Dampf

Erzählung

von  minze

Die Erschöpfung macht mich irritiert und aufgeweckt, das zu wenig schlafen und zu viel Koffein, der kalte Zug im nassen Nacken vom Ventilator. Seit zehn Uhr bin ich aufgeheizt, eigentlich wird es mir schwindelig auf meinem Büroplatz, wenn nicht die Konzentration wäre, weil ich die wichtigen Dinge zu Ende bringen muss im Juli, sie hält mich also sitzen und arbeiten, wenn ich zwischendrin aufstehe aber, dann merke ich, dass es mir wirklich schwindelt und ich halte mich gut fest, die Treppenstufe in den unteren Büroabschnitt, zwischen drin der runde Gesprächstisch, ich gehe hinaus in den Flur und da ist es dann kühler.


Das Gebäude hat sich verwandelt. Was kühl ist und was Hitzespeicher hat sich gedreht während der letzten drei Wochen, das habe ich die anderen Sommer nicht gemerkt. Nachdem mein Büro erst einer der kühleren Plätze war, haben die erst abweisenden, dicken Mauern nun die Wärme eingekesselt. Die Innenhofseite liegt vor meinem Büro im Flur, sie wird schneller von der Sonne erreicht und verlassen, vielleicht lässt es sich so erklären, vielleicht ist sie deswegen nun kühler.


Wenn ich nachts alleine liege, weil sich jeder sich einen Platz im Haus gesucht haben – dort wo wir es kühl, wo wir es ruhig meinen, dann widme ich mich meinem Schlaf. Er ist gedehnt in seiner Ausrichtung auf meinen Organismus, auf die Koordination des nächsten Vormittags und die täglichen Hirngespinste oder Sorgen oder aufkreuzenden Gedanken. Ich leg mich hin, um um 6 Uhr wieder aufzustehen. Um den Zeitplan einzuhalten. Yann stört mich nicht, ich muss ihn nicht wegschubsen, sanft, oder mich aus seiner Berührung winden, wenn ich nicht kann oder es mir zu warm wird. Meist suche ich dann nur ein wenig seinen Fuß, wenn ich in einer sicheren Position bin.


Es beruhigt mich die ersten Nächte, nur für mich zu sein. Nun in der zweiten Woche habe ich den Eindruck, ein Gleichgewicht ist gestört. Ich bin nicht ausreichend gestört in meiner eingeschlossenen Nacht. Es erreichen mich mehr Träume, die mich in mich einbinden, in meine eigene Wahrnehmung, sie fügen eins um andere ein und werden nicht von seinem Arm betatscht, verrutscht und nicht von seinem anderen Körper, der sich windet, angestoßen. Und meine Unsicherheit und meinen Abstand, den ich überwinde, wenn ich doch seine Hand suche, wenn ich mich küssen lass und seinen Po fühle, weil ich mich irgendwann an ihn hinleg; diese Unsicherheit bleibt unbenommen in den Nächten, die ich alleine in unserem Zimmer bin.


Ich mag den Morgen, der Kaffee um 6:00 Uhr auf der Terrasse, er könnte fast eher sein. Auch am Abend geht es besser. Am klarsten bin ich, wenn ich mit Joscha auf der Matratze liege und wir Harry Potter lesen. Sobald wir das letzte Kapitel wieder aufgreifen und weiterlesen, stellt sich die Ruhe und klare Sicht ein, ich gleite einige Stockwerke tiefer, in einen anderen Bereich, entschwinde der Ermüdung und dem Durchhalten. Manchmal denke ich über die Dinge in den Bänden nach, die mich stören würden, wenn ich weiter darüber nachdenke. Das lässt aber nach, ich will immer weiterlesen und es ist viel besser mit Joscha zusammen. Er merkt sich alle Details und spricht mit mir am laufenden Band darüber, warum wie was zueinander gehört und miteinander verbunden sein muss und was etwas bedeuten könnte oder seltsam ist. Wenn wir dem, was unlogisch ist, nachgehen und dem, was uns sehr bewegt, so bewegen wir uns miteinander und schwingen uns gemeinsam ein und verstehen einander.


Ich lache doppelt, einmal wegen den Situationen, die mich belustigen und dann wegen dem, was Joscha zum lachen bringt und beides mal lachen wir zusammen.



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