Fragen sie sich das auch manchmal, wenn..

Groteske zum Thema Anpassung

von  DanceWith1Life

Graublaue Scheinriesen, dickbauchige Luftschlösser, angestrengte Wolkengesichter und andere schwierige Gesellen, die sich verzweifelt versuchen gegen den immer stärker werdenden Wind zu wehren.
Aber dieser war aus all dem Blödsinn gestrickt und verflochten, der aus all den triefenden Quatschmäulern entwichen war, seit wir lautlos dahingleitenden Gehirnschlangen uns entschlossen hatten, mehr als nur guten Tag zu sagen.
Der klapprige Lehnstuhl, der seit dem Einzug auf demselben Platz auf der Terrasse stand, starrte mit zitternden Fuseln, ungläubig auf den Irrsinn, der sich von allen Seiten zusammenbraute, als wäre die Welt plötzlich ein Gärkessel, in dem irgendwelche vergnügungssüchtigen Halbgötter ein neues Getränk ausprobieren wollten. 
Menschen haben dafür zum Glück keine Wahrnehmung mitbekommen, eine Logik genügt ihnen, ob sie Sinn macht oder nicht ist dem Gehirn einerlei, Hauptsache sie befolgt, die so-genannten freien Assosationsgesetze. Wie die eigentlich lauten, weiß nun seit geraumer Zeit auch keiner mehr so genau. Nur dass es ja gar nichts zählt, wenn man es nur denkt, das Leben.
Macht nichts, wenn sogar eine Katze sieben Leben hat, dann wird für ein Wesen unserer Gehirnkapazität, sicher auch mehr als eines drin sein.
Das alles konnte ich von meinem Fenster aus sehen, was ich jedoch nicht sehen konnte, war der unglücklich verwirrende Umstand, dass es sich anfühlt, und zwar ganz egal was passiert, es wird sich so anfühlen.
Hundertprozentig graublauäugiger Blödsinn, wird sich auch wie ein solcher anfühlen.
Das war schon für die Römer nicht immer so leicht zu begreifen, und die waren noch um Klassen bodenständiger, als wir heutzutage.
Und da so ein kurz "gefühltes" gleich mehrere Süßsaure Gedanken auf einmal hervorrufen kann, suchten sie einen Trick, und fanden einen, sie nannten ihn, "das war schuld":
Was immer es war, etwas anderes war schuld.
Ein billiger Trick, aber er funktioniert immer.
Das ist ungefähr so, als würde ich in den Spiegel schauen, und ein Foto machen, einen Gartenzaun darum errichten, und sagen, so werde ich aussehen in zwanzig Jahren, und jedem, der es auch nur wagt, in die Nähe dieses Zauns zu kommen, mit der Höchststrafe drohen.
Die da lautet, du bist schuld.
An was eigentlich, ist auch schon egal, denn du bist ja eh dran Schuld.
Und nach zwanzig Jahren entschließe ich mich doch noch mal gründlich aufzuräumen, denn man kann ja nie wissen, vielleicht gibt es ja doch so etwas wie einen Himmel oder ein Leben nach dem Tod, und wie ich mich so diesem Zaun nähere, fällt mir auf, dass überall die kleinen unscheinbaren Reste unhaltbarer Behauptungen so viel giftigen Abfall produziert haben, dass kaum mehr etwas grün ist in meinem Garten.
Und ich suche nach Hinweisen, wer denn so eine Sauerei gemacht hat.
Und ich hole meine Sonntagslogik aus der Gefriere und gehe auf Spurensuche.
Und überall am Zaun finde Spuren eines Kampfes, und sorgfältig wie ich nun mal denke, nehme ich die erstbeste Gelegenheit war, also die genau vor mir am unbeirrbaren Horizont des gerade mal angebrochenen Tages und grabe nach den Wurzeln, und tatsächlich, ich finde eine.
Sie scheint ziemlich verzweigt und so entschließe ich mich, die Erde ein wenig aufzulockern und vorsichtig mit immer dringender werdenden Anstrengungen an dem Strang zu ziehen, der mir als der Stärkste erscheint.
Ich bekomme ihn auch tatsächlich zu fassen und zerre und ziehe, und merke wie sich allmählich die ganze Rasenfläche vom Untergrund löst, und ich ein gigantisches Wurzelwerk in den Händen halte, und bevor ich mir überhaupt Gedanken darüber machen kann, was das nun eigentlich bedeutet, klingelt der Wecker, es war nur ein Traum.
Draußen vor dem Fenster flattert noch irgendein Stofffetzen, den ich nicht sehen wohl aber hören kann.
Was ich aber erkennen kann ist seine Farbe, und die ist die meine.
Warum flattert die denn so aufgeregt, will ich mich gerade fragen, als mir klar wird, halt da stimmt doch was nicht, ich hatte doch gar keine Flagge gehisst.
Ich eile also zum Fenster um nachzusehen was los ist, und erkenne mein letztes sauberes Unterhemd in Waffenstillstandsmanier um einen Ast geknotet.
Was ist denn los, fragt mein unerschütterlicher Tagtraum von direkt gegenüber.
Hast du keine Lust mehr.
Keine Lust mehr auf was, frage ich nun doch ein wenig verwirrt.
Na du weißt schon, die Welt gehört uns, alles, nimm was du kriegen kannst.
Ja...aber...
Machst du nun mit oder nicht?
Wobei?
Ich versteh immer noch nicht ganz was eigentlich gespielt wird.
Ach, jetzt tu doch nicht so.
Was tu ich so, ich versteh nicht, da wird auch schon die Tür zugeschlagen, und ich muss aufpassen was ich sage.
Diesmal klingelt das Telefon.
Hallo.
Kann ich bitte mit meiner Seele sprechen, flüstert eine schaurig schöne Stimme ins plötzlich viel zu leise Telefon, wie bitte, ach so, tut mir leid, die ist gerade nicht Zuhause.
Wann kommt sie denn wieder?
Oh, das hat sie nicht gesagt, soll ich ihr was ausrichten.
Ja, sagen sie ihr, es ist soweit.
Ja, sag ich ihr, von wem soll ich das sagen.
Mit einem unbändigen Rauschen sprang plötzlich die Tür zum Badezimmer auf, ich stand halbschräg in dem erleuchteten Spiegel, und sah eine seltsam ernst dreinblickende Gestalt in einen Hörer glotzen.
Hallo, sind sie noch dran, Hallo.
Immer diese Zeitgeister, nie bringen sie einen Satz zu Ende, bevor die ganze Bedeutung wieder verwirbelt wird.
Gedankenverloren lege ich auf.
Keine Ahnung was dies alles bedeuten soll, wenn meine Seele zurückkommt, werd' ich mal mit ihr reden müssen, was für ein seltsames Schicksal, ich mir da ausgesucht haben soll.
Was wollte ich, anders sein als die anderen, meinem Leben eine eigene, persönliche Note geben.
Ich hab immer noch nicht herausgefunden, ob das ein gewagtes Stück oder nur eine Verstimmung des Instruments geworden ist.
Sie kennen doch den Unterschied, ein gewagtes Stück, damit könnte ich leben, ein verstimmtes Instrument, nun ja, kann nirgendwo mitspielen.


Anmerkung von DanceWith1Life:

Reisebericht zum Thema emotionales Frühwarnsystem

Kommentare zu diesem Text


 Isaban (19.12.07)
Ich glaube, das weiß man erst nach der letzten Verbeugung beim Applaus am Ende wirklich.

Schräg ist er, dein Text, spannend genug, um meine Gedanken um diese späte Nachtzeit zu fesseln. Und tiefgängig genug, um auch noch morgen drüber nachzudenken.

Liebe Grüße,
Sabine

 DanceWith1Life meinte dazu am 19.12.07:
schräg habe ich ih auch genannt, in meinen Gedanken, aber ich freue mich irrsinnig, dass ihn jemand gelesen hat, der nicht nur sagt, was ist das denn für ein....
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