Etwas zum einschlafen - mein Füllfederhalter

Text zum Thema Entspannung

von  Nuna



Wenn ich schnell mitschreiben muss,
kann ich später kaum meine
eigene Schrift entziffern.
Wenn ich meinen Füllfederhalter
für einen Brief benutze
schreibe ich langsamer und bewußter.
Es tut gut dieses malen von Worten,
schon meditativ irgendwie.

Erinnere mich an damals als ich das ABC lernte aufzuschreiben mit einem Füllfederhalter:
eine Seite Aaaaa's, eine Seite Beeee's, eine Seite Ceeee's, eine Seite Deeeee's, eine Seite Eeeeee's, eine Seite efffffs's, eine Geeee's, eine Seite Haaaa's, eine Seite Iiiiiii's, eine Seite jooooot's, eine Kaaaa's, eine Seite elllll's, eine Seite emmmm's, eine Seite ennnnn's, eine Seite Ooooo's, eine Seite Peeee's, eine Seite Quuuu's, eine Seite errrrr's, eine Seite esssss's, eine Seite Teeeee's, eine Seite Uuuuu's, eine Seite vauuu's, eine Seite Weeee"s, eine Seite ixxx's, eine Seite ypsilonsss's, eine Seite Zetsss's



Anmerkung von Nuna:

10.6.26.

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Kommentare zu diesem Text


 Augustus (10.06.26, 12:56)
Die Schönschrift wurde früher gern von Frauenzimmern genutzt, um den empfindungsvollen Briefen eine entsprechende Gestalt zu geben. Die Schrift war eine Art „Visitenkarte“ eigener äußerlicher Gestalt oder ein Ausdruck der gleichfalls schönen Seele des Frauenzimmers. 
Aber gerade nicht die perfekte Schönschrift verlieh der Schönschrift in Briefen die wichtige Dynamik der Emotionen der Schreiberin. Gerade aus denn variierenden Schwüngen der Wörter fühlte der Leser sich ergriffen, als ob die Sätze zu lebendigen Emotionswellen unterschiedlicher Stärke wurden. 

Man kann sich also durchaus vorstellen, warum gerade die dynamische Schönschrift damals das Kommunikationsmittel für den Zugang zum Herzen des stärkeren Geschlechts waren.  

Im Übrigen wurde an den Universitäten einst (18 Jahrhundert) auch dies kritisch debattiert, dass die Schönschrift sowohl als auch der empfindsame Inhalt auch zu moralisch verwerflichen Vorteilen eingesetzt werden kann. Offiziere und höher gestellte Personen bedienten sich solcher, um ihre schädliche Absichten ggü. dem weiblichen Geschlecht zu verschleiern. Sie gaukelten einfach in schönen Briefen durch empfindsame Floskeln wahre Gefühle. Die Frauenzimmern und Mägde jener Zeit verliebten sich hindurch die Briefe in den Schreiber, der ganz andere Absichten hegte. 
Das war ein Drama früher! 


Kommentar geändert am 10.06.2026 um 13:00 Uhr

 Nuna meinte dazu am 11.06.26 um 09:37:
Lieber Augustus,
das war damals in der zweiten Klasse und nicht im letzten Jahrhundert :)
...Deine sehr freie und lehrreiche Interpretation hat mir gefallen, vielen Dank dafür. Es gab damals sogar bestellte Liebesbrief Schreiber, nicht einmal vom Adressaten selbst verfasst und geschrieben.
Doch hier ging es mir nicht um Kalligraphie oder Liebesbriefe. Sonden um das einlassen aufs Lesen einer Monotonie, die bewirkt schläfrig zu werden...in Deinem Lesefall wohl eher nicht:D

Liebe Grüße Nuna

Lieben Dank auch an Minimum

 AnneSeltmann (04.07.26, 14:22)
Mir geht es ähnlich. Wenn ich schnell etwas notiere, kann ich meine eigene Schrift manchmal kaum noch lesen. Greife ich dagegen zu einem Füller, passiert etwas Merkwürdiges: Ich werde automatisch langsamer. Es fühlt sich an, als würde nicht nur die Hand, sondern auch der Kopf entschleunigen. 
Und ja – die Erinnerungen an die Schulzeit mit den endlosen Buchstabenreihen sind sofort wieder da. Damals war es Pflicht, heute wäre es ein kleines Stück Achtsamkeit.

LG

Anne

 Nuna antwortete darauf am 07.07.26 um 16:16:
Oh wie schön liebe Anne,

freue mich sehr über diese Gemeinsamkeit :)

Liebe Grüße Gudrun
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