DER SCHATTEN AUS DER LONDONER BOUTIQUE oder MOJTABAS KRÖNUNG

Skizze zum Thema Aktuelles

von  harzgebirgler

Groteske Skizze, basierend auf der absurden Vorstellung einer dynastischen Erbfolge in einer „Islamischen Republik“, in der der Sohn eines 86-jährigen, (fiktiv) verstorbenen „Obersten Führers“ das Ruder übernimmt, ohne je ein öffentliches Amt bekleidet zu haben.


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MOJTABA CHAMENEI



Es war ein historischer Tag im Iran. Kein Mensch hatte ihn je sprechen hören, kaum einer hatte ihn je gesehen, aber alle wussten: Mojtaba ist da.

In den prunkvollen Sälen des Expertenrats herrschte Totenstille, unterbrochen nur vom leisen Klappern von Visitenkarten. Mojtaba, der Mann, der Berichten zufolge jahrelang die Basij-Milizen aus dem Hintergrund lenkte, während er in Qom angeblich theologische Studien betrieb, trat vor. Er trug einen Turban, der so riesig war, dass er die Hälfte des Saales verdunkelte.

"Brüder!", krächzte er. Es war seine erste öffentliche Rede, und sie dauerte genau vier Sekunden. "Der Schatten bleibt."

Die 88 Experten begannen frenetisch zu applaudieren. Es war ein befreiendes Applaudieren. Endlich war die Demokratie, die im Iran ohnehin nur ein schlecht inszeniertes Schmierentheater war, offiziell beerdigt. Die Erbmonarchie, verkleidet als theokratische Republik, war vollendet.

Mojtaba, der „geheime Strippenzieher“, der Berichten zufolge ein Vermögen von geschätzten 95 Milliarden Dollar (bzw. Anteile daran) verwaltete, setzte sich auf den Stuhl seines Vaters. Er roch nach den Parfümerien in London, in denen er laut westlichen Berichten gesichtet worden war, während er gleichzeitig die Tugendwächter im Iran zur Härte aufrief.

"Was ist mein erster Akt?", fragte er.

Die Revolutionsgarden (IRGC) standen stramm. Ein General überreichte ihm ein iPad. "Sire, die Jugend protestiert."

Mojtaba lächelte, ein Lächeln, das gleichzeitig leer und absolut tödlich war. Er tippte auf den Bildschirm. "Sperrt das Internet. Und schickt meine neue Kollektion an Schador-Stoffen in die Geschäfte. Es wird eine schlichte, aber teure Saison."

Draußen riefen die Menschen "Tod dem Diktator!", aber der Wind trug die Rufe nicht in den schalldichten Bunker, in dem Mojtaba nun seine Residenz aufgeschlagen hatte. Er war der neue „Ober-Mullah“, der König der Schatten, der Mann, der aus dem Nichts kam und nun alles kontrollierte, ohne jemals Verantwortung zu übernehmen.

Der Iran, so schien es, hatte sich verwandelt. Nicht in eine Demokratie, nicht in eine moderne Theokratie, sondern in ein absurdes Kabinett des Erbens, wo der Schatten nun selbst den Schatten regierte...


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