DER SENILE FLUSS

Gedicht

von  Drita

Kopfkissen, Leintücher-
alles in den Koffer.
Trotz Platzmangel.

Kinder rufen.
Vögel singen
im Garten.

Sie hat noch nicht gekocht
für die verstorbene Mama.

Die Wiegenlieder,
eine Tasche voll
bebender Wörter
und Erinnerungen.

Daraus baut sie
ein Schloss,
wiederholt Namen,
spricht mit Schuhen.

Links und rechts.

Ein seniler Fluss
zieht vorbei.

Plötzlich wird
die Geschichte klar:
das letzte Lachen
im weissen Frühlingskleid.




Anmerkung von Drita:

Ich widme dieses Gedicht all den lieben Menschen, die von Demenz betroffen sind und die ich in Würde begleiten durfte - besonders in liebevoller Erinnerung an jene, die nicht mehr unter uns sind.

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Kommentare zu diesem Text


 Quoth (17.06.26, 08:22)
Da muss eine "sie" an die Stelle ihrer verstorbenen Mutter treten, für die jüngeren Geschwister sorgen und mit ihrer Trauer fertig werden, in die sich vielleicht auch Erleichterung mischt ... Gefällt mir sehr gut.

 Redux (17.06.26, 14:42)
Gute und zugleich traurige Perspektivwechsel werden zu einem nachdenklich stammenden Gedicht.

 Saira (17.06.26, 14:50)
Liebe Drita,

der „senile Fluss“ ist für mich ein starkes Bild. Er trägt Bruchstücke von Leben, Erinnerungen und Gefühlen mit sich, bis am Ende plötzlich etwas ganz Klares aufleuchtet: das letzte Lachen im weißen Frühlingskleid. Gerade dieser Moment gibt dem Gedicht eine große Zärtlichkeit und Würde.


Liebe Grüße
Saira
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