Seniorenabend

Gedicht zum Thema Alter

von  Teo

Die Aufsicht hat heut` Opa Brecht

Im Altersheim „fidele Leut‘“

Es hört und sieht der Opa schlecht

Wie sich die Rentnergang da freut!

 

Um zehn, wie es ja alle wissen

Da schließt die Tür der Rentnerscheune

Doch Brecht liegt schon in weichen Kissen

Er pennt sehr tief, und das seit neune

 

Es wurden ihm zwei Gläschen Rum

In seinen Abendtee geflößt

Er lallte kurz, dann fiel er um

Und ist frech grinsend eingedöst

 

Die Meute macht heut einen drauf

Die Mumiendisco ist ihr Ziel

Und Tante Erna hat `nen Lauf

Tanzt selbst in Windeln recht grazil

 

Auch Onkel Heinz schwebt trotz der Krücken

Volltrunken übern feuchten Boden

Springt dann auf Oma Ernas Rücken

Und prellt sich seinen linken Hoden

 

Und auch Klarissa ist in Form

Es quietschen beide Hüftprothesen

Erfüllt noch jede Wettkampfnorm

Beim Stangentanzen auf dem Tresen

 

Dem scheuen Heinz ist richtig mies

Jedoch, acht Schnäpse machen locker

Und die Portion Zigeunerspieß

Nimmt Platz auf Wilmas Schoss und Hocker

 

Bis nachts mal wieder unter Leute

Und zugeschüttet bis zum Kragen

Kaum einzufangen ist die Meute

So lässt das Alter sich ertragen

 



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Kommentare zu diesem Text


 AnneSeltmann (24.02.26, 06:28)
Also bitte – wer sagt denn, dass das Alter ruhig und würdevoll sein muss? 😄
 
Dieses Gedicht beweist eindrucksvoll: Man sollte Seniorenheime niemals unterschätzen – besonders nicht, wenn Opa Brecht die Aufsicht hat und zufällig zwei Gläschen Rum im Tee landen. Pädagogisch fragwürdig, dramaturgisch aber ein Meisterwerk.
Die „Mumiendisco“ als Ausflugsziel ist schon preisverdächtig, und spätestens beim hüftprothesengestützten Stangentanz merkt man: Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklappert. Dass Onkel Heinz trotz Krücken abhebt, ist sportlich – die Landung offenbar weniger.
Besonders schön ist die liebevolle Respektlosigkeit gegenüber allen Altersklischees. Windeln werden zur Tanzmode, Hüftprothesen zu Rhythmusinstrumenten und Schnäpse zu Persönlichkeitsentwicklern. So geht aktive Seniorenarbeit!
Fazit:
Ein Gedicht wie ein Rollator mit Turbomotor – laut, wackelig, aber erstaunlich schnell unterwegs. Und die Moral von der Geschicht?
Wenn schon graue Haare, dann bitte mit Konfetti drin.
 
Herzhaft gelacht habe ich. Danke für diesen Morgenschmunzler!
 
Liebe Grüße
 
Anne

 AchterZwerg (24.02.26, 07:17)
Was mir hier extrem fehlt, lieber Teo, ist ein spannungsreiches Bingo-Spiel! :ermm:

Aber na ja: Auch so erweist sich dieses Poem als salvenauslösendes und verschönt mir den Kavau-Morgen.

Dein Zwerch

 Didi.Costaire (24.02.26, 09:05)
Moin Teo,

die geben ja nochmal alles. Und in der Frühen tun sie wieder ganz hilflos...

Schöne Grüße, 
Dirk
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