Glitzern des Abgrunds

Text zum Thema Luxus

von  RainerMScholz

Man ist, wofür man sich hält. Man ist, wofür man sich denkt halten zu können, zu sollen, zu dürfen; man ist eine Gliederpuppe an den Fäden des Schicksals, der Moiren, der Umstände und des eigenen Spiegels oder des Spiegels der Anderen, wenn es schlecht läuft.

Ich will mich gar nicht so an`s Austern- und Kaviarfressen gewöhnen, sonst gibt`s ja gar keinen Unterschied mehr, wenn ich so über die Ozeane schippere ohne Kontakt zur realen Welt der Anderen. Die Anderen. Die meinen Dreck wegmachen, aufräumen, servieren und bedienen. Wie selbstverständlich. Lächelnd, scheinbar. Professionell. Schweigend. Es sind Subalterne und sie wissen das.

Und dazu lebendige Austern. Champagner. Die frische Seeluft, aber nicht zu arg. Während der Rest der Schöpfung verreckt.

Was dich früher beeindruckte, die Intelligenz, das Wissen, die Empathie, bereitet dir heute eine unbestimmte Furcht, die dich begleitet bis in die Nacht, weswegen du die Türe zweimal schließt.

Aber der Dampfer fährt, auf Schweröl gelagert, scheinbar unzerstörbar, und ich will die Welt sehen, wie sie sich mir darbietet, schön und elegant, ein wenig despektierlich, exklusiv und einzig für die, die einzigartig sind.

Es ist alles mir. Alles in mir.



© Rainer M. Scholz



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