staying alive

Alltagsgedicht zum Thema Gewalt

von  Maroon

er stand am Rand der Tanzfläche
und wirkte ruhig wie ein Fels
seine Blicke wanderten durch den Raum
wie zufällig und absichtslos
seine Arme baumelten entspannt
doch ein kurzes Aufblitzen verriet
dass er ein silbernes Messer
in seiner rechten Hand verborgen hielt
ein Mitarbeiter der Security
stand gerade wartend an der Theke
ich suchte den Augenkontakt zu ihm
und wies ihn unauffällig
auf den Typen mit dem Messer hin
er nickte, sprach kurz in sein Mikro
und dann passierte alles recht schnell
von drei Seiten kesselten sie ihn ein
einer rammte ihm sein Knie in den Magen
einer drehte ihm den Arm auf den Rücken
und der dritte brachte ihn zu Fall
zusammen schleppten sie ihn raus
durch die Notausgangstür neben der Theke
kaum einer der Gäste bemerkte etwas davon
es hätte fast ein Traum sein können
wenn da nicht das silberne Messer
noch immer auf dem Boden gelegen hätte
ich ergriff es mit spitzen Fingern
öffnete vorsichtig die Notausgangstür
und erblickte einen langen schmalen Flur
von dem etliche Metalltüren abgingen
die aber alle geschlossen waren
ich legte das Messer vor die erste Tür
ging wieder zurück in den Club
bestellte an der Theke ein Bier
und ließ den Notausgang nicht aus den Augen
nach etwa einer halben Stunde
beschloss ich, noch einmal nachzuschauen
der Flur war unverändert still und leer
bloß das Messer war nicht mehr da
wieder zurück im Club sah ich Gaby
und ging zu ihr rüber, um Hallo zu sagen


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