Palacio de Liria, Madrid
Im Jahre unseres Herrn 1796
An die erhabenste Dulcinea del Toboso, Prinzessin der Herzen, Herrin der Mancha und Muse der edlen Ritterlichkeit.
Hochgeborene Dame,
verzeiht, dass ich, Doña María del Pilar Teresa Cayetana de Silva Álvarez de Toledo y Silva-Bazán, 13. Herzogin von Alba, Grande von Spanien, Marquise von Coria, Gräfin-Herzogin von Olivares, mehrfache Gräfin und Herrin des Hauses Alba, es wage, Euch aus der fernen Hauptstadt zu schreiben.
Ich sitze hier, umgeben von Werken, die Goya, mein geschätzter Freund, mit seinem Pinsel verewigt hat, doch mein Geist wandert zu den staubigen Straßen von Toboso. Mein treuer Goya hat mir von Euch berichtet – nicht als dem Bauernmädchen, das die törichten Zungen führen, sondern als der ätherischen Schönheit, die einen Mann wie Don Quijote dazu brachte, Windmühlen für Riesen zu halten.
Wie beneide ich Euch, Dulcinea!
Ihr seid die reine Idee, die Muse, die nie altert, nie müde wird und nie – wie ich – den Zwängen des Hofes unterworfen ist. Ihr seid die reine Essenz der Liebe, die keinen Makel kennt. Ich hingegen, die ich mit Titeln überschüttet wurde, muss mich mit der Mittelmäßigkeit der Menschen herumschlagen, während mein Herz nach der Freiheit schreit, die Ihr verkörpert.
Mein guter Don Quijote sieht in Euch Vollkommenheit. Vielleicht, meine Liebe, könnt Ihr mir ein wenig von dieser Magie senden? Sendet mir den Glauben, dass ein Maja-Kleid mehr wert ist als alle Seidenstoffe des Hofes, und dass die Liebe stärker ist als die Konventionen der Welt.
Ich habe meinem Haushofmeister befohlen, eine Auswahl meiner besten andalusischen Pferde und meine wertvollsten Gemälde zu betrachten, und ich frage mich, welches davon Eurer würdig wäre. Doch ich weiß: Euer wahrer Reichtum ist der Glaube eines Mannes.
Seid versichert meiner tiefen Bewunderung, die über alle Standesgrenzen hinausgeht.
In tiefer Hochachtung und Seelenverwandtschaft,
La Duquesa de Alba
Cayetana
https://de.wikipedia.org/wiki/María del Pilar Teresa Cayetana de Silva y Álvarez de Toledo