Kapitel -8-
Erzählung
von Imitologiker
Roman – Kapitel 8
Eine andere Frage
Nachdem das Lachen über den Warp-Antrieb verklungen war, wurde es still. Niemand meldete sich. Der Unternehmer ging langsam am Fenster entlang. Auf dem Tisch lagen die Protokolle der Katastrophe.
„Also gut“, sagte er schließlich. „Wir wissen jetzt, was alles nicht funktioniert. Hat irgendjemand noch eine Idee?“
Zögernd hob ein Mann am Ende des Tisches die Hand.
„Ich bin Logistiker. Eigentlich gehöre ich gar nicht in diese Runde.“
„Dann überraschen Sie uns“, antwortete der Unternehmer.
Der Logistiker ging zur Tafel und zeichnete Erde und Mars. Dazwischen malte er einen einzigen Pfeil.
„Das ist unser heutiges System. Ein Frachter startet. Er ist teuer. Er trägt alles. Und wenn er verloren geht, warten wir Jahre.“
Er wischte den Pfeil wieder weg und zeichnete viele kleine Pfeile.
„Ich würde gar nicht versuchen, schneller zu fliegen.“
„Sondern?“
„Ich würde häufiger fliegen.“
Im Saal wurde getuschelt.
„Denken Sie an einen Lichtschalter“, sagte der Logistiker. „Wenn eine Lampe ausfällt, bauen wir kein neues Kraftwerk. Wir wechseln die Birne. Ein gutes Netz lebt von vielen einfachen Bausteinen.“
Er zeichnete weitere Pfeile.
„Oder denken Sie an die Shuttle-Flüge zur ISS. Niemand wartet Jahre auf die nächste Versorgung. Es kommt regelmäßig Nachschub.“
Er hielt kurz inne.
„Und wenn wir eines Tages sogar einen Verkehr zwischen Erde, ISS, Mond und Mars hätten? Nicht Einzelmissionen, sondern Linienverkehr?“
Ein Ingenieur schüttelte den Kopf. „Das wäre ungeheuer teuer.“
„Am Anfang“, antwortete der Logistiker. „Aber Serienfertigung macht Raketen billiger. Ein Linienbus kostet pro Fahrgast weniger als ein Taxi.“
Er lächelte.
„Vielleicht klingt das verrückt. Aber in Berlin fragt niemand, wann die nächste U-Bahn kommt. Man weiß: Gleich kommt die nächste.“
Zum ersten Mal nickten einige Teilnehmer.
Der Unternehmer verschränkte die Arme.
„Sie wollen also aus Raketen Verkehrsmittel machen.“
„Ja.“
„Löst das unser heutiges Problem?“
Der Logistiker schwieg einen Moment.
„Nein.“
Der Saal wurde wieder still.
„Es verhindert nur, dass aus einem Unglück acht verlorene Jahre werden. Die eigentliche Frage haben wir noch immer nicht beantwortet.“
Der Unternehmer setzte sich langsam.
„Dann suchen wir weiter.“
Niemand ahnte, dass genau in diesem Augenblick ein neues Fach geboren wurde. Jahre später würden die Studenten dafür einen Namen lernen: Zeitlogistik.