Qincong Endevereaux (1661-1699)

Schauspiel zum Thema Kosmos

von  Jack

Dieser Text ist Teil der Serie  Ceachelle

Unser Planet hat 31 Monde. Jede Mythologie hat eine Erklärung dafür, jede naturphilosophische Tradition hat sich mit großer Faszination diesem glücklichen Umstand gewidmet. Das sicherste Anzeichen geistesgeschichtlicher Dekadenz ist das Verschwinden der Monde im philosophischen Diskurs. Aus dem objektiven Geist des 17. Jahrhunderts sind die Monde nach und nach verschwunden; und ja, das ist besser als das was die Hofastrologen in Preteria und Vienne aus den Monden gemacht haben, doch es ist offensichtlichst eine Schande gegenüber der Begeisterungshaltung gegenüber diesen Perlen der Natur in Akeriki, wo um 1675 eine teleskopische Erforschung begann.


Endevereaux war ein Waisenkind ornelischer Einwanderer, lebte auf dem gleichnamigen Tafelberg, daher sein Pseudonym. Der Vorname ist ebenfalls Künstlername, der vorher rasprostranierte Name tut nichts zur Sache. Er lernte früh Astronomie, reichte Schrauben und -zieher beim Bauen von Teleskopen. Er war aber auch ein Mondphilosoph. Da es keine Rechenmaschinen gab, stellte er viele Berechnungen für Astronomen im Kopf und auf Papier an, und beteiligte sich an celestischer und terrestrischer Naturerforschung. Er tat in seinen 38 Jahren so viel für die Wissenschaft, dass ihm der folgende Schwachsinn mehr als nur nachzusehen ist, er ist ihm zu gönnen:


Es gibt nur eine Welt, unseren kugelförmigen Planeten. Dieser umkreist einen anscheinend riesigen Gasball, den noch andere Planeten umkreisen. Auf diesen gibt es kein Leben, sie sind kosmogonischer Schrott. Ab einer bestimmten Größe und der damit zusammenhängenden Masse verhalten sich feste Körper wie Flüssigkeiten, und formen sich zu Kugeln. So auch unsere 31 Monde. Im Gegensatz zu den minderwertigen Überbleibseln der Weltentstehung sind unsere Monde besser als unser Planet; je weiter entfernt, umso weiter ontomoralisch oben. Vom weitestenfernten Mond fällt ein Körper in die Richtung unseres Planeten, aber noch weiter ist kein Oben mehr*, da endet das System und es gibt keine Fallhöhe; also endet da auch die Welt. 


Im Grunde verarbeitet Endevereaux die verschüttete Kosmologie von Aristarch und seinen Schülern. Er erreicht nie das kosmologische und theologische Niveau des Hedonikus, aber er hält den tatsächlichen kosmologischen Aufbau der Welt für das grundlegendste und wichtigste Wissen. Er ist hier nicht besser als seine Zeitgenossen, die philosophische Spekulation unmittelbar für Wissen halten, und er „weiß“, dass der moralisch Vortreffliche auf dem nächsthöheren Mond geboren wird und so weiter bis zum höchsten. Er geht von 32 Leben aus, die im karmischen Aufstieg zum immer höher gelegenen Mond ihren Sinn haben. Was der Sinn des Lebens auf dem höchsten Mond sein soll, sagt er nicht, was kein Vorwurf ist: was sagen denn die anspruchsvollsten Mystiker und Schamanen zur finalen Glückseligkeit? Sie schweigen. 



Anmerkung von Jack:

N. T. van Anderten, 27.2.1916.

*Der intellektuellen Redlichkeit halber merke ich natürlich an, dass die Körper nicht von den Oberflächen der Monde zu uns runterfallen, sondern erst wenn der Luftraum des jeweiligen Mondes verlassen wird. Doch das ist wiederum kein Fortschritt gegenüber Aristarch und Hedonikus, die das ebenfalls berücksichtigten, und außerdem sogar das gravitativ-physikalische und das ontomoralische Oben und Unten hin und wieder als voneinander getrennt dachten.

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Kommentare zu diesem Text


 Alazán (05.01.26, 23:23)
Bitte lies nochmal Korrektur - ich würde gern weiterlesen, aber schon der zweite Satz hat einen wenn auch kleinen Fehler. Ich kommentiere dann nochmal neu, weil mich das Thema durchaus interessieren würde.

 Jack meinte dazu am 05.01.26 um 23:29:
Automatische Vervollständigung wohl. Früher hat man seine Tippfehler noch selbst gemacht. Ich schau es mir gleich an.

 harzgebirgler (06.01.26, 13:02)
viel glück dir auch im neuen jahr beim zimmern (d)einer welt
die ohne zweifel nach wie vor voll aus dem rahmen fällt.

lg vom harzgebirgel

 Jack antwortete darauf am 06.01.26 um 20:40:
Es muss auch etwas Gutes geben:
Von Negation kann man nicht leben.
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