Die Flügel schwer, als hätten sie vergessen,
dass einst ein weiter Himmel vor mir lag.
So mancher Traum ist still von mir gegangen,
verloren in der Dunkelheit der Nacht.
Doch tief in mir, verborgen unter Zeiten,
wo Schmerz und Schweigen ihre Kreise ziehn,
lebt noch ein Licht, das niemand mir genommen,
ein stiller Same, der beginnt zu blühn.
Denn was die Welt mit ihrem Wissen misst,
ist nur ein Teil von dem, was in uns wohnt.
Es gibt ein Ahnen, das kein Wort erklären,
und eine Seele, die im Schweigen thront.
Vielleicht wird eines Tages sich enthüllen,
was meine Seele längst in sich bewahrt.
Vielleicht muss erst das Alte von mir fallen,
damit ich lerne, wieder neu zu sehn.
Die Haut, die einst mein Schutz und meine Grenze,
darf gehen wie ein Blatt im Herbsteswind.
Denn unter all den Narben und den Schatten
wartet noch immer dieses wache Kind.
Ich will mich nicht in Träumen mehr verlieren,
nicht fliehen in ein Reich aus Illusion.
Ich bleibe hier, verwurzelt in der Erde,
mit offenem Herzen in der Wirklichkeit.
Ich habe nur mich selbst zurückzugeben,
all das, was mich gefangen hielt und schwer.
Und jeder Schatten, den ich einst verdrängte,
wird Teil von mir und darf nun mit mir gehn.
Die Frage in den Spiegel legen,
nicht warten, bis das Leben mich berührt.
Die Welt mit stillen Armen zu empfangen,
bis Wärme wieder durch die Kälte führt.
Die alten Wege milde anzusehen,
die Narben nicht als Niederlage tragen.
Den Blick zum Morgen hin zu heben
und wieder Ja zum Leben sagen.
Dann mag der Stein am Wege liegen,
und manche Nacht noch vor mir stehn.
Ich werde Schritt für Schritt weitergehen
und lernen, meinen Himmel neu zu sehn.
©Sigrun Al-Badri/ 2026