Schwimme dich frei

Alltagsgedicht zum Thema Wagnis

von  EkkehartMittelberg

Wenn jemand
dich mit Worten verletzt hat,
die Wunde schwärt
und du dich frei von Schuld fühlst,
frage dich,
ob er deine Zuneigung verdient hat.
Schwimme dich frei!

Wenn ein Freund
dich betrogen hat
und du es nicht fassen kannst,
prüfe dich,
ob du ihn nicht verklärt hast,
bemühe dich um eine realistische Sicht.
Schwimme dich frei!

Wenn deine Muse
sich dir verweigert,
obwohl du immer
eine flüssige Feder führtest,
bedenke,
ob diese nicht zu leicht war.
Erprobe dich neu!

Wenn eine Hoffnung,
die dir alles bedeutete,
sich nie erfüllt hat,
ändere deinen Kurs,
springe von Bord
und vertraue deinen Kräften!


Bild erstellt mit KI

 



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Aber (03.09.26, 00:18)
Bei mir rutscht das Gedicht immer nach links, lieber Ekki.

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.09.26 um 00:28:
Merci für dein Verständnis, Aron. Ich weiß nicht, woran die falsche Zentrierung gelegen hat.

 Aber antwortete darauf am 03.09.26 um 00:37:
Das Bild war wohl zu groß. Ich traue mich an KI nicht so recht ran.

 Janna (03.09.26, 05:36)
Lieber Ekki, bei der 2. Strophe frage ich mich, ob es Verklärung ist, wenn ich einem Freund vertraue und er mich betrügt. War das mein Fehler? Was wäre denn die realistische Sicht gewesen?
Liebe Grüße

Janna

 EkkehartMittelberg schrieb daraufhin am 03.09.26 um 08:02:
Trotz innerer Warnungen hat man bewusst an einem falschen Freund festgehalten, man hat ihn also verklärt, statt sich von ihm zu trennen.
LG
Ekki

 Juli äußerte darauf am 03.09.26 um 10:52:
Innere Warnungen sehe ich nicht in Strophe 2, aber auch nicht unbedingt Verklärungen. Es geht nur darum zu prüfen, ob es die gab.
Einen Vertrauesbruch muss sich der betrogene nicht anlasten. Auch nicht via 'hätte ich mal besser auf die innere Stimme gehört'.

 EkkehartMittelberg ergänzte dazu am 03.09.26 um 11:00:
Richtig, Juli,
es geht darum zu prüfen, ob es Verklärungen gab.

 AchterZwerg (03.09.26, 07:57)
Lieber Ekki,

als alternde Radikale setze ich zunehmend auf's Abhaken.
Aus meiner Sicht hat's wenig Taug, seine letzten Jahre mit Vollpfosten zu teilen.
Nähert sich das Eigenbild diesem schönen neudeutschen Wort an, heißt es halt schweigen.

Bis dahin herzliche Grüße
Piccola

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.09.26 um 08:09:
Hallo Piccola,
grins, außerhalb der Lyrik darf man manches noch etwas deutlicher sagen.
Herzliche Grüße
Ekki

 EVdR meinte dazu am 03.09.26 um 10:49:
Hallo Ekki,

„außerhalb der Lyrik“ wirft eine Frage auf, nach einem Schutzwall oder Kunst als gepolsterte Gummizelle.

Schützt er die Beteiligten davor, dass Kunst tatsächlich wehtut oder reale Konsequenzen fordert?
Müsste "Echte Literatur" nicht den Mut haben, die Fassade einzureißen und sich den unlösbaren Konflikten zu stellen, ohne sich sofort in die Ästhetik des Versbaus zu flüchten. Wenn Poesie jedoch als sentimentales Korsett genutzt wird, um die Härte des echten Lebens auf Distanz zu halten, ist sie dann kein Ausdruck von Tiefe mehr, sondern schlicht eine feige Ausrede fürs Wegschauen?

EVdR

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.09.26 um 11:05:
Hilf mir bitte, ich halte deine Frage für wichtig, kann aber den Zusammenhang zu meinem Gedicht nicht erkennen.

 EVdR meinte dazu am 03.09.26 um 11:40:
Hallo Ekki,

danke für die Rückmeldung und sehr gerne: Der Bezug liegt in deiner Bemerkung zu Piccolas Kommentar, dass man „außerhalb der Lyrik“ manches deutlicher sagen dürfe.

Da ich stark von der Tradition der Literatur der Arbeitswelt geprägt bin, sehe ich die Funktion und Verantwortung von Literatur an einem ganz anderen Ort. Für mich darf Kunst kein geschützter Schonraum sein, in dem man die Härte des echten Lebens durch harmonische Metaphern oder Ratgeber-Weisheiten glättet. Wenn wir bei echtem Schmerz, Verrat oder Enttäuschung sofort in einen ästhetischen Versbau ausweichen und die ungeschminkte Härte des Konflikts als etwas bezeichnen, das angeblich nur „außerhalb der Lyrik“ Platz hat, wird Poesie zu einer Schutzmauer gegen die Realität.

Meine Frage zielt also genau auf diese Grenze: Warum trennen wir das so scharf? Müsste Literatur nicht gerade den Anspruch haben, die ungemütliche Realität ungeschönt auszuhalten, statt sie im Gedicht so zu verpacken, dass sie niemanden mehr wirklich verletzt?

EVdR

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.09.26 um 17:48:
Ja. ich habe meinen Kommentar zu leichtsinnig geschrieben.
Lyrik sollte die gesamte Lebensrealität spiegeln und darf nichts ausgrenzen.

 harzgebirgler (03.09.26, 10:13)
im grunde ist das alles sekundär - 
die sache zählt für mich seit je weit mehr
die sich stets um die frage rankt
wie denken sich dem sein verdankt
und ob es das, gern abgelenkt
von sekundär'm, genug bedenkt.

lg
henning

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.09.26 um 10:43:
Merci, Henning,

es geht also darum ,das Sein richtig zu sehen, damit man konsequent denkt.

LG
Ekki

 Nuna (03.09.26, 13:48)
Da hast Du ein tolles Bild kreiert :) der Text auf einer C.G. Jung Grundlage, vermute ich.

Die Frau die ihre Ketten sprengte und zum Licht hinauf schwimmt enthält tatsächlichich ein befreiendes Gefühl

Sehr schön.
LG Nuna

Kommentar geändert am 03.09.2026 um 13:49 Uhr

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 03.09.26 um 17:56:
Merci, Nuna, zur Gestaltung des von der KI kreierten Bildes habe ich nur einen Wunsch geäußert. Wenn mein Text Übereinstimmungen mit C.G. Jung haben sollte, ist das zufällig. Ich freue mich jedenfalls, dass er dir gefällt.

LG
Ekki

 Saira (04.09.26, 12:16)
Hallo Ekki,

ich denke, eine der schwierigsten Formen menschlicher Reife liegt darin, zu erkennen, wann Beharrlichkeit keine Tugend mehr ist. Wir lernen früh, dass Durchhalten Stärke beweist, viel seltener, dass auch ein Abschied Größe besitzen kann.

Dein Gedicht berührt für mich genau diese Schwelle.

Liebe Grüße
Sigi

 EkkehartMittelberg meinte dazu am 04.09.26 um 13:40:
Merci, Sigi,
wie immer hast du den Kern meines Gedichts getroffen.

Liebe Grüße
Ekki

 Moppel (04.09.26, 19:58)
;)xdarum habe ich einen Hund...Lächeln von M.

 Reliwette (07.09.26, 17:26)
Lieber Ekkehart,
   von Bord springen ist eine Sache, aber was ist mit einer Luftmatratze, auf der einer im Ozean schwimmt?
Und die Haie schnuppern schon an ihr?
Mit frdl. Gruß! Hartmut

 eiskimo (07.09.26, 17:38)
Das "Schwimmen" finde ich insofern gut, lieber Ekki,  als es andere Tragekräfte herbeiführt, als es erfrischt und zugleich eine reinigende Funktion hat. 
Ob man danach in die alten Klamotten zurück schlüpft oder sich frische Umhüllungen gönnt, ist eine andere Überlegung.
Ich habe übrigens das Freischwimmer-Abzeichen.
:)
LG
Zur Zeit online: