Kein Dichter
Gedicht
von miljan
Kommentare zu diesem Text
Das sagen nicht sehr viele.
Aber von denen nur wenige so gekonnt
LG TT
Aber von denen nur wenige so gekonnt

LG TT
Ich stimme TT zu.
Vielen Dank euch beiden.
Das Gedicht gegen poetische Windmacherei tut gut.
Das freut mich.
Antwort geändert am 03.10.2017 um 15:56 Uhr
Es ist wichtig sich im Schreiben nicht allzuwichtig zu nehmen...es ist nur eine Art des Kommunizierens um sowieso zumeist 'nicht' verstanden zu werden;)... dennoch ist es eine wundervolle Art sich anderen mitzuteilen, mit Worten zu spielen.
Da stimme ich ganz zu. Danke für deine Rückeldung.
Schreiben ist auch immer Arbeit. Wer sich nicht mit einem Seufzen hinsetzt und zur Feder greift/in die Tastatur haut, macht etwas falsch.
Allerdings kann ich mir schwer vorstellen, dass der von dir beschriebene "Dichtertyp" schon mal mehr als eine Seite mit einem Stück (Text) am Stück beschrieben hat. Allein darum kann ich sie nicht ernst nehmen.
Ach ja,ist eine schöne Selbsteinschätzung und ungewöhnlich in einer Zeit, in der so viele ihre 15 Minuten überstrapazieren.
Allerdings kann ich mir schwer vorstellen, dass der von dir beschriebene "Dichtertyp" schon mal mehr als eine Seite mit einem Stück (Text) am Stück beschrieben hat. Allein darum kann ich sie nicht ernst nehmen.
Ach ja,
Ich bin kein Dichter, sondern schreibe nur Gedichte
Ja, Schreiben kann auch ganz schön anstrengend und frustrierend sein, wenn man beispielsweise zwei Stunden an einer Strophe herumbastelt, nur um sie am Ende doch wieder zu verwerfen, weil man nicht mit ihr zufrieden ist. Ich hatte mal einen Dozenten in einem Seminar zu Kreativem Schreiben, der meinte, wir sollten uns mal in den Park setzen und dem Rauschen in uns lauschen. Das sind Mystifikationen des Schreibens, in der Regel von Leuten, die das Schreiben behandeln wie eine Begabung, die man haben oder nicht haben kann, nicht aber als Fähigkeit, die man erlernen kann. So hebt man sich einerseits heraus, andererseits tut man allerdings auch so, als wäre das Schreiben nicht nur das größte, sondern auch das leichteste von allem, ein fast automatischer, ja eben intuitiver Prozess. Was ja stimmen mag, wenn man frei Schnauze schreibt, einfach runter schreibt, ungefiltert, was einem gerade in den Kopf kommt. Sobald man sich damit nicht mehr zufrieden geben möchte, weil man nicht nur schreiben, sondern auch gut schreiben will, hat eine solche romantisierte Vorstellung mit dem, was das Schreiben ist, jedoch nicht mehr viel oder nur noch teilweise zu tun.
Was für den einen eine „Mystifikation“ oder eine romantisierte Vorstellung ist, ist für den anderen der einzige Ursprung echter Kunst. Der Dozent hatte recht. Das Hinsetzen im Park, das Lauschen auf das Rauschen in uns – das ist kein bequemes Ausruhen, sondern der schmerzhafte, hochkonzentrierte Moment, in dem das Ego schweigen muss, damit das Werk überhaupt erst atmen kann.
Schreiben ist nicht nur erlernbares Handwerk, an dem man kühl Strophen zurechtbastelt. Wahre Kunst bricht sich Bahn; sie ist impulsgesteuert, roh und autonom. Sie wartet nicht, bis sie literarisch gezähmt wird. Wer das Schreiben nur als mühsame, rationale Pflichtübung begreift, sperrt das Eigentliche aus: die ungezähmte Wahrheit, die tiefer liegt als jeder erlernte Reim.
Die Kunst ist kein Produkt, das man mechanisch herstellt. Sie ist ein Wesen, das durch uns hindurchwill. Manchmal muss man einfach den Handwerker wegschicken, um Platz für den Künstler zu machen.
45 Jahre habe ich, der Mensch versucht die Kunst handwerklich zu nehmen. Erst als ich, der Mensch, der Kunst erlaubt habezusein, wie sie ist, gibt es eine Resonanz, die Kunst und Mensch befriedigt.
Nein, ich bin Literat, Schriftsteller, Autor. Ich bin lediglich ein"Actorof Words", ein Diener, Handlanger, Gehilfe.
EVdR
und der Mensch
Schreiben ist nicht nur erlernbares Handwerk, an dem man kühl Strophen zurechtbastelt. Wahre Kunst bricht sich Bahn; sie ist impulsgesteuert, roh und autonom. Sie wartet nicht, bis sie literarisch gezähmt wird. Wer das Schreiben nur als mühsame, rationale Pflichtübung begreift, sperrt das Eigentliche aus: die ungezähmte Wahrheit, die tiefer liegt als jeder erlernte Reim.
Die Kunst ist kein Produkt, das man mechanisch herstellt. Sie ist ein Wesen, das durch uns hindurchwill. Manchmal muss man einfach den Handwerker wegschicken, um Platz für den Künstler zu machen.
45 Jahre habe ich, der Mensch versucht die Kunst handwerklich zu nehmen. Erst als ich, der Mensch, der Kunst erlaubt habezusein, wie sie ist, gibt es eine Resonanz, die Kunst und Mensch befriedigt.
Nein, ich bin Literat, Schriftsteller, Autor. Ich bin lediglich ein"Actorof Words", ein Diener, Handlanger, Gehilfe.
EVdR
und der Mensch
EVdR und der Mensch.....
ich stimme dir in allen Punkten, ich fühle mich als Dienerin der Kunst. Sie kommt und geht, wann und wie sie will.
LG Hanna
ich stimme dir in allen Punkten, ich fühle mich als Dienerin der Kunst. Sie kommt und geht, wann und wie sie will.
LG Hanna
"Wäre Kunst spontane Aufrichtigkeit, so wäre der Schrei das reinste Kunstwerk, die Notiz grösser als das Gedicht, die Feuersbrunst wahrer als das Drama, Zufall und Reflex Gesetz. Wir lebten als Barbaren.
Aufrichtigkeit aber ist Kampf und Frucht deines Kampfes mit dem Unmittelbaren, um es in deinen Dienst zu zwingen. Als es das Knie beugte und sich mit deinem Wahrheitsdrang vereinigte, wurdest du Mensch.”
— Paul La Cour, Fragmente eines Tagebuchs, 1953
Aufrichtigkeit aber ist Kampf und Frucht deines Kampfes mit dem Unmittelbaren, um es in deinen Dienst zu zwingen. Als es das Knie beugte und sich mit deinem Wahrheitsdrang vereinigte, wurdest du Mensch.”
— Paul La Cour, Fragmente eines Tagebuchs, 1953
@ miljans
Was nutzt mir eine fremde Theorie, die dem eigenen Erleben entgegensteht, fragt der Mensch.
Was nützt mir ein dänischer Kunsttheoretiker von 1953, wenn er versucht, mir wegzuerklären, was ich, der Mensch, am eigenen Leib, in meiner eigenen Biografie und in 45 Jahren Kampf real erlebt und durchlitten habe und erlebe?
Wie verarbeitet man eine solche Erkenntnis? Es gibt ein Wesen in einem und das ist die "Kunst". Man muß darauf achten, wer sagt hier was.
Die Kunst merkt an:
Es gibt genug zur impulsiven, überwältigenden, Kunst. Künstler als Durchlass. Betrifft häufiger Maler und Bildhauer. In der Literatur, gehört die Art Brut und andere Richtungen in diesen Bereich.
Der Künstler als Medium / Durchlass:
Ist die Basis der gesamten Art Brut (Jean Dubuffet),
des Surrealismus (Écritures automatiques – das automatische, ungefilterte Schreiben)
Des Action Painting (Jackson Pollock).
Der Impuls über der Zähmung:
Diese Richtungen pfeifen auf das „Kniebeugen“ und das „Zähmen“ der Kunst.
Sie wollen genau das, wovor die "Handwerker" Angst haben:
Das Rohe, das Unmittelbare, die ungezähmte Wahrheit.
Fazit:
Da ich bei den 715, ca. 40 aktive, Autoren nicht alleine bin, brauche ich, der Mensch, nicht mehr an meinem Verstand zu zweifeln. Die Kunst der ich diene, ist das Ergebnis einer Reifung von 45 Jahren. Das Aufgeben der Kontrolle, des Hanwerks des Bastel, Feilen und dauernder Unzufriedenheit, hat sich in dieser Zeit entwickelt.
Wir werden einander kaum überzeugen. So werden wir unserer Wege gehen ...
Der Mensch
und
EVdR
Was nutzt mir eine fremde Theorie, die dem eigenen Erleben entgegensteht, fragt der Mensch.
Was nützt mir ein dänischer Kunsttheoretiker von 1953, wenn er versucht, mir wegzuerklären, was ich, der Mensch, am eigenen Leib, in meiner eigenen Biografie und in 45 Jahren Kampf real erlebt und durchlitten habe und erlebe?
Wie verarbeitet man eine solche Erkenntnis? Es gibt ein Wesen in einem und das ist die "Kunst". Man muß darauf achten, wer sagt hier was.
Die Kunst merkt an:
Es gibt genug zur impulsiven, überwältigenden, Kunst. Künstler als Durchlass. Betrifft häufiger Maler und Bildhauer. In der Literatur, gehört die Art Brut und andere Richtungen in diesen Bereich.
Der Künstler als Medium / Durchlass:
Ist die Basis der gesamten Art Brut (Jean Dubuffet),
des Surrealismus (Écritures automatiques – das automatische, ungefilterte Schreiben)
Des Action Painting (Jackson Pollock).
Der Impuls über der Zähmung:
Diese Richtungen pfeifen auf das „Kniebeugen“ und das „Zähmen“ der Kunst.
Sie wollen genau das, wovor die "Handwerker" Angst haben:
Das Rohe, das Unmittelbare, die ungezähmte Wahrheit.
Fazit:
Da ich bei den 715, ca. 40 aktive, Autoren nicht alleine bin, brauche ich, der Mensch, nicht mehr an meinem Verstand zu zweifeln. Die Kunst der ich diene, ist das Ergebnis einer Reifung von 45 Jahren. Das Aufgeben der Kontrolle, des Hanwerks des Bastel, Feilen und dauernder Unzufriedenheit, hat sich in dieser Zeit entwickelt.
Wir werden einander kaum überzeugen. So werden wir unserer Wege gehen ...
Der Mensch
und
EVdR
Das "Schreiben-Müssen" als Neurose ist natürlich in manchen Kreisen chick, ich glaube eher nicht an die Ernsthaftigkeit solcher Behauptungen. Wenn, dann geht es um ein "Sich-Selbst-Darstellen-Müssen" (tolle Wortzusammensetzung).
Ich finde das Bild vom Gedicht als Brief an Unbekannte sehr interessant. Vielleicht kennst du die Heroinen-Briefe Ovids? Die von den Heroen verlassenen Frauen klagen ihre von der Nachwelt so gerühmten Liebhaber an. In einer psychologischen Sichtweise wäre der ja ein entfernter Verwandter deiner Sichtweise.
Sehr gern gelesen. Gruß Daniel
Ich finde das Bild vom Gedicht als Brief an Unbekannte sehr interessant. Vielleicht kennst du die Heroinen-Briefe Ovids? Die von den Heroen verlassenen Frauen klagen ihre von der Nachwelt so gerühmten Liebhaber an. In einer psychologischen Sichtweise wäre der ja ein entfernter Verwandter deiner Sichtweise.
Sehr gern gelesen. Gruß Daniel
Die kenne ich tatsächlich nicht, aber ich danke für den Hinweis und deinen Kommentar! Ich freue mich, dass es dir gefällt und vielleicht schaue ich mal nach besagten Briefen, sie klingen interessant.
"von denen manche meinen, dass sie sie verstünden"
Sie verstehen sie sicher - aus ihrer Sicht und für sich.
Und jeder anders. Mir gefällt die Vorstellung, wie viele unterschiedliche Gedanken Worte auslösen können.
Liebe Grüße
Song
Sie verstehen sie sicher - aus ihrer Sicht und für sich.
Und jeder anders. Mir gefällt die Vorstellung, wie viele unterschiedliche Gedanken Worte auslösen können.
Liebe Grüße
Song
Ich danke dir für deinen Kommentar! Ich wollte mit der Zeile auch gar nicht in Abrede stellen, dass manche tatsächlich verstehen, obgleich ich glaube, dass dem Verstehen immer Grenzen gesetzt sind, man nie vollkommen versteht. "Meinen" ist ja doppeldeutig, im Sinne vielleicht von "Sagen" oder aber als "nehmen fälschlicherweise an". Ich wollte das ein wenig uneindeutig stehen lassen.
wa Bash (47)
(02.10.17)
(02.10.17)
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Vielen Dank!
Du dichtest gar nicht übel, aber üb mal
dich loszusagen von blasierter Trübsal.
Schöne Grüße, Dirk
dich loszusagen von blasierter Trübsal.
Schöne Grüße, Dirk
DANKE für diesen schönen "Brief" !
dieses Juwel von Sprachkunst, Klarsicht und Ehrlichkeit !
" .... aus traurigen ..... Gründen....... "
diese Zeile erinnert an die elementare Wahrheit der griechischen Mythen zur Entstehung der Lyrik, an Apoll und seinen Lorbeertrauerkranz und an Orpheus.....
Bin wirklich kein Dichter
und insofern auch kein getroffner Hund, der hier bellen muss,
sondern ich meine ich verstünde und witterte wirklich
die deutlichen Spuren eines wirklichen Dichters !
MERCI von idi
dieses Juwel von Sprachkunst, Klarsicht und Ehrlichkeit !
" .... aus traurigen ..... Gründen....... "
diese Zeile erinnert an die elementare Wahrheit der griechischen Mythen zur Entstehung der Lyrik, an Apoll und seinen Lorbeertrauerkranz und an Orpheus.....
Bin wirklich kein Dichter
und insofern auch kein getroffner Hund, der hier bellen muss,
sondern ich meine ich verstünde und witterte wirklich
die deutlichen Spuren eines wirklichen Dichters !
MERCI von idi
Danke euch beiden für eure Rückmeldungen. Trübsal, gewiss, aber blasiert? Ich glaube, dass das Schreiben im menschlichen Wünschen wurzelt, in der menschlichen Sehnsucht und damit auch in der Trauer. Es kann sich davon losmachen, kann sich auf andere Dinge beziehen, kann nichtsdestotrotz gut sein, aber es entfremdet sich meines Erachtens dabei immer auch ein Stück weit von seinen Ursprüngen. Schreiben ist für mich kein Selbstzweck, es steht mit dem Trübsal in zu enger Verbindung, als dass ich es einfach davon loslösen könnte, ohne dass es im Zuge dessen für mich langweilig würde und fremd.
bbx (68)
(18.10.17)
(18.10.17)
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Hallo miljan,
was ist denn einer, der Gedichte schreibt?
Nichtsdestotrotz: Meine Empfehlung,
insbesondere für die letzten 3 1/2 Verse der dritte Strophe.
LG Sabine
was ist denn einer, der Gedichte schreibt?
Nichtsdestotrotz: Meine Empfehlung,
insbesondere für die letzten 3 1/2 Verse der dritte Strophe.
LG Sabine
Liebe Sabine,
das ist die Crux, die vor allem im Unterschied von Sein und Tun besteht. So ist zum Beispiel im Bereich der Sexuellen der Satz, ein Mensch sei schwul oder lesbisch, noch nicht sehr alt, obgleich es schon wesentlich länger Männer und Frauen gab, die jeweils Sex mit Männern bzw. Frauen hatten. Es gab erst die Handlungen, die man, auch abhängig von der Situation, vornehmen oder nicht vornehmen konnte, aber noch nicht die entsprechende Identität als dauerhafte Charakterstruktur. Aus Handlungen wurden Eigenschaften. Einer, der Gedichte schreibt, aber kein Dichter ist, ist insofern einer, der heute dichtet und morgen vielleicht musiziert oder auch ein Jahr lang gar nicht schreibt und dann mehrere Stunden pro Tag, ohne dass er zu dem einen Zeitpunkt ein anderer _ist_ als zu dem anderen. Er handelt nur anders und definiert sich weniger darüber. Ich danke dir auf jeden Fall für deine Empfehlung, vor allem freut mich dein Lob der letzten Verse des Gedichts. Es sind die, bei denen ich am unsichersten bin.
Liebe Grüße,
miljan
das ist die Crux, die vor allem im Unterschied von Sein und Tun besteht. So ist zum Beispiel im Bereich der Sexuellen der Satz, ein Mensch sei schwul oder lesbisch, noch nicht sehr alt, obgleich es schon wesentlich länger Männer und Frauen gab, die jeweils Sex mit Männern bzw. Frauen hatten. Es gab erst die Handlungen, die man, auch abhängig von der Situation, vornehmen oder nicht vornehmen konnte, aber noch nicht die entsprechende Identität als dauerhafte Charakterstruktur. Aus Handlungen wurden Eigenschaften. Einer, der Gedichte schreibt, aber kein Dichter ist, ist insofern einer, der heute dichtet und morgen vielleicht musiziert oder auch ein Jahr lang gar nicht schreibt und dann mehrere Stunden pro Tag, ohne dass er zu dem einen Zeitpunkt ein anderer _ist_ als zu dem anderen. Er handelt nur anders und definiert sich weniger darüber. Ich danke dir auf jeden Fall für deine Empfehlung, vor allem freut mich dein Lob der letzten Verse des Gedichts. Es sind die, bei denen ich am unsichersten bin.
Liebe Grüße,
miljan
Jack (36)
(11.06.18)
(11.06.18)
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als wäre das die größte Tätigkeit von allen,
er müsse schreiben
KANN FÜR IHN ETWAS ANDERES BEDEUTEN, Z.B. SEINE GEDANKEN/GEFÜHLE ZU ORDNEN. WÜRDEST DU EINER PERSON, DIE SAGT, SIE MÜSSE IHRE WOHNUNG AUFRÄUMEN, UNTERSTELLEN, SIE ERHEBE DIES DURCH DAS MÜSSEN ZU EINER GROßEN TÄTIGKEIT?
und der mit großen Gesten, die ihm sehr gefallen,
ZWEI AUFEINANDERFOLGENDE UNTERSTELLUNGEN. JEAN AMÉRY HAT SICH SUIZIDIERT, ALS SEINE GEISTIGEN KRÄFTE ABNAHMEN UND ER NICHT MEHR IN DER LAGE WAR, SEINEN ERFAHRUNGEN IM KONZENTRATIONSLAGER SCHREIBEND ZU BEGEGNEN. HÄLTST DU ES DAS FÜR EINE GROßE GESTE, DIE IHM GEFIEL ODER IST ES NICHT EHER SO, DASS SCHREIBEN EINE ART DER WIRKLICHKEITSBEWÄLTIGUNG IST, DIE EINEM MENSCH BEDÜRFNIS SEIN KANN. FRANKL SÄHE ES SO.
mit denen Künstler sich so gern in Schweigen hüllen,
als würden sie, natürlich unaufdringlich, brüllen:
als würden sie, natürlich unaufdringlich, brüllen:
AUCH DIES: EINE INTERPRETATION DEINERSEITS. ES MAG MENSCHEN GEBEN, DIE SICH ODER IHR WERK NICHT ERKLÄREN KÖNNEN/WOLLEN. ES GIBT SCHÜCHTERNE KÜNSTLER. ES GIBT KÜNSTLER, DIE KUNST MACHEN, WEIL SIE ALS MENSCHEN SCHWEIGSAM SIND.
Ich bin kein Dichter, sondern schreibe nur Gedichte
Danke für deine ausführliche und kritische Beschäftigung mit dem Gedicht. Es gab Zeiten, in denen übrigens auch dieses Gedicht entstanden ist, in denen mir das Schreiben sehr geholfen hat und ich finde auch den Hinweis auf jemanden wie Améry berechtigt. Das Gedicht richtet sich gegen eine bestimmten künstlerischen Habitus, den ich unangenehm finde. Inspiriert wurde es ein wenig von Kalékos "Kein Neutöner". Deine Empörung kann ich nur bedingt nachvollziehen. Auch steht im Gedicht nichts gegen Menschen, die schweigsam sind, ihre Gedichte nicht erklären wollen, etc. Das sind wiederum Interpretationen deinerseits. Ansonsten sieh mir bitte nach, dass mir aktuell für eine weitere Diskussion leider die Zeit fehlt. Meinen Dank für deine Beschäftigung mit dem Gedicht meine ich dennoch ganz ernst.
Deine Empörung kann ich nur bedingt nachvollziehen.
bestimmten künstlerischen Habitus,
Auch steht im Gedicht nichts gegen Menschen, die schweigsam sind, ihre Gedichte nicht erklären wollen, etc. Das sind wiederum Interpretationen deinerseits.
MIT ANDEREN WORTEN: DEIN GEDICHT KLAGT AN, DAS PERFORMANCE ÜBER TÄTIGKEIT GESTELLT WIRD, BLEIBT DER LOGIK DER PERFORMANCE ABER VERHAFTET.
In normalfarbenen Normalbuchstaben: Das Gedicht ist ein performativer Widerspruch der Performativperformanz selbst.
JA!
Ob du es glaubst oder nicht: ich muss schreiben. Tue ich es nicht, bin ich unglücklich und unausgeglichen, aus dem Takt, und schreie alle meine Liebsten an und bei meiner Erwerbsarbeit bin ich viel schneller erschöpft und überhaupt bin ich, wenn ich eine Weile nicht geschrieben habe, die ganze Zeit müde und habe zu nichts Lust, obwohl ich viel mehr schlafe, weil ich ja nicht schreibe.
Das Von-sich-weg-Schreiben war und ist das größte Motiv aller echten Schriftsteller. Wer nicht aus innerer Notwendigkeit schreibt, schreibt aus externen Gründen. Und da kommt nicht so oft Wertvolles heraus.
Nicht alles, was aus innerer Notwendigkeit geschrieben wird, ist wertvoll (nur 0,16% meiner Gedichte waren Weltklasse), aber alles Wertvolle entsteht aus großem, aus größtem inneren Druck.
Dass die meisten Autoren hier aus Muße und Langeweile schreiben, dem ist damit nicht widersprochen. Aber sie würden auch selbst nichts anderes behaupten.
Nicht alles, was aus innerer Notwendigkeit geschrieben wird, ist wertvoll (nur 0,16% meiner Gedichte waren Weltklasse), aber alles Wertvolle entsteht aus großem, aus größtem inneren Druck.
Dass die meisten Autoren hier aus Muße und Langeweile schreiben, dem ist damit nicht widersprochen. Aber sie würden auch selbst nichts anderes behaupten.
Hallo Jack, ich glaube da ist was dran, ich denke noch ein bisschen darüber nach. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man ohne inneren Druck überhaupt etwas schreiben kann, es ist ja ein Vorgang von innen nach außen. LG!
@ Jack
@ SiebenÄpfel
Ich, der Mensch denke, ihr denkt ähnlich. Der Blickwinkel ist anders, ebenso die Sprache.
(Jack) Die Bestätigung des inneren Drucks:
„Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man ohne inneren Druck überhaupt etwas schreiben kann...“
(SiebenÄpfel) Die Bestätigung der Richtung:
„...es ist ja ein Vorgang von innen nach außen.“
Für mich:
Jack liefert den rohen, schmerzhaften, existenziellen Erfahrungsbericht.
SiebenÄpfel liefert die logische und psychologische Bestätigung dazu.
--- --- ---
Interpretation:
Jack schreibt von sich fort, zur Befreiung.
SiebenÄpfel von innen nach außen. Zur Entlastung?
Beim Menschen, dem Handlanger:
Von innen nach außen. ABER: Durch mich hindurch.
Klar, gibt es einen inneren Druck, wenn die Kunst die Aufmerksamkeit fordert und auftritt.
Der Mensch
hinter und an der Seite von
EVdR
@ SiebenÄpfel
Ich, der Mensch denke, ihr denkt ähnlich. Der Blickwinkel ist anders, ebenso die Sprache.
(Jack) Die Bestätigung des inneren Drucks:
„Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass man ohne inneren Druck überhaupt etwas schreiben kann...“
(SiebenÄpfel) Die Bestätigung der Richtung:
„...es ist ja ein Vorgang von innen nach außen.“
Für mich:
Jack liefert den rohen, schmerzhaften, existenziellen Erfahrungsbericht.
SiebenÄpfel liefert die logische und psychologische Bestätigung dazu.
--- --- ---
Interpretation:
Jack schreibt von sich fort, zur Befreiung.
SiebenÄpfel von innen nach außen. Zur Entlastung?
Beim Menschen, dem Handlanger:
Von innen nach außen. ABER: Durch mich hindurch.
Klar, gibt es einen inneren Druck, wenn die Kunst die Aufmerksamkeit fordert und auftritt.
Der Mensch
hinter und an der Seite von
EVdR
Ich schreibe etwas hierzu, weil ich an anderer Stelle auf das Werk aufmerksam gemacht wurde ...
Das Gedicht an sich ist hübsch; grundsätzlich verlasse ich mich mehr auf mein Gefühl und verzeihe etwaige Widersprüche im Text großzügig.
Widersprüchlich ist ja nicht nur des Künstlers Natur (allzu oft), sondern auch sein Wirken und Werk und ich lese diesen Text mit einer großen Grauzone.
Das Gedicht insgesamt hat viel Pathos, eklatanten Widerspruch, aber auch Standpunkt. Als Diskussionsmaterial zum titelgebenden Thema top. Was will man mehr? ... Einen tatsächlichen Dichter dazu? Ja, ich persönlich schon ...
Das Gedicht an sich ist hübsch; grundsätzlich verlasse ich mich mehr auf mein Gefühl und verzeihe etwaige Widersprüche im Text großzügig.
Widersprüchlich ist ja nicht nur des Künstlers Natur (allzu oft), sondern auch sein Wirken und Werk und ich lese diesen Text mit einer großen Grauzone.
Das Gedicht insgesamt hat viel Pathos, eklatanten Widerspruch, aber auch Standpunkt. Als Diskussionsmaterial zum titelgebenden Thema top. Was will man mehr? ... Einen tatsächlichen Dichter dazu? Ja, ich persönlich schon ...