Flohmarkt

Kurzprosa

von  BeBa

Flohmarkt

Wie immer hat er die Gänge zwischen den Ständen mehrfach durchlaufen. Hin und zurück, ist hier und da stehengeblieben, hat gehandelt, den Kopf geschüttelt und ist weiter gegangen. Einen alten Jean Paul hat er gefunden. Der Verkäufer wollte einen Euro, er hat ihm zwei gegeben und das Buch in die Tasche gesteckt.
Eine alte Olympia- Reiseschreibmaschine mit Koffer hat es ihm besonders angetan. Genau wie die, auf der sein Vater ihm einst als Kind das Maschineschreiben beigebracht hat. Dann hat er sich an den Lärm beim Schreiben erinnert und nicht mehr nach dem Preis gefragt.

Gerade will er heimgehen, als er die alten Fotos sieht. Sie liegen zwischen Schundromanen und gebrauchten Brettspielen. Er geht näher heran. Alles Schwarz-Weiß, die meisten vergilbt. Fremde Gesichter, teils hübsch, mit ihm fremden Frisuren lächeln ihn an. Daneben ein Junge mit Holzroller und ein Mädchen mit Dackel. Vermutlich Geschwister. Auf einem anderen Bild lachende Frauen und Männer an einem großen Tisch, bei Schnaps und Bier. Dazwischen vielleicht die Eltern der beiden Kinder.
Plötzlich ein paar Hände. Sie öffnen eine Schachtel, legen weitere Fotos einzeln wie Karten auf den Tisch. Schmale, gepflegte Hände, die Nägel dunkelrot lackiert.
„Gefallen sie Ihnen?“
Einen Moment steht er da, den Blick noch auf diese Hände. Dann wird ihm klar, dass mit der Frage die Fotos gemeint sind.
Er antwortet nicht, nickt nur. Und geht.

Lange denkt er noch an die Hände, träumt sich das Gesicht dazu. Dann tastet er nach dem alten Jean Paul.


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Kommentare zu diesem Text


 Létranger (18.09.22, 07:46)
Sehr gut erzählt.

 uwesch meinte dazu am 18.09.22 um 12:55:
Das finde ich auch :) LG Uwe

 BeBa antwortete darauf am 19.09.22 um 11:39:
Danke euch, das freut mich.

 Quoth (18.09.22, 08:37)
Gefällt mir auch sehr gut, vielen Dank.

 BeBa schrieb daraufhin am 19.09.22 um 11:39:
Moin Quoth,

danke auch dir.

 TassoTuwas (18.09.22, 10:06)
Man spürt, Flohmärkte am frühen Morgen sind Plätze für Blicke in die Vergangenheit.

LG TT

 BeBa äußerte darauf am 19.09.22 um 11:39:
Oh ja. ;)

 EkkehartMittelberg (18.09.22, 10:22)
"Lange denkt er noch an die Hände, träumt sich das Gesicht dazu. Dann tastet er nach dem alten Jean Paul."
Das ist ein schönes Beispiel für indirekte Aussagen.

LG
Ekki

 BeBa ergänzte dazu am 19.09.22 um 11:40:
;) 

Danke dir, lieber Ekki.
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