Der Sturm greift tief ins Land,
pflügt seine Handschrift
in Dünengras und Haut.
Wolken treiben dunkle Herden
bis an den Rand des Sehens.
Die Nordsee atmet gegen die Küste,
nimmt den Horizont in den Mund
und spuckt ihn westwärts
ins unbewohnbare Blau.
Dann Sonne.
Ein Riss im Grau.
Licht stürzt aufs Wasser,
zerspringt auf Wellenrücken,
entzündet die kalten Münzen
der Gischt.
Nichts bleibt.
Der Wind räumt die Stille fort.
Salz liegt auf den Lippen.
Das Meer schlägt seine Stunden
gegen den nassen Sand.
Hier verliert die Zeit ihr Maß,
liegt weit draußen
zwischen Ebbe und Wiederkehr –
ein dunkles Tier ohne Namen.
Über den Dünen
duckt sich das Gras ins Wetter.
Kein Baum beschönigt die Ferne,
kein Berg hält den Blick zurück.
Nur Himmel,
Land
und diese ungeheure Öffnung.
Regen vernäht
Meer und Wolken,
löscht den Horizont.
Wieder Sonne,
unverschämt hell.
Der Sturm nimmt die Ordnung,
das Wasser die Spuren,
der Wind die letzten Worte.
Zwischen Salz, Licht und Regen
steht man
ohne Geländer
mitten im eigenen Leben.
©Sigrun Al-Badri/ 2026