Kapitel-3-
Erzählung
von Imitologiker
Roman – Kapitel 3
Im Konferenzraum –
Der Sitzungssaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Ingenieure, Mediziner, Psychologen, Schiffbauer, Unternehmer und Militärs waren eingeladen worden. Zum ersten Mal sollte ernsthaft geprüft werden, ob sich zwischen Erde und Mars eine regelmäßige Frachtlinie aufbauen ließ.
Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung. „Meine Damen und Herren, wir sprechen heute nicht über eine Expedition. Wir sprechen über einen Linienverkehr. Wenn wir erfolgreich sind, wird irgendwann jede Woche ein Frachter starten.“
Ein Schiffbauingenieur meldete sich. „Schiffe können wir bauen.“
„Gut“, sagte der Vorsitzende. „Dann kommen wir zur Besatzung.“
Ein Psychologe stand auf. „Vier Jahre Flugzeit. Menschen brauchen Beschäftigung. Sport, Spiele, Unterricht, Musik – sonst leidet die Moral.“
Ein Konstrukteur schüttelte den Kopf. „Entschuldigung, aber ich konstruiere keine Kreuzfahrtschiffe.“
Gelächter ging durch den Saal.
„Ich bin froh“, fuhr der Konstrukteur fort, „wenn nach vier Jahren die Wasseraufbereitung noch funktioniert. Wenn ich eine ausgefallene Membran repariert habe, soll ich anschließend Malefiz spielen? Ihr Psychologen habt Sorgen.“
Der Psychologe blieb ruhig. „Und ich bin froh, wenn Ihr Techniker nach vier Jahren noch miteinander redet.“
Nun meldete sich ein Funkingenieur. „Die Nachrichten von der Erde treffen mit erheblicher Verzögerung ein. Damit werden wir leben lernen. Schwieriger sind Entscheidungen, die niemand mehr von der Erde bestätigen kann.“
Der Vorsitzende nickte. „Genau deshalb sitzen wir hier.“
Da erhob sich aus der letzten Reihe ein älterer Mediziner.
„Stasis.“
Der Saal verstummte.
„Sie meinen Kälteschlaf?“, fragte jemand.
„Ja. Dann verschläft die Besatzung die Reise.“
Der Vorsitzende lächelte. „Das klingt nach einer eleganten Lösung.“
Der Mediziner hob die Hand. „Leider existiert sie bisher nur auf dem Papier. Wir haben einen einzigen Langzeitversuch mit einer Maus durchgeführt. Sie hat überlebt. Aber ehrlich gesagt: Vorher schien sie klüger gewesen zu sein.“
Niemand lachte.
Da stand der Unternehmer auf. Früher war er Berufssoldat gewesen. Er klopfte mit der flachen Hand auf den Tisch.
„Herr Professor, wofür bezahle ich Sie eigentlich?“
Der Mediziner sah ihn ruhig an.
„Ich bezahle Sie nicht dafür, mir zu erklären, warum etwas nicht geht. Ich bezahle Sie dafür, dass Sie herausfinden, wie es geht. Wir wollen ja nicht morgen losfliegen. Aber wenn wir nie anfangen, werden wir auch in hundert Jahren noch darüber diskutieren.“
Der Professor nickte langsam. „Dann sollten wir morgen mit der zweiten Maus beginnen.“
Zum ersten Mal an diesem Vormittag musste der ganze Saal lachen. Doch jedem war klar: Aus einer einfachen Konferenz war gerade der Beginn eines jahrzehntelangen Forschungsprogramms geworden.