Grüß Gott! - Grüß Gott!
Grüß Gott! - Grüß Gott!
Grüß Gott! - Grüß Gott!
Irgendwann hörte ich auf zu zählen, denn der Zug der Mulis mit ihren Treibern, die mir auf dem Weg zur Zwieselalm entgegenkamen, schien überhaupt nicht mehr zu enden. Jeder der jungen Soldaten, flotten Schrittes wie die Tiere, grüßte mich freundlich grinsend, und mir blieb nichts anderes übrig, als jeden einzelnen Gruß zu erwidern. Ich stand eng an die Hang gedrängt, denn die Mulis mit ihren schweren Packtaschen, Getränkekisten und allem, was auf der Alm benötigt wurde, beanspruchten den größten Teil des Wanderwegs für sich.
Für die jungen Gebirgsjäger aus der nahen Kaserne gehörte diese Versorgungstour in regelmäßigen Abständen zur Ausbildung. Sie machten einen fröhlichen Eindruck und schienen Spaß an ihrer Tätigkeit zu haben. Die Mulis trabten geordnet und trotz ihrer schweren Last nicht erschöpft wirkend neben ihren Tragtierführern, wie sie bei der Bundeswehr offiziell heißen.
Diese Begebenheit ist fast zwanzig Jahre her. Die knapp dreistündige Tour von der Reichenhaller Innenstadt zur Zwieselalm habe ich im Laufe meiner Herbsturlaube mehrmals gemacht. Als Belohnung gab es dann die Brotzeit auf der Alm mit dem herrlichen Blick über das ganze Reichenhaller Tal.
Der Blick für Wanderer wird immer bleiben, aber die Bewirtschaftung der Alm wird wohl demnächst enden. Es geht um nicht erfüllbare Behördenauflagen, um Abwasser, das kostspielig vom Hubschrauber ins Tal geflogen muss und ähnliches. Der bisherige Pächter hat resigniert.
Die Zwieselalm ist nur eine von mehreren Almen und Berggasthöfen rund um Bad Reichenhall, die ihren Betrieb in den letzten Jahren dauerhaft eingestellt haben. Die Ziele für eine Halbtagstour oder einen gemütlichen Nachmittagskaffee sind damit alle verloren: Die Padinger Alm, der Kugelbachbauer, die Obermühle, der Schroffen (schon seit vielen Jahren). Die Gründe für die Schließungen sind vielfältig, und oft hört man von fehlendem qualifizierten Personal.
Beim Listwirt, der früher eine Zeitlang den besten Zwetschgendatschi weit und breit anbot, besteht Hoffnung auf Sanierung und Wiedereröffnung. Aber hier haben offenbar im Laufe der letzten Jahre schon mehrere Gastronomen ihr Glück versucht und nicht gefunden.
Die Mulis und ihre jungen Treiber werden auch ohne die Belieferung der Zwieselalm im Gebirge trainieren können. Für die vielen Reichenhaller Kurgäste wird es allerdings in Zukunft ohne alle diese Einkehrmöglichkeiten ein wenig trostlos.