Glück gehabt oder das ist Lebensqualität

Satire

von  Reliwette

                                  Glück gehabt -oder: das ist Lebensqualität

                                       (eine Satire mit glücklichem Ende)


Über den Begriff "Glück" schrieb der Philosoph A. Schopenhauer seinem Freund, dem Schriftsteller Heinrich Mann, in einem Brief" Das ganze Leben besteht mehr oder weniger aus einer Verkettung unglückseliger Umstände, die von einigen kurzen Phasen unterbro-chen werden, und die nennt der Mensch dann Glück.

Bevor ich mich durch vorstend Beschriebenes belehren lassen konnte, musste ich auf meine eigene Lebenserfahrung zurückgreifen, um meinen Seelenzustand zu definieren.

Meine eigene Biografie setzt sich eigentlich mehr aus einer Verkettung unglückseliger Umstände zusammen,die phasenweise durch ein Hochgefühl von gelebter Lebenslust durchbrochen wurde.


Unverständlicherweise gelang es mir doch immer wieder, die Wahrnehmungen meiner Umwelt in schöngeistige Zeilen zu verpacken. Weshalb ich das tat, weiß ich bis heute nicht.

Erst als ich gelernt hatte, von allen möglichen Dingen und Personen ohne größere Schmerzen Abschied zu nehmen, ging es mir deutlich besser!

Das geht so weit, dass ich in die Lage versetzt wurde, auch bitterböse Satiren herzusagen.  Ich sehe überhaupt keinen Anlass dafür, den Ärger des Lebens alleine aufzufangen. Sie sollen ihn mit mir teilen. Vielleicht können wir dann gemeinsam darüber lachen?

Zwar mag es dem einen oder der anderen von Ihnen zwischenzeitlich besser ergehen, weil gerade eine von Schopenhauer zitierte Zwischenphase eingetreten ist, doch das muss ja nicht so bleiben, nicht wahr?

Die meisten Menschen leben ohnehin in putativen Glückszuständen, was bedeutet, dass sie es glauben, aber nicht wissen!

Heute noch in den prallen Pfirsich gebissen, morgen die runzlige Aktentasche gestreichelt!Das tut weh!


Also richte ich mich doch gleich auf Runzeln und Falten ein. Ich habe in der Tat genugend davon: jede Kerbe ist wie mit dem Skalpell geschnitten. Zum Glück kann ich diese Endmoränen mit einer saftigen Neurose kompensieren.

Wenn ich mich vor den Spiegel stelle, sehe ich wenigstens noch etwas Positives, was mich anlächelt. Mich strahlt ein kraftstrotzender optimistischer junger Prinz an, und wie im Trance höre ich von fern meine eigene sanfte Stimme zu mir sprechen:"Sahne, Baby, allerfeinste Sahne!"

Dann wieder habe ich Phasen, in denen ich spüre, dass uns irgend etwas sehr kaputtmacht. Zuweilen glaube ich, der Lösung ganz nahe zu sein., doch dann flutscht es mir wieder durch die Finger.

Man sagt, dass sich alle Vorgänge in der Geschichte in Abständen von einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten wiederholen. Man müsste einfach die Wiederholungen auslassen,unterbrechen, dann hätte man ja Glück gehabt.. 

Würde ich dann nach meinem Befinden befragt, könnte ich wahrheitsgemäß antworten:"Ich habe gerade unterbrochen"

Ob ich verstanden würde?


Was braucht das Individuum, um ein zufriedenes, ausgefülltes Leben führen zu können? Wie wäre es mit einem gehobenen sozialen Ansehen? (Schau mal, mein Sohn, da drüben geht....)

Gerade sind wieder einige akademische Ehrentitel hereingekommen, im Sonderangebot gibt es Dr. h.c. oder Professorentitel h.c. (honoris causa - der Ehre halber). Möchten Sie einen Eintrag in das WHO is WHO, eine  Mitgliedschaft in der Gebrüder - Humboldt-Stiftung, eine Mitgliedschaft im Rotary- oder Lioners Club?

Machen Sie doch einfach von sich Reden, es fällt im allgemeinen gesellschaftlichen Gequake nicht unangenehm auf!

Seien Sie doch endlich Wer!

Oder laufen Ihnen bereits die Feunde weg? Da kann ich nur laut lachen"

Wer will sich mit Ihnen in der Öffentlichkeit zeigen?


Also, der soziale Stand ist es nicht, der Ihnen, weil er fehlt, die Lust auf Leben vermasselt. Sie sind ein besonders schwerer Fall, wie mir scheint.

Dann versuchen Sie es doch einmal mit "haben, haben, haben". Beginnen Sie mit einer Briefmarkensammlung. Um Zeit zu sparen, kaufen Sie sofort eine komplette Sammlung, wir haben schließlich alle wenig Zeit und unsere Geduld mit Ihnen neigt sich dem Ende zu. Sie könnte auch etwas anderes Sammeln, z.b. rohe Eier von verschiedenen Vögeln oder von nur einem Vogel. Damit ließe sich eine Ausstellung arrangieren, eine Retroperspektive "Der Vogel - alle Eier seines Lebens!"Man läuift mit Neikischuhen daher, in kostbares "Diesel" gehüllt und bis zur Bewusstlosigkeit in "Volum- in-Schaum gestylt, und dem Herrn sei es getrommelt und gepfiffen, es machen genügend mit. Wer an dieser Stelle boykottiert, weiß nichts von Lebensqualität, Im Gegenteil, der bringt alles zum Einsturz.

Zugegeben, Sie könnte auf dem Kamm blasen. Aber ich warne Sie, der Kamm ist nicht tiefer zu legen, wie z.B. ein Opel Manta. Ich ärgere mich ständig über irgendwelche Stümper: Krampfhaft versuchen einige von ihnen, die Welt kaputtzumachen, aber nicht einmal das können sie richtig! Das dauert und dauert!

Dabei sind doch die einzigen, die dem Tode einigermaßen unbeschwert gegenüberstehen die Bestattungsunternehmen, endlich mal ein Anflug von Souverenität.


Am anderen Ufer - da - ein Silberstreif am Horizont, da winkt ein Quentchen Lebensglück. Lass uns ein Fass aufmachen, du und ich. Ich sage dir, dass du gut bist auf deine Art, sogar einmalig gut und dass ich dich sehr schätze. Vielleicht sage ich dir auch, dass es schön ist, dich kennengelernt zu haben. Welch eine Lebensqualität, welch ein Glück!-


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Kommentare zu diesem Text


 Saira (27.03.26, 16:17)
Lieber Reli,

deine Satire ist ein Feuerwerk aus Lebensweisheit, Ironie und scharfem Humor. Vom prallen Pfirsich bis zur runzligen Aktentasche, von Schopenhauer bis zur Retrospektive „Der Vogel – alle Eier seines Lebens“ – du zeigst, dass Glück weniger eine Serie schöner Zufälle ist, als die Kunst, Absurditäten zu erkennen, zu benennen und darüber zu lachen.

Besonders gelungen finde ich die Mischung aus Selbstironie, scharfer Beobachtung und einer Prise makaberer Wahrheit ... etwa bei den Bestattungsunternehmen. Am Ende winkt der Silberstreif: Lebensqualität ist weniger Besitz oder Status als die Fähigkeit, das Unvermeidliche mit Humor zu nehmen.

Kurz: Man könnte sagen, du lehrst den/die Leser/in, dass man Glück unterbrechen kann und dabei trotzdem „allerfeinste Sahne“ genießt.  :)

Herzlichst
Saira

 Saira meinte dazu am 28.03.26 um 19:00:
Beim nochmaligen Lesen – auch im Hinblick auf den Hinweis von AchterZwerg – ist mir dein Einstieg noch einmal anders aufgefallen. Der Einwand ist zwar sachlich richtig, und doch habe ich das Gefühl, dass es dir hier weniger um historische Genauigkeit geht als um eine kleine Irritation, die den Ton deiner Satire gleich zu Beginn setzt.

Vielleicht ist es genau dieses leichte „Daneben“, das den Blick öffnet für das, was danach kommt. Und dennoch kann ich verstehen, dass man an dieser Stelle hängen bleibt, weil sie nicht eindeutig als ironisch erkennbar ist.

Für mich liegt die eigentliche Stärke deines Textes weiterhin in den Bildern, den Brüchen und diesem Wechsel zwischen Schärfe und leiser Wärme am Ende.

Liebe Grüße
Saira

 AchterZwerg (27.03.26, 17:53)
Hallo Reliwette,

leider beginnst du deine Satire mit einem gravierenden Fehler:
Schopenhauer starb am 21. September 1860, Heinrich Mann wurde erst am 27. März 1871 geboren.
Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätten sie wegen ihrer konträren Lebenseinstellungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Freundschaft gehalten. - Das Werk von Thomas Mann zeigte sich jedoch stark von ihm beeinflusst - er liebte ihn sehr und setzte ihm in den Buddenbrooks sein erstes (!) Denkmal.
Im Kapitel 10 wir dies deutlich spürbar, als Thomas Buddenbrook in seiner tiefsten Lebenskrise Schopenhauers Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" liest. Er findet darin Trost für seinen Verfall, indem er den Tod als Erlösung und Rückkehr aus der "mühseligen Individualität" erkennt. 

Ich selbst kann nur jedem alten Menschen empfehlen Schopenhauers Betrachtungen über den Tod einmal zu lesen - es gehört zu dem Klarsten und Wunderbarsten, das ich aus der Literatur kenne.
Bei

Wenn ich mich vor den Spiegel stelle, sehe ich wenigstens noch etwas Positives, was mich anlächelt. Mich strahlt ein kraftstrotzender optimistischer junger Prinz an, und wie im Trance höre ich von fern meine eigene sanfte Stimme zu mir sprechen:"Sahne, Baby, allerfeinste Sahne!"

würde er dich allerdings einen "ruchlosen Optimisten" schelten ... :P

Nix für ungut. 
Ich freue mich trotzdem, dass du dich mit ihm beschäftigst!


[Schopenhauer galt und gilt als Künstlerphilosoph (50 : 50), drang bis in den Kern der Dinge vor und empfand die Kunst als Beschwichtigung in einer rauen, recht boshaften Welt. 
Er konnte wie ein Künstler "sehen."]

Kommentar geändert am 27.03.2026 um 17:58 Uhr

 Reliwette antwortete darauf am 08.04.26 um 18:12:
Stimmt, Sch. und H. Mann liegen zeitlich etwas auseinander auf dem Friedhof. Dass Sch. der Kunst und seinen Vertretern nahe ist, geht aus seinem Satz hervor: "Dass man immer wieder finden wird, dass denkende, phantasiebegabte Künstler die Zukunft besser berechnen können als viele Alltagsköpfe, die sich für untäuschbare Realisten halten".

Die Aussage, "dass ich mich für.............halte, wenn ich in den Spiegel schaue" Ist Selbstironie - leicht zu verstehen, denn ich bin 83 Jahre alt. Das scheint mir doch eher zu durchschauen sein- oder?
Dass du auf meinen Text nicht eingehst, ist schade. Zur Philosophie kann ich einiges beisteuern, z.B. aus Hegels Werk: "Über die vierfache Wurzel von zureichenden Grunde". Das ist der mit den Thesen und Antithesen, Verfechter einer Morallehre und der Ethik.oder I. Kant:"kritik der reinen Vernunft".
Lieber Gruß!
Hartmut

Antwort geändert am 08.04.2026 um 18:21 Uhr
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