Die Samariter-Problematik

Parabel zum Thema Aktuelles

von  Ralf_Renkking

Dieser Text ist Teil der Serie  Bitte kein Corona

Die schwarze Pest forderte im Danzig des 17. Jahrhunderts unzählige Todesopfer, darunter auch Dichter wie Martin Opitz (1597 - 1639), Johann Georgius Moeresius (1598 - 1657) und Michael Albinus (1610 - 1653).

Während die Infektion der ersten beiden jedoch höchstwahrscheinlich auf den Besuch bei einer Prostituierten zurückzuführen ist, infizierte sich Albinus nachweislich in Ausübung seines seelsorgerischen Hauptberufes als Pastor.


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Kommentare zu diesem Text


 Regina (12.12.21, 07:18)
Sie hatten alle keine Ahnung von Hygiene. Parasiten waren die Überträger. Neuerdings nimmt man an, menschliche Läuse und Flöhe, ältere Arbeiten sprechen von den Parasiten der Wanderratte.
Aber, ja, wer mit Menschen arbeitet oder zu Prostituierten geht, hat ein höheres Infektionsrisiko als der Home-Officer, der sich den Dirnensex verkneift.
Schönen Sonntag dir.
Regina

 Ralf_Renkking meinte dazu am 12.12.21 um 09:27:
Danke für Deine Auseinandersetzung mit meinem Text, Regina, aber ganz so ahnungslos, besonders aber hilflos war die Danziger Ober- und Mittelschicht nicht, mangelnde Hygiene galt vorwiegend als Problem der Unterschicht, wer es sich leisten konnte, der flüchtete sich während einer Pestperiode auf sein Landgut außerhalb Danzigs und besonders diese drei Herren waren aufgeklärt, bzw. gebildet genug, um im Falle einer Epidemie auf Abstand vom niederen Volk gehen zu können, wozu Prostituierte damals ja nun leider gehörten und übrigens gelingt es auch heutzutage noch etlichen Freiern, sich bei einer Prostituierten mit Aids zu infizieren, trotz unseres hohen Hygienestandards. 
Das Problem bei Opitz bestand einfach darin, dass er ein Hurenbock war, den es früher oder später erwischen musste, der Mann war sogar so unverfroren, vor seinem Tod anzugeben, dass er sich an einem Bettler in den Gassen von Danzig infiziert hätte, 
dem er ein Almosen zugesteckt habe, Opitz war jedoch ein eitler Fatzke, zu so etwas hätte der sich nie herabgelassen. 
Bei Moeresius sah die Sache schon etwas anders aus, er kam ebenso wie Opitz aus der gehobenen Mittelschicht, übte vor seinem Tod die Position eines Rektors aus und war während der Pestwelle, der Albinus zum Opfer fiel, glücklich verheiratet, Pech für ihn, dass mit seiner dritten Frau nicht alles so rund lief.
Im Gegensatz zu diesen beiden war Michael Albinus zu allen Pestausbrüchen liiert, er ging allerdings in seinem Hauptberuf auf, und legte dementsprechend sein Schicksal in Gottes Hände, wäre damals schon bekannt gewesen, dass als Überträger der schwarzen Pest nur der Rattenfloh in Frage kam, hätte er zumindest etwas besser auf sich achten können.
Also hängt nicht zuletzt auch Hygiene in erster Linie von (Selbst)-Verantwortungsbewusstsein, Bildung und Wissen ab, erstes ging Opitz in jeder Beziehung allemal ab, Moeresius befand sich zum ungeignetsten Zeitpunkt in einer Art Ausnahmezustand und der Vernünftigste unter den dreien, nämlich Albinus, fiel letztendlich seiner Nächstenliebe zum Opfer. Dieses Problem anzureißen und als Maßstab auf die gegenwärtige Situation anzulegen, war meine Intention.
Übrigens grassierte die Pest in dem Zeitraum, in dem Opitz sich infizierte, am kürzesten, Ober- und Mittelschicht blieben weitestgehend von ihr verschont.
Theoretisch hätte Albinus sich auch da schon anstecken können, wenn mich nicht alles täuscht, war er seit 1638 Diakon.

Ciao, Frank

 diestelzie (12.12.21, 09:57)
Tot waren dann letztendlich alle drei. Die Frage ist, ob wir den Pastor als Samariter sehen wollen oder als einen Menschen, der seinen Beruf mit Hingabe ausübte. Dann wäre sein Tun nicht weniger wertzuschätzen, aber es müsste auch niemand applaudieren. Sicher hat auch er Menschen in seinem Umfeld infiziert und war darüber nicht glücklich.
Opitz und Moeresius schwebten in völlig anderen Sphären als der Pastor. Damit meine ich nicht den Bildungsstand, sondern die Lebensart. Ist ihr Leben deswegen weniger wert? Es gibt noch heute Menschen, die ihre Werke zu schätzen wissen.
Was ich meine ist: Der Tod eines Menschen ist immer traurig. Es ist egal, ob er ein Hurensohn, ein Pastor, ein Arzt, ein Geimpfter oder Ungeimpfter war. Wenn wir an dieser Stelle anfangen, Unterschiede zu machen, ist es vorbei mit der Menschlichkeit.

Liebe Grüße
Kerstin

 Ralf_Renkking antwortete darauf am 12.12.21 um 10:45:
Es geht nicht um die Werke, sondern den Menschen. Albert Speer war ein begnadeter Architekt, aber eben auch Nationalsozialist reinsten Wassers und bei einem selbstverschuldeten Tod kommt es auch immer auf die Motive an, wer so rücksichtslos mit dem Leben anderer umgeht wie Opitz es seinerzeit tat, darf sich nicht wundern, dass ihm nur noch wenig Menschlichkeit zuteil wird und egal, ob Albinus Samariter war oder leidenschaftlicher Seelsorger, er hat unter den dreien dieses Schicksal am wenigsten verdient, weil er am verantwortungsvollsten gehandelt hat und sorry, natürlich ist auch Hitlers Tod betrauert worden, mir persönlich geht er allerdings am Hintern vorbei.

Ciao, Frank

P. S.: Ob eines der drei Pestopfer noch jemand anderen infiziert hat, wage ich nicht zu beurteilen, denn die Ansteckungsphase bis zum Tod verlief recht rasch, außerdem erforderte eine Übertragung entweder eine offene Wunde bei den Kontaktpersonen oder die Präsenz des Rattenflohs, der von Mensch zu Mensch übersprang und die Krankheit durch seinen Biss auslöste, bei Husten oder Schnupfen seines Gegenübers den eigenen Atembereich durch Schals oder sonstige Stoffe zu schützen, wird auch damals genutzt worden sein, gegen den Floh half das jedoch nicht.

 diestelzie schrieb daraufhin am 12.12.21 um 11:11:
Es ist überaus menschlich, dass wir das Ableben von Menschen wie Hitler weniger bedauernswert finden. Allerdings gibt es Regionen in Deutschland, da ticken viele Menschen anders. Aber das nur nebenbei...
So ein Virus fragt nicht nach "verdient" oder "nicht verdient". Das einzig gerechte im Leben ist doch, dass wir alle sterben werden, egal, was oder wer wir sind. Es gibt aber auch hier Außnahmen. Darüber habe ich heute geschrieben.

 Ralf_Renkking äußerte darauf am 12.12.21 um 16:30:
Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte, ist, dass der Tod eines Menschen eben nicht immer als traurig empfunden wird, kein Mensch deshalb jedoch global mit dem Stempel "unmenschlich" versehen werden sollte, und ja,  Bakterien und Viren kennen kein ethisches Theater, für mich ist es allerdings schade, dass sie nicht differenzieren können.  
:D   :D

Ciao, Frank
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