DAS WESEN DER MENSCHLICHEN FREIHEIT ALS FÄHIGKEIT ZUR ENTSCHEIDUNG FÜR GUT ODER BÖSE

Essay zum Thema Gut und Böse

von  harzgebirgler


mdV7myBJ4jd2XDP254t8GyBj6MFniD2cfTDsxbPFni2wJ0t8ASxOxvueduzBZ4t8HG0wBPEPo5+eNbi2QLPFrizBZ4gdmfDPW97tsCzBT6OFniC2MfRD89aPFvg2QJ3tsATxO5suOdtzxZ4tsDH0QJPEPs4+uFZi2cLPFvgzhb4f1FFg2zBc0PYAAAAAElFTkSuQmCC

Freiheit wird oft als die Möglichkeit verstanden, tun und lassen zu können, was man möchte. Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus, geht in seinen „Philosophischen Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit“ (1809) jedoch einen entscheidenden Schritt weiter. Für Schelling ist Freiheit nicht bloße Willkür, sondern die grundlegende Fähigkeit des Menschen, sich aktiv zwischen dem Guten und dem Bösen zu entscheiden.


Der Mensch zwischen Licht und Dunkelheit


Schelling konzipiert den Menschen als ein Wesen, das zwei gegensätzliche Prinzipien in sich trägt. Auf der einen Seite steht der „Grund“ – eine dunkle, triebhafte Natur, die auf das eigene Ego und den Eigennutz ausgerichtet ist. Auf der anderen Seite steht das Licht des Verstandes oder der „Universalwille“, der das Gute und die Liebe verkörpert. Der Mensch ist laut Schelling das einzige Wesen, das sich über diese dunkle Natur erheben kann. Während das Tier zwanghaft seinem Trieb folgt, kann der Mensch entscheiden, ob er dem Egoismus (Böses) oder dem Geist der Liebe (Gutes) folgt.


Freiheit als echtes Wagnis


Das Wesen der Freiheit besteht für Schelling genau in dieser Zerbrechlichkeit. Die Möglichkeit zum Bösen ist keine Schwäche, sondern ein notwendiger Teil der Freiheit selbst. Wäre der Mensch unfähig zum Bösen, wäre er auch unfähig zum wahren Guten – er wäre nur ein Automat. Das Böse entsteht, wenn der Mensch seinen Eigenwillen über den Universalwillen stellt, sich also isoliert und sich selbst zum Zentrum macht. Das Gute hingegen ist die Ordnung, in der der Eigenwille sich freiwillig in den Universalwillen einordnet.


Freiheit ist nicht Eigenschaft, sondern Sein


Ein revolutionärer Gedanke Schellings ist, dass Freiheit keine Eigenschaft ist, die der Mensch besitzt (wie Intelligenz oder Haarfarbe). Vielmehr ist der Mensch „Eigentum der Freiheit“. Freiheit ist das fundamentale Fundament des Seins. Indem der Mensch sich entscheidet, gestaltet er nicht nur sein Leben, sondern er formt sein eigenes Wesen und wird erst eigentlich „Mensch“. Die Entscheidung für das Gute oder Böse ist somit keine Tat, die einmal passiert, sondern eine dauerhafte Ausrichtung des Charakters.

PPPyw0WZSFFbHqCzgw1TIfMvWrJlYJbS1E73MRcZFaEM3bdCvLt6S57Aw85lvmEojtWV6C6ut8WKKoHIOJ1NT6Z+WvfRc7DuGWMZbZ4UxBJj51fO9e604+y7YIfPURjvf8idmVFQHnZjvPox38AV4XLRnLhqLEAAAAASUVORK5CYII=





Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 S4SCH4 (10.04.26, 19:05)
Ich fürchte nur, dass wenn die Ordnung zum Bösen eintritt bzw. ersichtlich wird, dann hat das Böse bereits gewirkt. Anm: Kant ist nahe bei Schelling was das Thema betrifft.

Dieses Wechselspiel aus Eigenwillen und Universalwille (oder bei Kant Selbstliebe und Sittengesetz) ist doch ein ständiges Geflecht aus Motiven, Alibis, Schuld und deren Auseinandersetzung. Will sagen: es ist ein dynamischer Prozess und nicht selten bekommt man dabei ein ungünstiges „Voting“, weil man vielleicht einfach zu einfältig ist. Dieses „unbescholtene“ Böse ist vielleicht am direktesten anzutreffen und ein wenig unschuldig dabei (wen kümmerst außer denen die eine Zielscheibe brauchen), doch es ist niemals das „Böse“, das so subtil und wirksam giftig ist, sich verschweigt und die List auf seiner Seite hat.

 EkkehartMittelberg (10.04.26, 20:07)
Hallo Henning,
dein Text gefällt mir wegen der gedanklichen Klarhbeit sehr.
LG
Ekki
Zur Zeit online: