Nachkriegskinder - (History)

Text zum Thema Kinder/ Kindheit

von  Gabyi

Meine Freunde und ich waren alle sogenannte “Nachkriegskinder”. Wir bekamen die Kriegsgeschichten 1:1 erzält von unseren Eltern, und von Onkeln und Tanten. Meine Tante Li war in Hamburg beim großen Feuer eingeschlossen und Onkel Fritz kam aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück, als meine Eltern geheiratet hatten. Er hatte ein Auge auf mich geworfen und steckte mir seine Zunge in den Hals. Heutzutage sagt man dazu Vergewaltigung, aber meine Mutter fand das nicht so schlimm und sagte nur “Erzähl das nicht Tante Li, die ist viel zu krank dafür”. Sie hatte Raucherbeine und die standen immer kurz vorm Abnehmen.,


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Kommentare zu diesem Text


 Moppel (04.08.26, 19:47)
ja, Krieg macht hart und Traumata. Den beiden Generationen hat niemand geholfen...lG von M.

 Gabyi meinte dazu am 04.08.26 um 20:17:
@Moppel
Das stimmt, wenn man das in den Vergleich setzt zu heutzutage. Da werden die Flüchtlinge mit Samthandschuhe angefasst. Früher wurden sie geächtet. Ich konnte das bei meinem Vater sehen. Da musste ich ihn noch trösten, dass er seine Heimat verloren hatte. Immer auf die Kleinen (mich) ;)
und dankeschön auch für die Empfehlung  :)
Finde ich gut wegen des Themas.


Antwort geändert am 04.08.2026 um 20:29 Uhr

 Quoth antwortete darauf am 05.08.26 um 12:39:
Und weil die Flüchtlinge damals geächtet wurden, sollten sie auch heute geächtet werden. Gleichbehandlung!

 Juli schrieb daraufhin am 05.08.26 um 12:46:
Flüchtlinge? Das waren Vertriebene, die im eigenen Land untergebracht wurden.
Heutige Flüchtlinge sollen nicht geächtet werden. Es soll lediglich anerkannt werden, dass es keine unbegrenzten Möglichkeiten zur Aufnahme gibt, statt den Glauben eine solche Illusion einzufordern.

 Gabyi äußerte darauf am 05.08.26 um 14:57:
@Juli
geflüchtet/vertrieben:
Meine Tanten mussten vor den Russen flüchten und waren auf diese Weise auch gleichzeitig vertrieben. Mein Vater kämpfte im Krieg und als der vorbei war, da war seine Heimat weg und er war ein Vertriebener.

 downunder ergänzte dazu am 05.08.26 um 16:18:
Meine Tante ist von Schlesien mit einem Handwagen und 3 keine kleinen Kindern geflüchtet. Sie hat meiner Mutter einmal erzählt, dass sie bei Vergewaltigungen durch russische Soldaten, die sie häufig erdulden musste nur darauf bedacht war ihre Jungen nicht loszulassen. Als ich damals dann erklärte, den Kriegsdienst zu verweigern und nicht zur Bundeswehr zu gehen, war sie ganz aufgebracht und fauchte mich an: „Was machst Du, wenn die Russen kommen“? Damals konnte ich die Frage nicht verstehen. Jetzt schon.

 Juli meinte dazu am 05.08.26 um 17:17:
@gabyi

Das hatte ich auch so gemeint.

 EkkehartMittelberg (05.08.26, 10:28)
Ja, die Nachkiegszeit war knallhart. Vieles, was heute als hochkriminell gilt, wurde einfach verdrängt.

LG
Ekki

 Gabyi meinte dazu am 05.08.26 um 11:26:
Mein Onkel bekam auch die gerechte Strafe. Sein Tod war tragisch, er wurde in seinem Badezimmer tot aufgefunden und sein Gebiss lag im Klo. Was für eine Schauergeschichte,
Danke, Ekkehard, für die Empfehlung :)

LG, Gabyi

 Gabyi meinte dazu am 05.08.26 um 11:27:
@Fridolin
danke für die Leseempfehlung :)

 downunder (05.08.26, 12:54)
Ich bin ein sekundäres Kriegskind. Mein Vater musste als 17-jähriger junger Mann in den Krieg ziehen und wurde sowohl schwer verwundet als auch schwer traumatisiert. Die körperlichen Wunden verheilten irgendwann; die seelischen hingegen nicht. Und darunter habe ich sehr gelitten, es aber gut überstanden. Bitte nicht falsch verstehen: Mein Vater war kein schlechter Mensch.

Kommentar geändert am 05.08.2026 um 12:56 Uhr

Kommentar geändert am 05.08.2026 um 12:56 Uhr

 downunder meinte dazu am 05.08.26 um 12:58:
Ja, die Nachkiegszeit war knallhart. Vieles, was heute als hochkriminell gilt, wurde einfach verdrängt.

Ich habe die Nachkriegszeit nicht erlebt. Heute erscheint es mir aber fast umgekehrt: Einiges, was als normal gelten sollte, wird heutzutage kriminalisiert. Aber was ist schon normal?

Antwort geändert am 05.08.2026 um 12:59 Uhr

 Gabyi meinte dazu am 05.08.26 um 14:48:
@Quoth
"Und weil die Flüchtlinge damals geächtet wurden, sollten sie auch heute geächtet werden. Gleichbehandlung!"
Solche Gedanken kommen einem leicht. Und man darf sie noch nicht einmal denken, geschweige denn aussprechen.
Dass man früher die eigenen Landsleute ächtete, war niemals ein Thema damals. Ich sagte zu meinem Vater: Es war eure Schuld, dass ihr vertrieben wurdet. Was zettelt ihr auch einen Krieg an. Da war ich noch ziemlich jung.

 downunder meinte dazu am 05.08.26 um 16:13:
Wir waren Kinder von schweigenden Vätern. Natürlich waren Schuldzuweisungen einfach zu machen. Ich kann mich nicht erinnern, meinem Vater jemals solche Vorwürfe gemacht zu haben. Er war erst 17. Er hat sich aber in seinen letzten Lebensjahren nach und nach geöffnet und auch über seine Kriegserfahrungen gesprochen. Das hat uns einander sehr nahegebracht. Viele von uns haben sich doch nach dem Tod  der Eltern (speziell der Väter) mehr mit ihnen gesprochen zu haben wie es das Lied von BAP »verdammt lang her« thematisiert.

 downunder (05.08.26, 16:14)
Das ist auf jeden Fall ein sehr eindringlicher Text, der mich sehr bewegt. Danke dafür!
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