
Ort: Eine schattige Bank im himmlischen Garten, im Hintergrund sanfte Harfenmusik.
Personen:
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Rudolph Valentino (RV): Der "Latin Lover", elegant, melancholisch, tragisch.
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Karl Valentin (KV): Der Münchner Komiker, kauzig, skeptisch, knopfig.
(Rudolph Valentino starrt grübelnd auf eine weiße Rose, die er in der Hand hält.)
RV: Es ist eine Tragödie, Karl. Eine wahre Tragödie. Man hat mir... also dem Heiligen, nach dem ich benannt wurde, sozusagen das Herz herausgeschnitten. Aus dem Kalender! Gestrichen! Nach Jahrhunderten. Die Menschen vergessen den wahren Sinn der Liebe.
KV: (Zupft an seinem zu kurzen Hosenbein, schaut desinteressiert) Gestrichen? Na ja, wenn er gestrichen ist, ist er gestrichen. Was gestrichen ist, ist nicht mehr da. Das ist logisch. Warum hams’n gestrichen? War er zu lang?
RV: (Verzweifelt) Nicht der Heilige, Valentin! Der Valentinstag! Der 14. Februar! Der Tag, an dem ich die Herzen der Frauen im Sturm erobert habe – naja, mein Namensvetter, der Märtyrer, der die Liebenden traute. Es ist, als ob man den Stummfilm verboten hätte.
KV: (Kratzt sich am Kopf) Der 14. Februar... Moment mal. Ist das nicht der Tag, wo man die Blumen kauft, damit sie am 16. Februar schon verblüht sind? Das ist doch Betrug! Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch. Und wenn die Leute keine Blumen kaufen, haben sie das Geld gespart.
RV: Aber Karl, es geht um den Romantik! Den Traum! Die Passion! Der Heilige hat sein Leben für die Liebe gegeben, hat Nachrichten hinterlassen: „Dein Valentin“. Und nun? Ein bürokratischer Akt der Kirche.
KV: (Lehnt sich vor) Also, hören S’ mal, junger Mann. Der Heilige Valentin... war der verheiratet? Nein? Wie kann ein Mann, der nicht verheiratet war, den Leuten was von der Liebe erzählen? Das ist ja wie ein Friseur, der eine Glatze hat.
RV: Das hat doch nichts mit dem... (seufzt). Du verstehst es nicht. Es ist eine Frage der Ästhetik. Eine Kulturikone.
KV: (Unterbricht ihn) Kultur ist das, was die Leute machen, wenn sie nicht wissen, was sie tun sollen. Wenn die Kirche den Tag streicht, dann war er wohl zu arbeitsintensiv. „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, habe ich immer gesagt. Wenn die Heiligen jetzt auch schon die Arbeit einstellen, dann gute Nacht.
RV: (schaut verträumt in den Himmel) Ich sehe sie noch vor mir, die 100.000 Frauen, die 1926 meinen Leichenzug säumten. Sie liebten die Romantik, den „Scheich“. Was wird aus diesem Gefühl, wenn der Tag offiziell nicht mehr existiert?
KV: (schaut auf seine Uhr, die keine Zeiger hat) Sagen S’ mal, Rodolfo, wenn Sie so gut im Liebhaben waren... wieso sind Sie dann eigentlich so früh gestorben? Hättn S’ mal lieber weniger geliebt und mehr gegessen.
RV: (Melancholisch) Die Liebe ist eine brennende Kerze, Karl. Sie brennt kurz, aber hell.
KV: (Klopft sich den Staub vom Rock) Meine Kerze hat lange gebrannt, aber sie hat gestunken. Also, wegen der Löschung... Wenn’s mich fragen, es ist schon alles gesagt. Nur noch nicht von allen. Der 14. Februar wird trotzdem gefeiert, die Blumenhändler brauchen doch ihr Geld. Ob der Valentin nun im Kalender steht oder im Klohäuschen, ist doch egal.
RV: (seufzt, lässt die Rose fallen) Du bist ein Barbar, Karl. Aber vielleicht... vielleicht ist die Liebe stärker als ein römischer Kalender.
KV: (steht auf) Na endlich. Jetzt kommts’n. „Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“, hat der Papst wohl gesagt, als er den 14. Februar behalten wollte. Lassen wir den 14. Februar mal 14. Februar sein. Ich hab Hunger. Gibt’s hier eigentlich auch Schnitzel?
RV: (lächelt schwach) Nur Ambrosia, Karl. Nur Ambrosia.
KV: (geht ab, murmelt) Ambrosia... hoffentlich ist das nicht so trocken wie der Vortrag vom Kardinal...
