heute Nacht #4 (Der Versuch und das Ritual)

Prosagedicht zum Thema Nacht

von  S4SCH4

Heute Nacht werde ich von dir träumen,

mit wachen Augen,

eigentlich werde ich nicht schlafen –

ja, ich werde ganz und gar wach sein.

Und du wirst da sein

als ein Traum …

 

Was ich also wirklich tue,

wissen wir nicht.

Und doch: glaube mir!

Auch wenn du mich nicht erkennst

zwischen dem, der ich war, und dem,

zu dem ich werde,

mitten in deinem Traum.

 

Siehst du mich, Mica?

Kannst du … mich ein wenig sehen?

 

Nein! … und dir fällt

dabei eine Flasche aus der Hand,

du hast Angst, sie zu öffnen.

Es spritzte dir entgegen,

und so bleibt sie unreif

und untauglich stehen.

Wartend, bis

sich ihr Inneres beruhigt hat,

bis es wieder gefügig wäre –

und ruhend,

kontrollierbar,

tot?

 

Ich wünschte mir sehr,

du würdest sie öffnen und damit feiern:

Ein Jetzt.

Das Jetzt.

Das Leben.

 

Doch wir warten erneut,

bis ich von hereinkommenden Typen

weggehangen werde

und, von den Frauen

gestohlen, aus meiner Haut fahre.

Bis die Musik aus dem Takt gerät

und mein Drink sich verraten hat

im Anvertrauen,

was es war,

und was sein wird

wie er nun selbst fort ist.

 

Übrig blieb mir tags darauf die Ahnung

von dem, was Mica tat,

zu tun bereit war

und niemals täte.

Zusammengesetzt ergab sich mir ein Bild,

das, aus Steinen zueinander gestellt,

einer Ritualstätte glich.

Monolithen aus ihr

zogen Blitze aus mir,

und Donner raste

mit meinem Herzschlag,

als der Regen die Lippen netzte.

Nacht und Nebel,

schwarzer Himmel,

blitzdurchbrochen,

dem Donner untertan.

Ich rief sie an

und hatte nicht mehr

als diese Stätte vergangener Nächte,

die mir langsam verblasste,

denn jeder Blitzschlag forderte alles zurück

in einen schwarzen Himmel.



Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online: