Weder Proust las ich, noch ganz den Pascal, noch einen Parzival. Lieber zog ich mir Präservative über den Pimmel und das oft nur zum alleinigen Spaß. Zu meiner tagesaktuellen Einsicht, dass ich gar kein Intellektueller im Sinne eines wirklich gewandten Literaten bin, kommt leider eine immer schon dagewesene Misere, die mich bei derlei Eingeständnissen schnell wertlos und als nichts empfinden lässt.
Jene Einsicht also, gepaart mit der Misere, lässt mir die Erkenntnis, dass sich etwas sehr Übles mit einem Scheitern und einem Schelten füttert. Was, das ist dabei egal, solange es nur lebhaft ist. Lebende Köder für eine Meute einsichtiger untoter Looser. Dergestalt ist offensichtlich: Es geht weniger darum, etwas (nicht) zu sein, als vielmehr darum, etwas (für andere) zu werden.
Die gemachte Etikette, der man glaubt, was man sei, sitzt auf einem vertrauenserweckenden Gefäß mit lauter Realitätspastillen, die nur angeschaut werden müssen, um eingenommen und voreingenommen zu wirken. Die Misere, die dieses Glas herunterwirft, ihre Scherben unachtsam aufsammelt und mit blutenden Fingern am Spiegel „Verlierer“ schreibt, ist mir beim Anblick das wahre Grauen.
Leben kann ich mit vielem, aber nicht mit dem, was nicht leben will, nur um von einem andererseits parasitär zu zehren.
Deswegen gestehe ich meine mangelnde Intellektualität unter dem Einfluss der Misere ungern, und begebe mich im Folgenden auf eine blutige Reise, den Quell jener Verderbnis herauszuschälen. Leider versteckt sich dieser Schauer mit jeder Gewahrwerdung seiner Finte hinter mir.
Daher: Ich werde vielleicht einen treuen Assassinen aus dem Darknet anheuern müssen, der mich, in einem unachtsamen Moment, als geltender Stellvertreter jener von mir so verhassten Clique, um eines von sieben Leben bringt.
Sollte ich dann irgendwann zu jemanden sagen dürfen, ich sei kein Intellektueller, wäre ich, um einiges glücklicher als mich doch so nennen zu dürfen. Es wäre (m)ein Sieg über auferlegtem Abgrund und die gebotener (Pseudo)Aszendenz; ich wäre frei.