Ich bin zufrieden

Text

von  Verlo

Obwohl ich zu früh aufgestanden bin und den ganzer Tag müde war.

Keine Ahnung, warum ich trotzdem zufrieden bin, also der morgige Tag gern wie der heutige sein könnte, selbstverständlich nicht genau, damit es nicht langweilig wird, aber von der Sache her.

Das Erste, worüber ich mich gefreut habe: eine junge Frau, die auf einer Fähre arbeitet, hat mich in meinem neuen Motorrad-Helm nicht erkannt, ich fühlte mich belästigt, habe mehrmals überlegt, die Fähre nicht zu nutzen, damit ich ihr nicht begegne, aber das bedeutet einen unangenehmen und langen Umweg. Nun scheint das Problem gelöst. Sie erkennt mich nicht. Vielleicht interessiert sie sich auch nicht mehr. Aber das möchte ich gar nicht herausfinden. Besser ich nehme das nächste Mal die Fähre, ohne daß sie Dienst hat. Also das Problem scheint noch nicht wirklich gelöst zu sein. 

Das Zweite, worüber ich mich gefreut habe: eine Paßstraße, die ich schon lange fahren wollte, ist seit einigen Tagen offen, heute bin ich sie gefahren, und habe Schönes gesehen, das ich so noch nicht gesehen habe. Ich werde also noch einmal dorthin fahren, allerdings von der anderen Seite zurück, damit ich den schlechter Weg, ohne wirklich Sehenswertes, vermeide, also von hinten nach nach vorn, sozusagen, zu der märchenhaften Schlucht mit Wasserfall, zu der alten und trockengemauerten Steinbrück am See und dem See selbst.

Das Dritte, worüber ich mich gefreut habe: der leckere Nudelsalat, für den ich insgesamt 200 Kilometer gefahren bin – wobei ich für den Hinweg vier Stunden gebraucht habe (zwei Fähren), für den Rückweg drei Stunden 15 Minuten (eine Fähre), im Geschäft und auf dessen Parkplatz, der Vollständigkeit halber, war ich weniger als zehn Minuten –, und das ein Meter lange Sauerteig-Baguette, das jeden Tag frisch im Geschäft gebacken wird, beides gibt es wohl nur dort, ich meine, das ist der Laden, der am nächsten ist, er liegt in einem anderen Fylke (Møre og Romsdal), vermutlich hat er einen anderen Lieferanten oder Produzenten, denn in Läden desselben Unternehmens in dem Fylke, in dem ich lebe (Vestland), hab ich beides so noch nicht gesehen. Ist doch klar, daß ich für so leckeren Nudelsalat nicht jedesmal 200 Kilometer fahren will, wenn ein Laden des Unternehmens nur weniger Kilometer entfernt ist, im Grunde locker mit dem Fahrrad zu erreichen, auch für mich, der ich am besten auf E-Bike umsteigen sollte. Aber ...

Das Viertel, worüber ich mich gefreut habe: mein neuer Motorrad-Helm ist leiser, schützt mich besser vor dem Wetter, aber ich kann ich auch fahren wie meinen alten, bei dem ich dem Wetter und der Lautstärke ausgesetzt bin, fast als hätte ich keinen Helm auf, wodurch das Fahrerlebnis intensiver wird, man kennt es, Kondom oder kein Kondom ... Nein, du kennst es nicht, Verlo, du hast noch nie einen Kondom benutzt, also erzähl nicht solche Scheiß ... Man kennt es, Handschuhe und Mütze oder nicht, im Winter einfacher zu beantworten als im Sommer, aber je schneller man mit dem Motorrad fährt, desto mehr Winter, allerdings fährt am einen alten Paßweg lang, bewegt man sich teilweise in Schrittgeschwindigkeit, und dann wird es war, so war wie es eben ist, wenn man im Sommer Winterkleidung trägt, da mußte ich also mehrmals nicht nur den Helm hochklappen, was ein Handgriff ist, und den neuen Helm vom Wetterschutz in den alten verwandeln, sondern auch eine Jacke öffnen, reicht nicht, also ausziehen, Handschuhe wechseln, dann wurde es in kälter, der höher der Berg wurde, Jacke anziehen, Jacke schließen, Helm runterklappen, was nur ein Handgriff ist und ich auch nicht anhalten muß, Handschuhe wechseln, muß ich auch anhalten, also im Winter bin ich vom Wetterschutz eigentlich ohne Helm gefahren, aber das war richtig cool, und auch kalt, nach eine mehrstündigen Motorradfahrt lag ich dann Stunden fast vollkommen angezogen im Bett, eigentlich nur Stiefel, Helm, Handschuhe und Regenjacke und Regenhose ausgezogen, also im Bett lag ich mit zwei Paar dicken Strümpfen, zwei langen Hosen, Unterwäsche, ein Hemd, eine Jacke, eine dicke Jacke, eine Mütze; Handschuhe habe ich im Bett noch nie getragen, auch keine Gummihandschuhe, wie speziell der Sex auch war ... Verlo, erzähle gern mehr aus der alten guten Zeit, als du dich von jungen Frauen noch nicht belästigt gefühlt hast, sondern angezogen und nicht genug von ihnen bekommen konntest ... Ich verrate dir ein Geheimnis: die gute alte Zeit ist vorbei, aber um das Thema "junge Frauen" weiter auszuführen, warte ich, bis der Islam in Europa herrschender Glaube ist ...

Das Fünfte, worüber ich mich gefreut habe: durch den neuen Helm und die fürs Motorradfahren optimierten Ohrstöpsel kann ich auch hohe Geschwindigkeiten fahren, ohne daß es zu laut wird, insbesondere in den oft sehr langen Tunneln, so daß ich nach der Fahrt zwar weiterhin allgemein erschöpft bin, aber sich Augen und Ohren anfühlen wie nach einem Wellness-Ausflug. 

Das Sechste, worüber ich mich gefreut habe: genau betrachtet, brauche ich kein schnelleres und bequemeres Motorrad, um weitere Reisen zu unternehmen, da ich mit ihm nicht wirklich schneller fahren kann: mehr als 80 Kilometer pro Stunde darf man hier in der Gegend ohnehin nicht, in Stavanger war das anders, aber hier ist bei 80 Schluß, oft kann man die gar nicht wegen der Kurven und Unübersichtlichkeit fahren, oft sind nur 60 Kilometer pro Stunde erlaubt, klar kann man mehr, aber vorgestern hätte ich bezahlen müssen, wenn nicht vor mit ein LKW herausgewunken worden wäre, wäre ich mit ... gemessen worden. Ich habe nach der Fahrt das Video, das die gesamte Fahrt aufgezeichnet hat, ausgewertet: ich hätte die Kontrolle ebensowenig gesehen, wie der LKW-Fahrer.

Das Siebte, worüber ich mich gefreut habe, hat nichts mit der heutige Reise zu tun, wirkt aber sicherlich nach: die junge Frau mit den drei schulpflichtigen Mädchen, die einige Zeit im Haus wohnen, und ich haben zusammen den hohen Rasen gekürzt, ohne daß wir eine Sprache sprechen, die jüngste Tochter hat anfangs übersetzt, aber später haben wir uns verständigt wie zwei Kollegen, die seit Jahren zusammen beste Arbeit liefern, ohne viele Worte zu verlieren. Eigentlich wollte ich ihr den Kantenschneider schenken, aber sie hat den schwierigen Rasen innerhalb kurzer Zeit gekürzt und geharkt, die Hartplastik-Messer zu wechseln möchte sie nicht, also hab ich die Akkus aufgeladen und gewechselt und die Messer erneuert. Das ist im Grunde nicht der Rede wert, ich hätte die Arbeit allein zwar nicht in einem Gang erledigt, es ist sehr anstrengend diese Gerät richtig zu halten und zu bewegen, damit der Rasen schnell und weit genug gekürzt wird, eigentlich ist es nicht zum Rasenmähen gedacht, sondern zum Kanten scheiden, aber wir haben nicht wirklich Rasen, sondern Erde, auf dem Gras wächst, was unsere gemeinsame Arbeit zum Event werden ließ, war: sie ist Ukrainerin, ich bin Deutscher – zusammen haben wir dem russischen Rasen gezeigt, das er hier nicht wuchern kann, wie es seinem aggressiven Wesen entspricht, hier, in der Demokratie, stutzen wir, die Ukraine und Deutschland, ihn so zusammen, daß seine Widerspenstigkeit ein Kuscheln wird.

Jetzt ist klar, warum ich heute so zufrieden war (es ist bereits 23 Uhr 56): Nichts ist erfüllender als wenn die europäische Demokratie die russischen Diktatur fühlen läßt, wie scharf unsere Messer sind.




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Kommentare zu diesem Text


 Aber (31.05.26, 20:56)
Lass doch mal den ollen Putin und die ganze Politik weg, Verlo. Wer bist Du?

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 21:23:
Aber, ich habe nicht über Putin geschrieben. Ich habe Putin noch nicht einmal erwähnt.

Was also möchtest du mit deinem Kommentar sagen?

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Wer ich bin? – Was genau willst du wissen?

 Aber antwortete darauf am 31.05.26 um 21:28:
Warum wurdest Du als Staatsfeind entlassen?

 Verlo schrieb daraufhin am 31.05.26 um 21:36:
Dazu habe ich den Text "Staatsfeind zweiter Klasse" geschrieben.

https://keinverlag.de/509227.text

 Aber äußerte darauf am 31.05.26 um 21:38:
Sag es mal kurz in Deinen Worten.

 Aber ergänzte dazu am 31.05.26 um 21:53:
Aus dem Text ergibt sich keine Antwort.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 22:13:
Als der Staat einschätze, ich arbeite mit dem Klassenfeind zusammen, ...
Diese Antwort reicht dir nicht, Aber?

Wenn du heute von der EU sanktioniert wirst, heißt es auch nur: "Verbreitung von Desinformation und russischer Propaganda".

Du erwartest doch nicht von einer Diktatur mehr als du von einer Demokratie bekommst, oder, mein lieber Aber?

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 22:22:
Du gehst wieder in die allgemeine Politik. Warum hat Dich die NVA entlassen?

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 22:24:
Weil man nicht Offizier der NVA sein durfte, nachdem man auf der SED ausgeschlossen wurde.

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 22:28:
Warum?

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 22:38:
Keine Ahnung. 

Warum darf man in der EU sanktioniert werden, wenn man ...? 

So sind die Regeln. Sie werden von denen Oben festgelegt, und sie müssen sich nicht rechtfertigen.

Aber, ich weiß wirklich nicht, warum das so war.

Im Grunde ist die DDR ebenso Opfer ihrer Regeln geworden, wie die EU oder Deutschland es aktuell wird.

Man definiert einen Feind, und daraus ergebt sich ein bestimmtes Handeln, sonst wird man unglaubwürdig, und am Ende bricht der ganze Laden zusammen.

Ausgangspunkt war: ich war einige Stunden zu spät aus dem Urlaub zurück zum Dienst.

Man fragte ich, weshalb: war bei einem Freund, bin zu spät losgefahren.

Wer ist der Freund? ...

Aha, den haben wird als Klassenfeind erfaßt.

Normalerweise wäre das mit einer weiteren Bestrafung erledigt, aber die nächste Stufe war der Ausschluß aus der SED.

Antwort geändert am 31.05.2026 um 22:39 Uhr

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 22:42:
Also warst Du gar nicht Soldat, sondern hast mich nur veräppelt.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 22:52:
Ich war auch Soldat, aber erst, nachdem ich vom Leutnant degradiert wurde.

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 22:55:
Oje.

Antwort geändert am 01.06.2026 um 17:42 Uhr

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 23:07:
Ich habe als Soldat sogar zweimal drei Monate gedient: zur Reserve als Belohnung: 

Panzerfahrer Soldat Verlo, 

ehrmals StKTA Leutnant Verlo, Panzer-Techniker.

Ich war beim letzten Reservelehrgang der DDR. Als ich unter Waffen stand, hat die Mauer schon kräftig gewackelt.

Aber ein "echte" Soldat war ich nie. 

Ein EK-Maßband habe ich aber auch gehabt.

Da ich Ende Dezember entlassen werden sollte, habe die echten EKs selbstverständlich abgekotzt.

Ja, ich war kein echter Soldat, und ich war auch kein echter Staatsfeind.

Ich war ebensowenig Staatsfeind wie die, die durch die EU sanktioniert werden.

Die Staatsfeinde saßen in der Regierung.

Die Staatsfeinde sitzen in der Regierung.

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 23:11:
Eigentlich bist Du ja ganz nett.

Antwort geändert am 01.06.2026 um 17:43 Uhr

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 23:24:
Aber, du bringst mich zum Lachen! Danke.

Muttersöhnchen –  da gibt es hier einige, die sich gezwungen sahen, mich aufs Schärfste zu bekämpfen.

Dabei fahre ich hier mit angezogener Handbremse und bin immer noch schnell genug.

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 23:26:
Ich will überhaupt nicht mit Dir kämpfen, sondern nur ehrliche Antworten.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 23:28:
Ich meinte dich nicht. Du hast mich noch nie bekämpft.

Aber, ich habe dir ehrlich geantwortet.

Was war denn deiner Meinung nach nicht ehrlich?

 Aber meinte dazu am 31.05.26 um 23:32:
Du hast hier den militärischen Zoni gespielt.

 Verlo meinte dazu am 31.05.26 um 23:37:
Aber hat geschrieben:
militärischen Zoni
Was soll das sein?

Aber hat geschrieben:
gespielt
?

 Aber meinte dazu am 01.06.26 um 17:43:
Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.

 Verlo meinte dazu am 01.06.26 um 18:10:
Aber, falls du weiterhin kommentieren und deine Kommentare ändern willst, nachdem ich geantwortet habe, mach es bitte HIER, nicht in Fassung 2 des Textes.

Antwort geändert am 01.06.2026 um 18:14 Uhr

 Jack (02.06.26, 06:40)
Die Kommentare sind lustig. Gibt es auch eine Version ohne lustige Kommentare?

 Verlo meinte dazu am 02.06.26 um 07:00:
Ja, Jack.

https://keinverlag.de/509446.text
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