Im Fishlake National Forest scheint ein herbstlicher Espenhain zu stehen. Doch der Schein trügt. Es ist kein Wald, sondern ein Individuum. 47.000 Stämme, genetisch identisch, verbunden durch ein uraltes Wurzelwerk. Pando, lateinisch für „ich breite mich aus“, ist ein Lebewesen der Superlative. Seine Wurzeln überdauerten Eiszeiten, seit 80.000 Jahren hält er die Stellung in Utah. Wenn der Wind durch die Blätter fährt, zittern Millionen von Blättern synchron. Ein gigantischer, zitternder Riese, der still die Zeit überdauert. Ein Klon-Organismus, der die Definition von „Baum“ sprengt. Er ist der schwerste bekannte Organismus der Welt – ein wahrer Wald aus einem einzigen, uralten Samen.
Stiller Abschied?
Doch der Gigant ist in Gefahr. Die tausenden Stämme wirken gesund, aber der Schein trügt. Pando ist alt und wird krank. Wildtiere fressen die jungen Triebe, bevor sie zu starken Bäumen heranwachsen. Der Wald verjüngt sich nicht mehr. Forschern zufolge ringt der Riese mit dem Tod. Zäune sollen helfen, das größte Lebewesen der Erde zu schützen, ein ökologischer Wettlauf gegen die Zeit. Der „trembling giant“ sendet seine Signale, aber seine Stimme wird schwächer. Pando, der Jahrtausende überdauerte, braucht Hilfe. Ein stiller Abschied droht dem größten Lebewesen unserer Zeit – ein fragiles Monument, das zu verschwinden droht, während wir staunend in seinen Blättern stehen.