Erst die Hammel, dann die Köpfe – Fortsetzung des Doppelkopfs

Gedicht zum Thema Spiel(e)

von  Saira

„Ein letztes Spiel!“, so tönt es laut,
obwohl dem Schwur hier keiner traut.
Schon wird das nächste Blatt verteilt,
weil keiner gern nach Hause eilt.

 

Doch einer prüft sein Blatt genau
und wird beim Trümpfe-Zählen grau.
Er schiebt die Karten prompt zurück:
„Abgabe! – Euch damit viel Glück!“

 

Der Nächste nimmt die Karten an
und schaut, was er gebrauchen kann.
Er wählt mit prüfendem Geschick –
den größten Mist gibt er zurück.

 

Ein kühnes „Re!“ erschallt im Raum,
die andern kümmert dieses kaum.
Noch scheint die Sache leicht und klar,
doch einer sieht den Sieg schon nah.

 

„Keine neunzig!“, ruft er sehr keck,
noch schreckt die andern dies nicht weg.
„Keine sechzig!“, ruft er sodann,
jetzt zeigt sich, was der Spieler kann.

 

„Keine dreißig!“, ruft er geschwind,
weil seine Zweifel winzig sind.
Auch „Schwarz“ wird schließlich angesagt,
jetzt hat er wirklich viel gewagt.

 

Nun muss er zeigen, was er kann,
denn jetzt kommt es aufs Spielen an.
Die Karten nehmen ihren Lauf,
vielleicht geht seine Rechnung auf.

 

Ein voller Stich liegt auf dem Tisch,
nun zählt man eifrig, rechnet frisch.
Er bringt gar vierzig Augen ein,
der Sonderpunkt, der ist nun sein.

 

Der Fuchs hält sich noch ängstlich klein,
er möchte nicht beim Gegner sein.
Gerät er in des Gegners Stich,
freut dieser ganz besonders sich.

 

„Gefangen!“, ruft man voller Lust,
dem andern schwillt vor Gram die Brust.
Den Sonderpunkt gibt’s obendrein,
der Fuchs würd gern woanders sein.

 

Das Karlchen wartet auf die Zeit,
für seinen letzten Stich bereit.
Der Kreuz-Bub hofft auf seinen Coup
und schaut dem Ende heimlich zu.

 

Der letzte Stich – nun muss er ran!
Karl Müller zeigt, was Karlchen kann.
Gewinnt damit die eigne Schar,
ist noch ein Extrapünktchen da.

 

Doch geht der letzte Stich verlor’n,
wird gleich ein neuer Streit gebor’n.
„Warum hast du ihn aufgespart?“
„Weil ich mir dabei was gedacht!“

 

Nun glaubt man: Endlich ist hier Schluss,
weil selbst der Letzte gähnen muss.
Doch einer hat noch nicht genug,
und plant bereits den nächsten Zug.

 

Der Ehrgeiz ist noch längst nicht satt,
obwohl man lang gespielet hat.
Das Hammelrennen steht noch an,
nun zeigt sich, wer noch siegen kann.

 

Nun kämpft ein jeder ganz allein,
kein Partner darf zur Stelle sein.
Der Fuchs verliert hier seinen Wert,
weil jeder nur den Sieg begehrt.

 

Nun wird taktiert und scharf gewacht,
dem andern nichts mehr leicht gemacht.
Was eben noch Gemeinsamkeit,
wird plötzlich blanker Kartenstreit.

 

Das Hammelrennen ist nun aus,
doch keiner denkt schon an Zuhaus.
Da fällt das nächste Zauberwort:
„Der Schiebekopf! Wir spielen fort!“

 

Elf Karten kriegt nun jedermann,
vier gibt er an den Nachbarn dann.
Vier sucht sich jeder sorgsam aus,
die wandern aus der Hand heraus.

 

Der Nachbar schaut hinein und stöhnt:
„Wer hat mich derart schön verwöhnt?“
Dann sucht auch er vier Karten aus
und gibt den gleichen Mist heraus.

 

So schiebt man munter reihum fort,
das Übel zieht zum nächsten Ort.
Vier Stücke bleiben in der Mitt’,
noch nimmt sie niemand einfach mit.

 

Der letzte Stich ist unbeliebt,
weil’s vier als Zugabe noch gibt.
Wer ihn erwischt, der nimmt sie mit,
die Ungeliebten aus der Mitt’.

 

Hier wird die Spielwelt umgedreht,
weil’s nun um wenig Stiche geht.

Was sonst noch Freudenschreie bringt,
wird hier verflucht, sobald’s gelingt.

 

Nun duckt sich jeder möglichst klein,
bloß nicht der Stichgewinner sein!
Wer sonst nach fetten Stichen giert,
hat dieses Spiel noch nicht kapiert.

 

Am Ende wird erneut gezählt,
wobei kein Besserwisser fehlt.
Ein jeder weiß ganz sonnenklar,
wer diesmal wohl der Dussel war.

 

Die Regeln werden nun studiert
und gründlich hin und her zitiert.
Vier Spieler lesen ganz genau,
ein jeder hält sich selbst für schlau.

 

„So spielen wir seit vierzig Jahr’!“
„Das macht es trotzdem noch nicht wahr!“
Man deutet, streitet, widerspricht,
doch Einigkeit, die gibt es nicht.

 

Die letzte Runde ist geschafft,
nun schwindet langsam auch die Kraft.
„Beim nächsten Mal gibt’s keinen Zank!“
allein der Glaube daran schwankt.

 

Denn Doppelkopf wär halb so schön,
würd alles friedlich vor sich gehn.
Man stichelt, rechnet, lacht dabei,
doch niemand bleibt ganz fehlerfrei.

 

Mal Partner und mal Gegenpart,
mal liebenswert, mal ziemlich hart.
Und ist der Abend dann vorbei,
fehlt bald die ganze Narretei.

 

Am Ende steht der Sieger fest,
der sich gebührend feiern lässt.
Doch jeder zahlt nach seinem Rang,
die Kasse füllt sich – Gott sei Dank!

 

Und ist die Kasse endlich voll,
wird wahr, wofür sie dienen soll.
Gemeinsam zieht man fröhlich los,
die Freude ist dann riesengroß.



©Sigrun Al-Badri/ 2026



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