mädchen konnte nicht glauben das ihr Bräutigam sie so verraten hatte. Der hatte nur noch Augen für das Wundersäcklein das ihm der Zauberer gegeben hatte. „So nehmt sie doch schon mit Zauberer. Ich habe nun alles was ich brauche“ sprach Hendrik in einem sehr abfälligen Ton und hieß sie hinaus zu gehen. Salrida konnte es nicht fassen. Da murmelte Roland ein paar Zauberworte und schon wurde sie vom Wind gepackt. Das Mädchen konnte schreien wie sie wollte, niemand konnte sehen oder hören wie sie und der Zauberer mit dem Wind hinfort getragen wurden. Hendrik hatte seine Braut schon längst vergessen. „Wie schnell man die Menschen doch bei ihrer Gier packen kann“ dachte der Zauberer bei sich. Ihm tat das Mädchen leid, weil sie so betrogen wurde. Doch er wollte ihre Liebe für sich gewinnen und so versuchte er alles um sie glücklich zu machen. „Ich kann Dir jeden Wunsch erfüllen. Alles was Du möchtest Salrida. Du musst es nur sagen und ich schaffe es für Dich herbei!“ Doch sie trauerte nur um ihren Geliebten. Auch wenn er sie verraten hatte liebte sie ihn noch immer aus tiefstem Herzen... Eines Tages saßen sie zu Tische beisammen und der Zauberer fragte das Mädchen warum sie denn nicht glücklich sein könnte. „Ihr seid so freundlich zu mir. Doch ihr habt gehofft meine Liebe kaufen zu können. Die Menschen sind wahrlich ein Volk das sich leicht blenden lässt. Doch Liebe kann man weder erzwingen noch kaufen. Ich bitte Euch, lasst mich wieder zu den Meinen gehen. Lasst mich zurück zu Hendrik gehen!“ Roland wurde sehr traurig über ihre Worte, die so viel Wahrheit in sich trugen. Er war ein Narr gewesen die Liebe eines Mädchens so leicht für sich gewinnen zu können. Er hatte Mitleid mit ihr, er wollte das sie wieder glücklich ist. Und so sprach er zu ihr: „Es gibt eine Möglichkeit mein Reich zu verlassen.“ Salridas Blick wurde hoffnungsvoller. „Aber es ist nicht ganz ungefährlich.“ Das Mädchen schaute ihn aufmerksam an. „Ich würde jede Gefahr auf mich nehmen um wieder zurück zu kehren.“ Roland atmete tief durch. „Wenn es Dir gelingen würde die Liebe von Deinem Müllerburschen wieder zu wecken, dann werdet ihr für alle Zeit glücklich sein.“ Sie lächelte. „Doch wenn er Deine Liebe verschmäht, dann wird der Wind Dich bis in alle Ewigkeit mit sich tragen. Und nicht einmal ich kann Dir dann noch helfen. Überlege es Dir gut Salrida! Es könnte Dein Verderben sein.“ Der junge Mann blickte sie flehend an. Obwohl sie ihn nicht liebte, wollte er ihr dieses Schicksal doch ersparen. Denn er wusste ganz genau, das die Gier jeden Funken Liebe und Menschlichkeit in den Seelen der Sterblichen auslöscht...

Für einen Moment zögerte sie, doch dann sprach sie: „Ich werde es wagen! Für die Liebe die ich in meinem Herzen spüre. Wenn er mich wirklich nicht mehr liebt, dann möchte ich nicht mehr leben. Dann soll mich der Wind ruhig durch die Welten tragen, denn was für ein Sinn hätte mein Leben dann noch?“ Roland senkte den Kopf, es schmerzte ihn das sie so sprach. Doch er erfüllte ihr ihren Wunsch und so trug sie der Wind wieder hinunter auf die Erde. Unsichtbar folgte er dem Mädchen um zu sehen ob es ihr gelänge die Gier in Hendrik zu überwinden... Das Mädchen staunte als sie zur Mühle kam. Einst war das alte Gemäuer verfallen und schmutzig, doch nun stand eine ganz neue Mühle am selben Platz. Schöner als alles was sie jemals gesehen hatte. Und das Haus in dem Hendrik einst gelebt hatte, ebenfalls eine recht verfallene Hütte, wo er immer das Dach flicken musste, war einem prunkvollen Gemäuer gewichen. Darinnen war viel Licht und es drangen viele Stimmen hinaus. Es schien als würde eine große Feier stattfinden. Sie trat an eines der Fenster und blickte hinein in das Häuschen. Es saßen viele Menschen an einem langen Tisch und prosteten sich zu. Selbst der Stadtverwalter war gekommen. „Welch eine Ehre“ dachte Salrida bei sich... Musike erklang, die Musikanten spielten zum Tanz die lustigsten Weisen auf, das einem der Fuß zu wippen begann. Und dann sah sie Hendrik, doch wie hatte er sich verändert! Aus dem dünnen und bleichen jungen Burschen, der manchmal kaum Zeit zum Essen hatte und sich in der Mühle Tag für Tag totarbeitete, war ein gut genährter, gesund und gepflegt aussehender Mann geworden. Neben ihm saß die geputzte Tochter des Stadtverwalters in einem Brautkleid und blickte ihn verträumt an, als er das Wort erhob zu einem Trinkspruch. Sie wollte verzagen, doch dann erinnerte sie sich der Worte von Roland. „Doch wenn er Deine Liebe verschmäht, dann wird der Wind Dich bis in alle Ewigkeit mit sich tragen.“ Mutig öffnete sie die Tür und trat in den warmen Raum... „Ich erhebe das Glas auf meine liebe Braut Frederika! Trinkt und lasst es Euch gut gehen ihr lieben Leute!“ Als er gerade das Glas ansetzte sah er das Mädchen in der Tür, doch er erkannte sie nicht. „Was ist das denn? Schafft diese Bettlerin aus meinem Haus! Kann man denn nicht einmal bei seiner Hochzeitsfeier seine Ruhe haben?“ Hendrik hatte es mit seinem Reichtum zu einem hohen Stand in dem kleinen Städtchen gebracht. Er hatte um die Hand von Frederika angehalten, der hochmütigen Tochter des reichen Stadthalters. „Aber Liebe kann man doch nicht kaufen?“ flüsterte Salrida vor sich hin... Die Gier war stärker in Hendrik, als es die Liebe jemals sein konnte. Denn schon immer hatte er sich Reichtum gewünscht, er hatte sein armes Leben gehasst. Wer das Geld hat, der hat auch die Macht sich alles zu kaufen was er wollte. Liebe hatte sich Hendrik wahrlich nicht gekauft, aber er hatte sich Einfluss mit der Heirat verschafft. Und Frederika hatte sich für den Luxus verkauft den sie sich schon immer erträumt hatte. In Salridas Augen bildeten sich Tränen, schon spürte sie den Wind in ihrem Nacken und verschwand vor den Augen der staunenden Gäste. Roland, der alles gesehen hatte, setzte sich auf den Wind und sprach zu ihr: „Oh Salrida! Nun hat das Schicksal Dich für Deine Leichtfertigkeit bestraft!“ Das Mädchen schluchzte auf. „Hör auf zu weinen! Es gibt noch eine Hoffnung für Dich meine Windprinzessin. Wenn jemand der Dich liebt Deinen Namen drei mal in den Wind ruft, dann bist Du erlöst!“ Salrida antwortete verbittert: „Doch wer wird sich schon an meinen Namen erinnern? Wer wird mich lieben können, so wie ich nun bin?“ Roland blickte sie traurig an. „Das weiß nur der Wind!“ Und so trugen die Lüfte das Mädchen davon...

Der Zauberer Roland ist eines Tages vom Erdboden verschwunden. Man erzählt sich das er hinauf zum Schöpfer geflogen sei um ihn zu bitten einen Menschen aus ihm zu machen. Denn er liebte Salrida und er wollte sie von ihrem Fluch erlösen. Doch der Schöpfer sprach zu ihm: „Die Seelen der Zauberer die heute sterben, werden erst in vielen hundert Jahren wiedergeboren werden. Keine Seele, ob nun menschlich oder die eines Zauberers, kann sich dann an ihr früheres Leben erinnern. Wenn Du es wirklich wagen willst, dann wirst Du sie vergessen. Und alles ist umsonst!“ Roland entgegnete: „Meine Liebe ist so stark, das ich auch in vielen hundert Jahren ihren Namen nicht vergessen werde!“ Der Schöpfer lachte. „Du bist ein Narr Zauberer! Du bist unsterblich und willst das gegen eine menschliche Seele tauschen? Du willst ein Sterblicher werden, für die Liebe von der Du Dir nicht einmal sicher sein kannst das sie erwidert wird?“ Roland blickte ihn herausfordernd an. „Ich will es, mit all meiner Kraft! Ich glaube fest daran, das ich sie erlösen kann. Ich liebe sie und will das sie glücklich ist, auch wenn ich meine Unsterblichkeit dafür opfern muss!“ Der Schöpfer schüttelte verständnislos den Kopf... „Warum bleibst Du nicht einfach unsterblich und suchst Dir eine andere Braut?“ Der Zauberer wurde wütend: „Niemals! Ich bin schuld das sie jetzt mit dem Wind fliegen muss. Ich könnte keine andere lieben, ich will es auch nicht. Ich will nur sie!“ Der Schöpfer seufzte. „Nun gut Zauberer, Dein Wunsch soll Dir erfüllt werden. Doch hab nicht zu viel Hoffnung, das Du Dich noch erinnern kannst, wenn Du wieder auf die Erde zurückkehrst! Schlaf jetzt Zauberer, die Zeit ist gekommen.“ Der Schöpfer führte Roland an einen Ort wo er sich schlafen legen konnte. Er träumte sich in die ferne Zukunft, wo er hoffte Salrida erlösen zu können. Der Schöpfer legte seine Hände auf die Stirn und dann auf das Herz des Schlafenden. So nahm er Roland seine Unsterblichkeit und hüllte sein Seelenlicht in einen tiefen Schlaf... Bis heute ist er nicht erwacht. Doch man sagt, das Roland kommen wird, vielleicht sogar in diesem Jahrhundert. Salrida trauert noch immer mit den ewigen Winden, doch sie trauert nicht mehr um Hendrik oder ihr Leben. Sondern sie trauert um Roland, den Einzigen der sie jemals geliebt hat. Bis heute ist sie nicht erlöst worden, sie fliegt noch immer mit dem Wind. Und wenn man ganz genau hinhört, kann man sie rufen hören, wie sie Roland um Verzeihung bittet... Die alte Frau lächelte, ihre zwei Enkelkinder hatten ihr mit großen Augen zugehört. „Aber Mutter, erzähl den Kindern doch nicht so viele Märchen. Sonst werden sie heut Abend wieder keine Ruhe geben!“ Entnervt blickte die noch recht junge Mutter die alte Frau an. „Ach Kind, sei doch nicht so hart. Die heutige Jugend hat einfach zu wenig Fantasie! Und ich glaube fest daran, das man nur in dieser Welt mit Fantasie auch wirklich leben kann!“ Die Mutter der zwei Kinder seufzte. „So, dann werden wir uns mal auf den Weg machen ihr Beiden“ herausfordernd blickte sie den Jungen und das Mädchen an. Die beiden tobten noch kurz durch die Wohnung der Alten und zogen sich dann ihre Jacken an. Die alte Frau stützte sich auf ihren Stock, beim Hinausbegleiten der kleinen Familie. „Und kommt bald wieder! Dann werde ich Euch noch viel mehr Geschichten erzählen“ rief sie den Dreien hinterher. Die Tochter der alten Frau musste nun doch lachen und drohte spielerisch mit dem Finger. Die Drei winkten ihr noch mal zu und verschwanden dann im Treppenhaus und aus der Tür. Die Alte seufzte. „Ich hoffe Du hast verstanden worum es geht Roland. Dies war der einzige Hinweis, den ich Dir geben durfte.“ Damit verschwand sie in ihrer Wohnung und ging ihrem Tagewerk nach...

Doch er hatte nichts verstanden. Wie es ihm der Schöpfer prophezeit hatte, war in seiner Erinnerung für Salrida nichts übrig geblieben. Er lebte seine Kindertage unter seinem neuen Namen Michael dahin. Auch die Teenager Zeit war bald vorbei und nichts in seinen Gedanken ließ ihn daran erinnern wer er war. So viele Jahre vergingen und eines Tages war aus dem kleinen Jungen Michael ein stattlicher junger Mann geworden. 28 Jahre alt, erfolgreich in dem Beruf als Manager. Er hatte sich wahrlich schon einen Namen gemacht, wenn auch nicht mehr als Zauberkünstler, sondern eher als Magier der Organisation. Er stürzte sich in jegliche Arbeit um die Taubheit in seinem Innersten zu beleben, die sich in jedem Moment der Ruhe um seine Seele spann. Da war dies Gefühl in seinem Herzen das ihm etwas fehlen würde, doch verstand er nicht was dies war. So flüchtete er sich in viele Liebschaften, in denen er jedoch niemals die Erfüllung fand nach der er sich so sehnte. Die Zeit zerrann wie Sand zwischen den Fingern... Es begab sich das die Großmutter schließlich im Sterben lag und unbedingt ihren Enkel noch einmal sehen wollte, bevor sie diese Welt verließ. So kam Michael in das Krankenhaus, wo sie versorgt wurde. Mit traurigen Augen blickte er auf das Lager seiner Großmutter, die da lag und schlief, als wäre sie schon dahin geflogen. Doch plötzlich öffnete sie die Augen und sprach: „Michael, mein Junge. Schön das Du gekommen bist.“ Er lächelte traurig. „Aber Oma, ich werde Dich in diesem Moment doch nicht alleine lassen.“ Sie lächelte. Mit ihrer Hand tastete sie liebevoll über sein Gesicht, dann ließ sie den Arm müde sinken. „Tu mir doch bitte einen Gefallen mein Junge. Dort in meinem Nachttisch, da ist eine Schublade. Bitte öffne sie und gib mir das Kästchen das darinnen ist.“ Michael tat wie ihm die Großmutter geheißen und nahm ein recht außergewöhnliches Kästchen heraus... Die Alte winkte ihn schwach zu sich zurück. „Öffne das Kästchen Michael“ sagte sie ihm mit verheißungsvollem Blick. „Aber wie Oma? Es ist kein Schlüssel zu entdecken, geschweige denn ein Schlüsselloch. Es ist auch kein Verschluss ist zu sehen, als hätte man das Kästchen in einem Mal gegossen.“ Die Großmutter seufzte. „Du weißt wie Du es öffnen musst mein Junge.“ Dabei lächelte sie geheimnisvoll. „Erinnerst Du Dich an die Geschichte die ich Dir und Deiner Schwester einst erzählte? Die Geschichte von der Windprinzessin?“ Michael schaute seine Großmutter entsetzt an. „Aber Oma, wie kannst Du in solch einem Moment nur an ein Märchen denken?“ Sie richtete sich mit letzter Kraft auf. „Aber es war kein Märchen!“ Sie musste husten. „Ganz ruhig Oma, ich hole den Arzt. Nein!“ ihre Stimme überschlug sich fast. Michael zuckte zusammen... „Du wirst mir jetzt zuhören! Du wirst Dich jetzt hinsetzen und endlich mal die Augen und die Ohren öffnen dummer Junge!“ Verwirrt setzte sich Michael wieder auf seinen Platz und blickte Sorgenvoll in das Gesicht der Alten. „Es ist wichtig das Du Dich erinnerst, es ist so lange her. Doch sie wartet immer noch auf Dich, sie ruft Dich, in jedem Sturm kann man sie schreien hören. Längst hat sie ihre Dummheit erkannt und sehnt sich nach der Liebe die Du ihr einst schenken wolltest!“ Sie musste wieder husten. „Ich rufe die Schwester. Das wirst Du nicht tun!“ Der scharfe Ton durchzuckte Michael, der wütende und ernste Blick seiner Großmutter ließ ihn schlucken. „Er hat es Dir gesagt. Du wirst Dich nicht erinnern können. Er hat über Deine Torheit gelacht. Doch er hatte trotzdem Mitleid mit Dir und so sandte er meine Seele auf die Erde um Dich zu lehren. Heute werde ich wieder vor den Schöpfer treten. Doch ich möchte ihm nicht sagen müssen, das alles umsonst war und diese Liebe für immer verloren ist!“

Flehend blickte sie den jungen Mann an. „Vergiss all das was Du bisher in Deinem kurzen Leben gelernt hast. Es gibt weitaus mehr als nur das was man sieht, hört oder schmeckt. Wenn Du hinter den Horizont blicken kannst, dann wirst Du endlich erkennen wer Du wirklich bist.“ Sie hustete. „Nur Du weißt wie man das Kästchen öffnet.“ Sie drückte es ihm fester in die Hand. „Vielleicht wirst Du dann endlich erkennen wohin Du gehörst und verstehen was Dir in Deinem Innersten fehlt.“ Er blickte sie erstaunt an. „Woher weißt Du?“ Ihr Körper begann zu zittern. „Sie wartet auf Dich Roland“ hauchte sie fast nur noch. Dann verklärten sich ihre Augen und sie fiel schlaff in ihre Kissen zurück. Die Alte war tot. Als Michael dies erkannte schüttelte er sie und rief immer wieder nach ihr... Das Kästchen fiel zu Boden und es schien darin etwas zu klimpern. Mit Tränen in den Augen hob er die letzte Erinnerung an seine Großmutter auf und verbarg sie. Ein Alarm benachrichtigte das Schwesternzimmer über den Herzstillstand. Die Ärzte kamen in das Zimmer, doch sie konnten nur noch den Tod feststellen. Die Beerdigung riss ein großes Stück aus seiner Seele, doch der leichte Wind schien ihn sanft zu liebkosen und ihm die Tränen hinfort küssen zu wollen... Eines Abends saß er einsam in seiner kleinen Wohnung. Er hatte das Kästchen in den Händen und blickte es wie hypnotisiert an. In seinen Gedanken spukten ihre Worte: „Nur Du weißt wie man das Kästchen öffnet.“ Dann hielt er es sich voller Verzweiflung an sein Herz und seufzte: „Ach Oma, ich wünschte Du wärst hier.“ Er atmete schwer aus. Ein kleiner Windhauch glitt über das Kästchen an seinem Herzen und im selben Moment öffnete es sich. Ein grelles Licht kam aus dem seltsamen Kleinod und erfüllte den ganzen Raum... Michael wurde geblendet und schloss die Augen. Auf einmal fühlte er sich so leicht und frei, als ob seine Seele aus dem Körper gerissen wäre. Eine uralte Kraft erfüllte seinen Geist und in seinen Gedanken sah er Königreiche aus uralter Zeit unter sich hinwegziehen. Es war als würde er auf dem Wind fliegen. „Dies ist mein Geschenk an Dich. Deine Erinnerung und Deine magische Kraft, die Du des Einsten in Dir getragen hast. Dies ist das letzte Mal, das ich Euch törichten Wesen einen Gefallen tue. Eure Liebe mag stark sein, doch in dieser Welt kann sie nicht überleben. Darum überlege gut was Du tust, wenn Du wieder an das Tageslicht trittst.“ Die Stimme des Schöpfers verstummte... Als Michael die Augen wieder öffnete und in das Kästchen blickte, da sah er zwei goldene Ringe darin, die mit kostbaren Gravuren versehen waren. Und als er sie berührte, da ging ein Blitz der Erinnerung durch seinen Leib. Als er die Augen erneut öffnete, war er nicht mehr Michael, sondern wieder Roland. Er atmete schwer. Das was er in der Vergangenheit erlebt hatte und das was er nun in der Gegenwart verspürte, mischte sich in einem starken Sturm und ließ ihn für kurze Zeit ohnmächtig werden. Zu viel war auf einmal in ihm eingestürzt. Als er wieder erwachte, wusste er was er zu tun hatte... Draußen bogen sich die Bäume unter der starken Macht der Naturgewalten. Er trat hinaus, fuhr mit seinem Auto weit fort auf ein freies Feld wo ihn niemand sehen oder hören konnte. Roland konnte sich kaum gegen die tosenden Lüfte wehren, die ihn umwehten und fast hinfort tragen wollten. Salridas Stimme klang trauernd in seinen Ohren und der Wind stürmte noch wilder auf. Er hielt sich die Hand vor die Augen, denn Sand kam auf ihn zugestürmt. Es war als wollte der Wind ihn hindern sich seinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Doch Roland kämpfte sich voran, bis er an einen Ort kam der ihm richtig erschien. Vor vielen hundert Jahren hatte an diesem Ort die Hütte des Müllerburschen gestanden...

Doch nichts war mehr übrig geblieben. Weder von dem Dorf, noch von der Mühle, die einst hier ihre Flügel im Wind drehte. Ein gespenstischer Ort, dessen Erinnerungen tausendfach auf den jungen Mann niederstürzten. Die Windprinzessin rief Rolands Namen in so schmerzlicher Weise, das sich sein Herz verkrampfen wollte. Noch einmal atmete er tief durch, besann sich all seiner Gefühle für das Mädchen und schrie lauthals in den tobenden Wind: „Salrida, Salrida, Salrida!!!!“ Der Wind schien regelrecht explodieren zu wollen. Blitze zuckten über den Horizont. Donner grollte über die ländliche Weite und schallte laut in seinen Ohren. Sein Herz raste und schmerzte von diesen Gefühlen, die so lange gewartet hatten wieder zu erwachen. Er fühlte wie sein Körper schwächer wurde. Dann war nur noch Dunkelheit vor seinen Augen... Nach einer ganzen Weile öffnete Roland vorsichtig seine Augen. Zu seinem Erstaunen fand er sich in der Vergangenheit wieder, in der Welt, wie er sie vor vielen hundert Jahren gekannt hatte. Und dann sah er sie. Salrida kniete an seiner Seite und lächelte. An ihrer Hand trug sie einen der goldenen Ringe, die in dem Kästchen verwahrt gewesen waren. Den Zweiten trug er selbst an einer Hand und es schien als wäre es niemals anders gewesen. Langsam richtete er sich auf und bemerkte dann, das sie beide vor dem Hause des Müllers Hendrik standen. Salrida blickte Roland ein wenig trauernd an. Auch nach all den vielen Jahrhunderten, war der Schmerz über den Verrat ihres Bräutigams nicht gewichen... „Es wird Zeit die Zukunft zu ändern Salrida. Wenn Du es willst!“ Sie verstand ihn erst nicht, doch dann begriff sie sehr wohl was Roland meinte. „Es ist Deine Entscheidung Salrida. Vergeltung oder Verzeihen?“ Sie blickte ihn mit einem bittersüßem Blicke an. „Mag er alles behalten was er nun hat, was er sich kaufte und erbaute. Doch das was er als Lohn für mich bekam, das steht ihm nicht zu. Denn Liebe kann man weder kaufen noch verkaufen. Liebe ist etwas was sich entwickeln muss mit der Zeit, die man miteinander verbringt. Und wenn sie stark genug ist, dann wird sie Jahrhunderte überleben. Die Gier hat es nicht verdient weiter befriedigt zu werden.“ Roland lächelte sie liebevoll an. Dann schnippte er einmal kurz und dann hielt er das magische Wundersäcklein wieder in der Hand... Hendrik musste daraufhin sehr bald lernen das Sparsamkeit eine Tugend war. Seine Frau Frederika zeterte von Morgens bis Abends, denn alsbald musste der Müller selbst wieder in die Mühle um das tägliche Brot zu verdienen. Der Stadtverwalter gab den beiden keinen Pfennig zur Unterstützung, denn er war froh seine verwöhnte Tochter endlich los zu sein. So mussten der Müller und seine Frau bis zu ihrem Lebensabend hart für jedes Geldstück arbeiteten... Es verging einige Zeit, das Roland und seine Braut in sein Reich zurückgekehrt waren. Eines Abends kniete er sich nieder vor dem Mädchen, nahm ihre Hand und blickte sie verträumt an. „Meine Windprinzessin! Ich liebe Dich mehr als Worte es jemals umschreiben könnten. So viele Jahrhunderte hat sich mein Herz nach Dir gesehnt und ist in Leidenschaft für Dich entbrannt. Nichts auf dieser Welt wird das je ändern können. Und deshalb frage ich Dich hier, im Angesicht der Unendlichkeit: Willst Du meine Frau werden?“ Es gibt keine Beschreibung dafür wie groß die Freude war die in Salrida auflebte. „Oh Geliebter! Ja ich will!“ Sie fiel ihm in die Arme und küsste ihn voller Leidenschaft. Da umwehte der Wind sie ein letztes Mal um endlich zu entfliehen. Roland und Salrida feierten eine prächtige Hochzeit, eine Hochzeit wie sie kein Mensch je zuvor gefeiert hatte. Sie huldigten der wahren Liebe die sie beide endlich wachgeküsst hatte. Und sie waren auf immer und ewig glücklich und zufrieden...

(c)by Arcana Moon


Anmerkung von Mondsichel:

Manchmal kann Liebe selbst über jede Entfernung, ob nun Raum oder Zeit, leben... man muss sich nur erinnern können...

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Kommentare zu diesem Text


 rela (08.04.05)
Ich glaube, Salrida und Roland werden sich in jedem ihrer Leben wiederfinden,
denn es ist ihr Karma. Ein wunderschönes Märchen, hab es gerne gelesen.
Liebe Grüße Rela

 Mondsichel meinte dazu am 09.04.05:
Vielen lieben Dank :)
nehegeb (21)
(03.03.06)
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 Mondsichel antwortete darauf am 05.03.06:
Auch hier kann ich nur danke für Deine Worte sagen. Dies war auch der ausschlaggebende Gedanke für diese Geschichte, das man Liebe nicht kaufen kann. Und das wahres Glück manchmal näher ist als man glaubt. Das Gier den Menschen oft die Augen verblendet und sie damit nicht nur andere, sondern auch sich selbst ins Unglück treiben. Und vor allem, dass man seine Augen zum SEHEN benutzen sollte, denn oftmals sind wir dem schon begegnet was unser Schicksal ist... :)
Holzbengerl (62)
(25.10.15)
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