Probleme? Petronius Arbiter weiß Rat: (9) Wie Männer daten.

Glosse

von  Willibald

Elli T. schreibt:

Ich bin jetzt fünfundzwanzig Jahre, wohne seit sechs Monaten in einer Großstadt Süddeutschlands und versuche, gute Männer, einen guten Mann,  für eine feste Partnerschaft zu finden. Mehrere Kontakte über Tinder, aber auch seriösere Medien habe ich geknüpft. Das Technische ist gar nicht schlecht, das uns da zur Verfügung steht. Aber die Männer sind irgendwie, nun ja. Vielleicht kannst Du mir zwei Fragen beantworten?
(1) Warum reden Männer nur über sich selbst?
(2) Eigentlich reden Männer doch gar nicht so gerne. So war es jedenfalls bisher in meiner Heimatstadt Crailsheim. Was ist da los?



Petronius Arbiter schreibt:

Da bin ich ein bisschen unbedarft in diesen Fragen, aber meine Schwester hat lächelnd gelesen, was Sie, liebe Elli, schreiben. Hier schwesterliche Anmerkungen, die sicher humorvoll gemeint sind, aber nicht nur.


Also, liebe Elli,  Sie werden bei mehr Erfahrung sicher  noch feststellen, dass die meisten Männer gerne über sich selbst reden, sehr gerne. Und: .Das ist toll für Sie, liebe Elli. Sie müssen nicht viel sagen. So können Sie das Geheimnis um ihre Person bewahren, mühelos. Alles was Sie tun haben, ist auftauchen, gut aussehen und ihn reden lassen. Kommt Ihnen hoffentlich nicht sexistisch vor? Männer ticken halt so. Doch.

Richtig, normalerweise, Männer reden nicht allzu gerne und schon gar nicht viel. Der Grund, warum Männer nicht gerne reden, ist evolutionär. Ihre Hauptaufgabe war die Jagd. Wenn Männer dabei ins Reden kämen,  gekommen wären,  würde die Beute ....  kein Abendessen und kein Mittagessen und …. für Sie.
In der Anfangsphase einer Beziehung modifiziert sich sein evolutionäres Programm: Er versucht, Sie zu beeindrucken. Er erzählt Ihnen, was er zu bieten hat. Im Grunde genommen preist er die Ware an.

Ein toxischer Narziss kann er natürlich sein, aber das merken Sie schon. Hoffentlich.

Good Luck!



Ernst W.  kommentiert:

Liebe Elli,
mit einigem Interesse und auch Vergnügen sehe ich, dass Sie die Kolumne von Petronius Arbiter lesen und  wohl auch schätzen. Ich bin von Leipzig nach München gezogen, nachdem ich ein Studium „Creative Writing “ abgeschlossen habe.  Es gab da in Leipzig eine  denk- und merkwürdige Ansammlung von Studenten, begeistert von  Monströsem und Dämonischem, fast jede zur Diskussion gestellte Geschichte handelte von Vampiren, Werwölfen, Opfern, die in Gräber stürzen, und anderen Anlässen  für den Aderlass. Ich habe es nicht so mit Poltergeistern und Gespenstern, ich liebe Liebesgeschichten und eine gewisse zarte Komik.

Manchmal erinnere ich mich noch an die unheimlichen Details in den Geschichten meiner Kommilitonen.  Dann brodelt es in mir. Aber eher wegen der Seltsamkeit und Merkwürdigkeit, dass wir Menschen geneigt sind, unsere Skepsis gegenüber dem Übernatürlichen aufzugeben, jedenfalls dann, wenn wir Geschichten lesen oder Filme sehen. Harry Potter oder Tolkien, das hat etwas. 

Sie haben wahrscheinlich so wie ich, die theologische Disputation um den „Anfang mit Gott“ hier in dieser Kolumne wahrgenommen. Das verbindet uns ein wenig, oder macht mich neugierig. Außerdem habe ich in Crailsheim meinen Militärdienst in der Grundausbildung erfahren und erlitten. Wir bekamen in den ersten zwei Monaten keinen Heimaturlaub. So meldeten wir uns am Sonntag zum Gottesdienst in die Stadt ab und besuchten – Sie werden es nicht glauben – recht viele der Kirchengemeinden. Und hörten Predigten, die sich mir einprägten, wegen der Skurrilität,  aber auch wegen dem herzensbestrickenden Pathos, das sie trug.

Einmal waren wir bei den Amerikanern - McKee Barracks.  Ihnen wahrscheinlich bekannt. Pragmatisch wie sie sind, hatten die Amerikaner einen Raum, in dem man am Abend Bingo spielen konnte. Und am Vormittag wurde ein Drehaltar für die Gottesdienste enthüllt. Wir wurden von den Amerikanern zum Essen eingeladen. Ich erinnere mich an das geniale "Chicken in the Basket". Es war so heiß und knusprig, dass ich den farbigen Waiter um Messer und Gabel bitten wollte. Allein, mir fielen die englischen Wörter nicht ein, unser schulischer Wortschatz war einfach nicht auf Alltagskommunikation eingestellt. Also – meine abiturfernen Kameraden schauten mich dabei  gespannt an – versuchte ich durch Gesten mit den Händen mein Begehr zu verdeutlichen. Ein Aufleuchten des Verstehens beim Serviceman. Und er kam zurück mit einer großen Plastikflasche Ketchup.

Ich versuchte, bei den Kameraden meinen Status als Durchblicker zurückzugewinnen. Es gelang mir nur begrenzt. Ich arbeite in einer Festanstellung als Gehilfe in einem Rechtsanwaltbüro.

Vielleicht habe ich Sie neugierig gemacht und wir treffen uns? Sie können sicher sein, dass ich noch mehr zu erzählen habe, das nicht auf eine toxische Narzisse hindeuten dürfte.

p.s.

Mir gefällt sehr gut eine Kurzgeschichte von gobio.  Sie hat den Zauber.

 Isartorplatz

Sebastian F. kommentiert:

Liebe Elli, ich bin Österreicher, meine Frau kommt aber aus Crailsheim. Vor einer Stunde war ich noch verzweifelt - beim Spiel unserer Mannschaft, ich rief:

Das Spiel ist eine Katastrophe. Ich frage mich, was die trainieren. Jedesmal wenn ich hinschaue, spielen sie den Ball zurück, glaube,  die wissen nicht,  wo das gegnerische Tor ist. Diese Dilettanten!

Dann kam meine Frau herein und brachte mir eine Eitrige mit Kren. Jetzt führen wir 3:1!  Und an Puntigamer.
I schaass  mi oo!

Wer Dich findet, hat einen guten Fang gemacht.

Kommentare zu diesem Text

gobio (30)
(18.06.21)
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