Toni und das Kindergartensommerfest

Tagebuch zum Thema Kinder/ Kindheit

von  tastifix

Jedes Jahr einmal und, wie der Name schon verrät, stets im Sommer. Also zu der Zeit, in der man strahlend blauen Himmel und Temperaturen bis zu 30 Grad erwartet. Oder auch noch darüber. Tja, Petrus ist nicht mehr der Jüngste und so fiel die ersehnte Wärme buchstäblich ins Wasser, denn er hatte sich um midnestens drei Tage im Datum geiirt. Jene drei Tage waren die reine Hölle: Schwül bis zum Abwinken und heiß, um die 28 Grad und trotzdem kein richtiges Gewitter. 

Gestern war es dann soweit. Ihr Papa hatte mit Toni daheim fleißig ein englisches Lied eingeübt, was sie dann zum Schluss des Festes vortragen wollten. Papa ist Chorsänger am Theater. Toni hats Talent fürs Singen geerbt und trällert ausgesprochen gern herum. Guten Mutes machten wir uns also auf den Weg. Der gute Mut blieb, doch die Laune sank beträchtlich, je mehr wir uns Essen näherten, denn es goss zunehmend wie aus Eimern. Dagegen kam auch die Fantasie nicht an und ´Da ist doch nen Loch, da schimmerts blau durch` blieb uns in der Kehle stecken. Der Wagen schob sich durch ein Planschbecken voran … Zeitweise waren es nur 100Meter Sicht.
„Das wird heiter werden – mit all den Kleinen drinnen!“
Wie gut nur, dass Toni ihren Pippi Langstrumpf-Regenschirm bei sich hatte. Darum mochte sie dann selbst den Regen und bestand lautstark darauf, bis zur Eingangstür mit aufgespannter Pippi Langstrumpf vorweg zu marschieren. Denn Toni ist erst 3 Jahre alt. Im Flur drängelten sich dann Eltern, Kleinkinder und auch Kleinstkinder. Die zum Glück bei Mama oder Papa auf dem Arm, sonst wären sie in der Enge vielleicht gar zerdrückt worden. .
´O je!!`, dachte ich.
Trotz der Tatsache, dass sich alles im Haus abspielen musste, war es ein recht netter Nachmittag. Mit viel Mühe hatten sie die Räumlichkeiten geschmückt, ein Olympiaprogramm für Groß und Klein (samt Lorbeerkränzen, Urkunden und Olympiafähnchen) aufgestellt. Groß und vor allem Klein war begeistert, rutschte sich fast den Po wund, hüpfte über Mini-Hürden von 20 cm Höhe, erklamm Klettergerüst und schaukelte auf einer Wippe, kroch durch Tunnel, ließ in einem Becken Korkenschiffchen auf Strohhalm-Pust- Kommando zur anderen Seite schwimmen und erfrischte sich zwischendurch an Salaten, Würstchen und ganz viel Apfelschorle, so, wie es Toni dann hielt. Mehrmals spazierte sie los und bestellte sich etwas, ohne uns zuvor gefragt zu haben. Wir hinterdrein und behalten brav. Sie fühlte sich eindeutig Kindergartenkind wohl, zumal zwei Freundinnen und ein etwas älterer Verehrer um sie herum tanzten.
´Omi, ich will mit dir rutschen!“
Hui! Die Rutsche war ne steile Wendelrutsche und husch landeten wir ne Etage tiefer direkt vor dem Olympiaden-Turnsaal. Ich, ihre Omi, fühlte mich plötzlich sehr viel jünger. Um ein Haar wäre ich fast auch durch den Tunnel gekrabbelt. Was mich davon abhielt, war meine Größe, denn vermutlich wäre ich in jener Mini-Ausgabe stecken geblieben. Und was dann …? Toni sammelte fleißig Beifall, kämpfte gar mit einer Schaumstoffstange gegen einen älteren Jungen. Der war wohl sehr sensibel und haute gar nicht fest zu, so dass Toni dann nach dem Unentschieden sehr zufrieden zu uns kam. Es fiel mir soundso auf: Kein Kind weinte herum. Alle lachten und hatten Spaß. Und die Erwachsenen  darum ebenfalls.
Mit dem umfangreichen Programm vergingen die Stunden wie im Fluge und irgendwann dann hing auf so manchem Arm ein total erschöpftes bleiches Etwas, kaum mehr fähig, einen leisen Muckser von sich zu geben. Ein deutliches Anzeichen dafür, dass sich der Event dem Ende näherte. Und schon wurde Tonis Auftritt mit ihrem Papa bzw. eher Papas Auftritt mit seiner Toni angekündigt. Sicherheitshalber erkämpfte ich mir einen Stehplatz direkt in ihrer Nähe. Man konnte ja nie wissen … Das Mikro wurde aufgestellt, die Zwei davor platziert, Toni auf Papas Arm. Strenggenommen war ja nun sie der Mittelpunkt.  Papa hatte nur unterstützende Funktion. So dachte wahrscheinlich Toni. Papa begann in Lautstärke 300 zu schmettern, Toni schmetterte nicht ganz so laut, aber genauso engagiert, mit. Ich klatschte leise in die Hände und bedeutete ihr so, wie sehr es mir gefiel.  Sie verstand und strahlte zurück. Des hielt dann an etwa bis zur Mitte des Liedes. Dann aber passierte es: Der Auslöser dafür war Tonis Erkältung. Toni zog urplötzlich eine Babyschnute und dann leider relativ laut die Nase hoch. Für wenige Sekunden verhinderte es das Schlimmste,  doch dann wars um ihre Fassung geschehen. Ratlos streckte sie den Kopf gen Mikro und brüllte hinein, so laut sie konnte:
„Naaaase läääuuuft!!“
Verzweifelt bäumte sie sich zurück, rutschte ihrem Papa, der unbeirrt weiter sang, vom Arm, landete auf dem Boden und brüllte dort weiter. Fix griff ich mir ein Tempo, lief zu ihr und stoppte die Laufnase:
„Toni, ich bin ganz stolz!“
Tja, ob des dazu beitrug und es einfach die Tatsache war, dass die Laufnase nicht mehr lief – keine Ahnung, vielleicht auch beides. Jedenfalls ließ sie sich von Papa wieder hoch hieven, beruhigte sich auffällig fix und sang weiter mit, als ob nichts gewesen wäre. Klar, dass Toni und auch ihr Papa dröhnenden Applaus ernteten.

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