Deadendeath (1710-1730)

Revue zum Thema Horror

von  Jack

Dieser Text ist Teil der Serie  Dorcor

HFX unter 3000 im Winter 1710/11. Zum letzen Mal passierte diese Katastrophalkatastrophe Ende 1790 (Tiefststand 2922,96). Von dem Allzeittief (2154,55 Ende Januar 1627) gar nicht so weit entfernt. Aber egal: Es ging aufwärts. Das Allzeithoch von 1575 wurde erst Ende 1769 übertroffen, zeitgleich mit dem ersten Ceachelium, der „Nihilismuskonferenz“. 


Die Pandemie von 1710 war verheerend. Es folgte ein Jahrzehnt auf Sparflamme. Anfang 1721 starb John Deader nach 26 Jahren an der Macht. Der Technokrat Alfred Ancona folgte. Auf das Jahrzehnt der Sparflamme folgte das Jahrzehnt der ruhigen Kugel. So nannte man es jedenfalls, bis das nächste Jahrzehnt zu Ende war: da war die Kugel noch ruhiger. Schade, dass wir in jenen Zeiten kein Kabarett hatten. Aber wir hatten ja unsere Philosophie. Da die Dummheit, die wir von außen an unsere denkmüden Geister herangetragen bekamen, selbst die mediokre Intelligenz beleidigte, konnten sich unsere Realsatiriker vor der zeitgenössischen Rezeption nicht verstecken, und Namen wie Xetter sind in unsere Philosophiegeschichte eingegangen.


Was aber die Kugel angeht, sie war sehr ruhig. Das zweite (introvertierte) Lhinn auf einem gemütlichen Hoch, das zweite (negative) Xice ging gemütlich zu Ende. Es wurden Unmengen Tee getrunken. Schwarz, versteht sich. Das war aber auch eine Zeit, in der der Pro-Kopf-Konsum von Honig astronomische Zahlen erreichte. In den mittleren 1730-ern war der Honigkonsum zehnmal, nicht zehn Prozent, so hoch wie beispielsweise 1915 (ein durchschnittliches Honigjahr). Dass Honig Thema ist, zeigt auch, wie viel da los war. 


Es war keine Zeit depressivistischer Lähmung, es war einfach eine kalte, dunkle, sehr faule Zeit. Die Wirtschaft wuchs nicht, und es war ihr egal. Im Februar 1730 ereignete sich wenigstens etwas, und zwar ein blitzartig aufkommende Pandemie, die noch misandrischer war als jene von 1710: nun starben nicht doppelt, nein, zehnmal so viele Männer wie Frauen. Aber ohne Krieg hatten sie eh nichts zu tun, also was soll’s.


Mitte 1722 und Anfang 1735 brachen Eskapismustechnologien ein und durch, besonders ab 1735 war die finisterriale Eskapistik weltführend. Dritte/vierte Phase eines introvertierten Lhinn, Winterphase eines negativen Xice: das perfekte Eskapismuswetter.



Anmerkung von Jack:

Erstes Lhinn der Finisterre:

1556. Initiation (Kraftakt)

157o.  Expansion

1591. Konsolidation

1613. Desintegration (das "Umkippen" nach J. J. J. Moncur)

1646. Exhaustation


Da das erste selbsteigene Lhinn introvertiert ist, war das erste (extravertierte) Lhinn der Finisterre ein pränaturales (vorwildes).

Das zweite Lhinn ab 1672 war das Lhinn der Wildheit (das erste introvertierte, selbsteigene).

Das dritte Lhinn ab 1799, extravertiert, war das Lhinn der Barbarei.

Das vierte Lhinn ab 1911, introvertiert, war das Lhinn der Kultur.

Das fünfte Lhinn ist das Lhinn der Zivilisation. Es wird kein sechstes geben, weil ein Lhinn einen Kraftakt erfordert, und es somit kein Lhinn der Dekadenz geben kann. Ob es heute, am 8.1.2026, bereits begonnen hat, ist noch nicht feststellbar. Jack Coopertsmith sagte es für 2024 oder 2029 voraus, und seine Filme (FX 1-6 und AS 1-3) sind die Trennlinie zwischen Kultur und Zivilisation: unser Finalmythos (FX) und unsere technokratische Zukunftsvision (AS) bilden genau diesen Übergang.

Ich werde wohl der letzte Vorsitzende der Partei der Ruhigen Kugel sein, weil mit dem Beginn des Lhinns der Zivilisation die ganze Welt die ohnehin schieben wird. Wir sind überflüssig geworden. Ich will keine Partei, keinen Staat, ich will meinen eigenen Planeten. Das scheint jetzt möglich. Mit KI-NPCs werde ich 10-15 Jahre lang ein Raumschiff bewohnen, dann landen wir auf dem Planeten CC, der präterraformt zu sein scheint (Negentropische Konvergenz nannte es van Anderten), und ich gründe meine eigene Welt: Die Welt der Ruhigen Kugel. 

Alfred Kretschet, am späten 8.1.2026.

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