V o r w o r t

Text zum Thema Selbstdarstellung

von  Reliwette

Meine lieben Zeitgenossen, vorliegende Kurzgeschichten, Satiren und Gedichte habe ich zunächst einmal für mich selbst geschrieben. Es ist mehr oder weniger eine Form der Standortbestimmung, wobei mir klar ist, dass ein Standort keine genaue Bestimmung dessen ist, wo sich einer gerade aufhält: heute hier, morgen dort oder einem völlig anderen Ort. Ein Standort ist gewissermaßen saisonabhängig.

Ich meine aber, dass es sich in meinem Fall um eine Überprüfung handelt, ob Denkweise und Meinung zu den Ereignissen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, noch stimmig ist, d.h. ob sie sich mir so darstellen, wie ich sie vor einiger Zeit analysiert und bewertet habe.

Es ist spannend, Veränderungen an sich selbst festzustellen, auch wenn es manchmal wehtut.

Die meisten Texte sind irgendwo und zu irgendwelchen Anlässen bereits einzeln an die Öffentlichkeit gelangt, z.B. in deutschsprachigen Anthologien oder anlässlich von Autorenlesungen oder in einem Buch. Einige Texte stammen auch aus den "WUNDERSAMEN GESCHICHTEN FÜR INDIVIDUAKISTEN§, ein schmales DIN A 4 Konstrukt, das ich im Jahre 1972 selbst gedruckt und verlegt habe. Es waren immerhin 1000 Exemplare, jedes mit handschriftlicher Signatur auf dem Buchdeckel. Diese "Bücher" waren bei jeder Galerieausstellung präsent und erfreuten sich allgemeiner Beliebtheit. Während der Laudatio gab ich schon mal einen launischen Kommentar dazu:" Bei mir daheim macht der Papa alles selbst, auch die Literatur in Druckform".

Solche launischen Bemerkungen brachen das Eis, so dass man mit den Besuchern ins Gespräch kam.

Eine Überhöhung des ausstellenden Künstlers zu seinem Publikum war mir fremd, schließlich sitzen wir alle in einem Boot, nur müssen nicht alle rudern!


Große gesellschaftliche Veränderungen in der Gesellschaft finden durch Kunst und Literatur nicht statt. Wer es dennoch versucht, wird sich an dem Phänomen die Zähne ausbeißen,dass sich in der Form darstellt, dass der Teufel stets auf den größten Haufen kackt, was sich im All in der Masse auisdrückt, welche die kleinere Masse an sich bindet und zum Teil in sich aufnimmt.. Aber da ist ja noch die viel beschworene Insel der Gleichgesinnten, auf der wir Harmonie gleicher Gedanken und Empfindungen hoffen zu erleben


Wenn wir mit annähernd 40.000 Kilometern in der Stunde durch das Weltall sausen, ohne jemals irgendwo anzukommen, so liegt die Erkenntnis nahe, dass wir uns diese Insel beizeiten suchen müssen, um uns darauf niederzulassen. Mein "persönlicher" Zollstock ist schon recht kurz geworden und meine wertvollsten Freunde sind schon gegangen. Ein verrücktes Leben liegt hinter mir. Jetzt hat der Philosoph das Wort: Lassen Sie uns das irdische Geschehen gemeinsam betrachten, vielleicht können wir auch gemeinsam über den Unsinn lachen, mit welchem wir uns die Zeit vertreiben und es uns unnötig schwer machen


Hartmut T. Reliwette, 1981


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