Ein philosophischer Hund

Gedicht zum Thema Beziehung

von  Saira

Du bist wie ich
ein Lebewesen.

 

Nur dass du
mit größerer Überzeugung
an Käse glaubst.

 

Dein Fell
besteht aus warmen Fäden,
dein Atem
aus Wald,
Wiese
und gelegentlich
aus Dingen,
über die man besser nicht spricht.

 

Wenn ich die Leine nehme,
rauscht ein Sturm
durch die Wohnung.

 

Manchmal glaube ich,
deine Gedanken seien kleine Raketen:
Stock!
Ball!
Noch ein Stock!

 

Und irgendwo dazwischen
ein kurzes Aufleuchten von Vernunft,
das sofort wieder verschwindet.

 

Du lehrst mich Geduld.
Vor allem dann,
wenn du plötzlich stehen bleibst,
um eine Stelle zu studieren,
an der offenbar gestern
ein philosophischer Hund
vorbeigekommen ist.

 

Deine Liebe
ist nicht kompliziert.

 

Sie kommt angallopiert,
rammt mir die Nase in die Hand
und sagt:

 

Ich hab dich.

 

Mit dir
gehe ich durch die Welt
wie jemand,
der merkt,

 

dass Glück
manchmal einfach bedeutet:

 

Jemand wartet an der Tür
und ist fest davon überzeugt,
dass ich
das Beste bin,
was diesem Tag passieren konnte.


 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (13.03.26, 13:35)
Hallo Sigi,
man liest immer wieder, dass Hunde treu und anhänglich seien. Es war überfällig, dass sie auch als Philosophen gewürdigt werden.

Liebe Grüße
Ekki

 Saira meinte dazu am 13.03.26 um 14:04:
Lieber Ekki,

ich fürchte, Hunde sind uns Menschen in der Philosophie manchmal ein gutes Stück voraus. Sie stellen nur die wirklich wichtigen Fragen:

Wo ist der Stock?
Wer hat den Käse?
Und warum dauert es so lange, bis die Tür aufgeht?

Alles andere scheint ihnen verdächtig nach unnötigem Denken auszusehen.

Herzliche Grüße
Sigi
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