Denn sie wissen nicht, was wir tun.

Erzählung zum Thema Gesellschaftskritik

von  Remy

Und sie wissen nicht, was sie tun, denn sie haben keine Ahnung vom Leben. Und verzeihen Sie mir, wie unhöflich, ich heiße Thomas, ich bin siebenundzwanzig Jahre alt, der Club der 27er wollte mich nicht aufnehmen, jedenfalls schlug jeder Versuch fehl. Egal, lassen wir das, das tut nichts zur Sache! Sie wissen’s genau!
    Jedenfalls wovon ich sprach, ist, dass mich diese Kinder aufregen! Ich dachte mir, heute gehe ich mal fein was essen, habe aber gemerkt, mein Geld reicht maximal für zwei Burger und dann fahre ich zu dieser MacScheiße und wissen Sie überhaupt, dass die Burger dort nicht aus Fleisch bestehen? Das ist verdammtes Rinderfett, gemischt mit Ammoniak, anschließend wird es von den größten Künstlern unserer Zeit mit Lebensmittelfarbe bepinselt – wahre Expressionisten, ich sach's Ihnen! Fragen sie diesen Kochstar, hier, wie heißt er noch, Jamie Oliver, der hat in Brexitannien einen Prozess gewonnen! 
    Jedenfalls stehe ich dann an der Kasse, vor mir bestimmt ein Dutzend Kinder und ich scherze mit mir selbst und meine, ha, heute war hier bestimmt 'n  Kindergeburtstag in der Nähe und dann schnappe ich auf einmal von einem dieser Windelträger auf, dass die nebenan gefeiert haben, dieser exquisite Club – Eintritt ab sechzehn Jahren! Natürlich mit Muttizettel! Nölt dieser blonde Halbstarke hinter mir, er hätte ja heute über sechzig Euro ausgegeben und ich kann nicht anders, als ihn nachzuäffen, als sei ich einer von ihnen., „Ohhhhh“, stöhne ich, „ich habe heute 1,99€ ausgegeben, halbes Monatsgehalt!“ Rot ist meine Lieblingsfarbe, besonders auf meinem Kontoauszug! Was für ein Spacko! Mama und Papa haben heute wohl beide ihre Hände in seinem Arsch gehabt. Sechzehn Jahre alt, wahrscheinlich erste Party, sechzig Euro ausgegeben, jetzt hier bei MacDoof, sich die Burger reinkloppen und morgen früh darüber beschweren, wie scheiße es einem doch geht, sich der Magen umdreht, weil man ja zu viel getrunken habe, aber eigentlich muss man nur scheißen, kann aber nicht, weil dieses Kackessen zu Verstopfung führt! Ja, Sie wissen schon, was ich meine! Das kann doch wirklich nicht wahr sein! Und wissen Sie was? 
  Der Sechzehnjährigen mit Zahnspange, die seinen weisen Worten lauschte, die lächelte mich mit funkelnden Augen an, als ich ihn nachäffte! Kaum zu glauben! Sie versteht rein gar nichts! Rein gar nichts! Und als ich dann an der Kasse stehe und mich weiter über den Kindergarten aufrege, lächelt sie mich von der Seite an und berührt ganz still und heimlich meine Hand! Hallo? Geht's noch? Ja, sagen Sie mir, war diese Berührung nicht schon strafbar? Mein Gott, diese Frauen verstehen gar nichts! Und ich habe mich immer gefragt, wie naiv die Frauen von früher waren, die sich zu Hause von ihren Männern alles sagen lassen und trotzdem geschlagen werden und trotzdem bei ihnen bleiben und trotzdem meinen, sie seien ja glücklich und manchmal ist er halt so, das muss man auch nicht zu ernst nehmen! Naiv, Naiv, Naiv! Es grenzt an Dummheit, wenn es nicht bereits die absolute ist! Und dann gibt es heute diese Mädchen, die mit sechzehn schon mehr Sex hatten, als die meisten über sechzig in ihrem ganzen Leben, weil diese damals noch dachten, es gäbe nur die eine Liebe, treu bis zum Tod! Ich weiß nicht, was ich bescheuerter finde!
  Früher war alles besser! Ich war nie so! Mit zwölf habe ich noch im Wald gespielt, ich hing nie an meinem Mobiltelefon! Sie etwa? Nein, bestimmt nicht! Und mit sechzehn hatte ich außer Schule nichts im Kopf, ich wusste, Vater will, dass ich einmal Medizin studiere! Und sehen Sie mich jetzt an! Ich hab's geschafft! Okay, ich bin zwar nur Automobilverkäufer, aber ich verdiene mir mein eigenes Geld und habe Familie! Das ist das, wofür man doch lebt! Geld und Familie! Genau in dieser Reihenfolge! Und ich habe so viele Jahre mich durch dieses Leben gequält, hart geschuftet, aber es hat sich bezahlt gemacht, wissen Sie? Diese Kinder wissen noch gar nichts vom Leben! Mit sechzehn waren wir anders! Egal, wem sage ich das, Sie wissen, was ich meine, denn wir beide wissen ja ganz genau, was wir tun, denn wir sind nun mal erwachsen!

(c) rds

Kommentare zu diesem Text


 Dieter_Rotmund (31.12.17)
Interessanter Ich-Erzähler, der sich in diesem Text einfach nur auskotzt. Würde ich kürzen und eher die interessanten Stellen erweitern.
Graeculus (69)
(31.12.17)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
Sätzer (77)
(31.12.17)
Dieser Kommentar ist nur für eingeloggte Benutzer lesbar.
Zur Zeit online:
keinVerlag.de auf Facebook keinVerlag.de auf Twitter keinVerlag.de auf Instagram