Flucht und Vertreibung - (History)

Text zum Thema Kinder/ Kindheit

von  Gabyi

Erst wird man vertrieben und gleichzeitig flüchtet man. So geschehen am Ende des zweiten WKs. Beispiel Ostpreußen. Meine drei Tanten wohnten in Bartenstein und flüchteten im Treck vor den nahenden Russen. Meine Cousine hat mir davon berichtet. Sie erzählte mir davon, dass ihr als kleines Kind gesagt wurde: “Du musst jetzt Pipichen machen!”. Das habe ich mir gemerkt. Es hatte sie dann mit ihren Eltern und Geschwistern nach Soltau in Niedersachsen verschlagen. Eine andere ostpreußische Cousine traf ich in Berlin, wo ihr Mann bei “Bolle” in der Turmstraße gearbeitet hatte. Sämtliche “Flüchtlinge” aus meiner Familie wurden keneswegs mit Samthandschuhen angefasst, so wie es heutzutage üblich ist. Sie wurden von der Urbevölkerung ausgegrenzt und mein Vater nahm nicht den “Lastenausgleich” wahr. Keiner aus meiner Famile wusste, warum das so war. Ich weiß nur noch, dass wir nicht viel Geld zur Verfügung hatten, obwohl wir im alten Haus meines Großvater aus Schleswig-Holstein wohnten. Ich musste Klamotten der Kinder einer Freundin meiner Mutter auftragen. Die Freundin hatte einen Mann, der eine Drogerie besaß und wenn ich dort bei den Kindern übernachtete, gab es so “luxuriöses” Essen wie “Ravioli”, die für mich der Inbegriff von Luxus darstellten. Oder Fleischsalat oder Ovomaltine als Getränk. Dann bekam ich noch leckere Proben von Babynahrung wie Milupa, Miluvit, Alete, Hipp und Gerber, Grießbrei von Pomps oder Spinatgläschen. Das war der Inbegriff der Leckerkeit für mich. Die Freundin meiner Mutter kam aus der Schweiz und hatte sich vorausschauend einen “reichen” Mann mit einer Drogerie geangelt. Sie kam aus der Schweiz, einem neutralen Land und musste nicht flüchten. Vertrieben war nur mein Vater und der musste allein mit dem Schmerz klarkommen. Er ließ es an uns Kindern aus und verprügelte uns bis aufs Blut.


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