Besuch in der Bibliothek (4) Wir standen noch immer schweigend und sahen auf das was unter der Leselampe lag. Der kleine Falter schimmerte, je nachdem wie wir ihn hielten, in immer neuen Farben. Schließlich legte ich ihn behutsam wieder in seine Mulde zurück. „Lass ihn erst einmal dort“, sagtest du. Ich nickte. Mit den Fingerspitzen strich ich über die feinen Schriftzeichen. Keiner von uns konnte sie lesen. „Vielleicht steht dort der Name des Falters.“ „Vielleicht auch der Name dessen, der ihn hier hineingelegt hat.“ Wir schwiegen wieder.
Ich stellte den Folianten behutsam ins Regal zurück. Die Lichtmotte ruhte wieder in ihrer kleinen Mulde, als hätte sie all die Jahre nur auf diesen einen Abend gewartet. Wir gingen langsam den Gang entlang. Die Bibliothek war still geworden. Unsere Schritte hallten leise zwischen den hohen Regalen wider. Ohne ein bestimmtes Ziel schweiften unsere Blicke über die Buchrücken. Plötzlich blieben wir beide stehen. „Sieh mal“, sagtest du. Zwischen dicken Folianten standen schmale, unscheinbare Bände. Auf den Rücken waren Jahreszahlen gedruckt. Geißhäuser Nord-Zeitung. Ich zog einen Band heraus.
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