Die Mitarbeiterin am Schalter der Hauptpost schaut mich kurz an, ohne dass ihr Gesicht eine Emotion erkennen lässt. Dann richtet sie ihr Augenmerk (welch schönes altes Wort für einen Blick!) auf das Sparbuch. Stumm und ohne erkennbare Emotion lauscht sie meinen erklärenden Worten. Ihr verrate ich mein Geheimnis: Auf dieses Postsparkonto zahlte ich meine Autorengelder ein, also den Inhalt meines Spendentöpfchens bei Lesungen und die Einnahme von Buchverkäufen.
Nun gibt es diese Sparkonten nicht mehr, die Post hat sie einfach aufgelöst. Das Guthaben wurde auf mein Bank-Girokonto überwiesen.
Das Interesse der Buchkäufer und das Dankeschön der Zuhörer fließt nun in meine Haushaltskasse. Nun bin ich nur noch Hausfrau und Rentnerin.
Das aufbauende Gefühl und der Beweis, dass ich mit meinem Schreiben und Lesen als Autorin Menschen erfreuen konnte, existiert nicht mehr.
Die Postangestellte am Schalter schenkt mir ein verstehendes Lächeln, das wohl tröstend gemeint ist.