|
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt, und ruhig fließt der Rhein; der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
Die schönste Jungfrau sitzet dort oben wunderbar; ihr goldnes Geschmeide blitzet, sie kämmt ihr goldenes Haar.
Sie kämmt es mit goldenem Kamme und singt ein Lied dabei; das hat eine wundersame, gewaltige Melodei.
Den Schiffer im kleinen Schiffe ergreift es mit wildem Weh; er schaut nicht die Felsenriffe, er schaut nur hinauf in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn; und das hat mit ihrem Singen die Lore-Ley getan.
|
Ich weiß nicht, was soll ich erbeuten,
und dass ich so mutlos bin;
ein Gedanke beginnt mich zu reiten:
„Mach endlich mal wieder Gewinn.“
Die Straße ist ruhig und dunkel,
und ruhig fließt auch der Verkehr:
Beim Juwelier das Gefunkel
erweckt in mir ein Begehr.
Ein prächtiger Edelstein liegt dort
im Schaufenster wunderbar
an diesem goldenen Ort:
ein brillantes Accessoire.
Ich schwinge das schwere Eisen
und schaue rundherum
und lasse den Hammer kreisen.
Der Alarm bleibt tot und stumm.
Der Juwelier in seinem Kontore
hört laut das Klirren der Scherben;
steht wehrlos vor seinem Tresore
und ahnt, es geht ans Sterben.
Ich glaube, du wirst ihn erschlagen,
flüstern mir meine Gedanken :
Er kann dich dann nicht mehr verklagen,
du kannst dann wieder voll tanken.
|