Wart mal kurz!
Gedicht zum Thema Warten
von plotzn
Kommentare zu diesem Text
Teo (73)
(17.10.24, 12:00)
(17.10.24, 12:00)
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Pfeiffer (87) meinte dazu am 17.10.24 um 12:21:
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Lieber Teo, lieber Fritz,
die Bahn zwingt einen zur Entschleunigung und Achtsamkeit, eigentlich fast schon rezeptpflichtig. Du kannst mich heute beobachten, wie ich in Zeitlupe in Dortmund eintrudeln werde...
Irgendein schlauer Mensch hat mal ausgerechent, dass der Mensch im Schnitt gut ein Jahr seines Lebens mit Warten verbringt. Ich denke, da bin ich endlich mal überdurchschnittlich.
Was die Schlussstrophe anbelangt, scheint man mit zunehmenden Alter wirklich immer höflicher gegenüber den Mitmenschen zu werden...
Herzliche Grüße an Euch beide!
Stefan
die Bahn zwingt einen zur Entschleunigung und Achtsamkeit, eigentlich fast schon rezeptpflichtig. Du kannst mich heute beobachten, wie ich in Zeitlupe in Dortmund eintrudeln werde...
Irgendein schlauer Mensch hat mal ausgerechent, dass der Mensch im Schnitt gut ein Jahr seines Lebens mit Warten verbringt. Ich denke, da bin ich endlich mal überdurchschnittlich.
Was die Schlussstrophe anbelangt, scheint man mit zunehmenden Alter wirklich immer höflicher gegenüber den Mitmenschen zu werden...
Herzliche Grüße an Euch beide!
Stefan
Hallo Stefan,
warten musstest du so lange
heute ja auf Kundschaft nicht
und schon bildet sich 'ne Schlange
unter deinem Versgedicht.
Liebe Grüße,
Dirk
(bereits der Dritte innerhalb einer Stunde)
warten musstest du so lange
heute ja auf Kundschaft nicht
und schon bildet sich 'ne Schlange
unter deinem Versgedicht.
Liebe Grüße,
Dirk
(bereits der Dritte innerhalb einer Stunde)
Kommentar geändert am 17.10.2024 um 12:34 Uhr
Servus Dirk,
wohl wahr! Dafür habe ich Euch umso länger mit einer Antwort warten lassen. Erhöht die Spannung, sagt man - oder die Spannungen, wenn der andere aus Ungeduld ärgerlich wird...
Liebe Grüße
Stefan
wohl wahr! Dafür habe ich Euch umso länger mit einer Antwort warten lassen. Erhöht die Spannung, sagt man - oder die Spannungen, wenn der andere aus Ungeduld ärgerlich wird...
Liebe Grüße
Stefan
Hallo Stefan
dieses Werk entstand in einer Schlange
und ich möchte wetten vor 'nem Klo
außerdem war es ne extra lange
das macht keinen Wartenden sehr froh
doch zu Lesen macht es großen Spaß
denn du beherrschst jede Art des Nass
Herzliche Grüße
TT
dieses Werk entstand in einer Schlange
und ich möchte wetten vor 'nem Klo
außerdem war es ne extra lange
das macht keinen Wartenden sehr froh
doch zu Lesen macht es großen Spaß
denn du beherrschst jede Art des Nass
Herzliche Grüße
TT
Besser hinten an gestellt und warten
was kann es vorne denn nur geben
und vorne man bedrängt tat denken
hört auf da hinten mit dem schieben
LG Oops
was kann es vorne denn nur geben
und vorne man bedrängt tat denken
hört auf da hinten mit dem schieben
LG Oops
Servus Oops,
das ist dann die Höchststrafe, wenn sich das Anstellen und Warten noch nicht mal gelohnt hat...
Liebe Grüße
Stefan
das ist dann die Höchststrafe, wenn sich das Anstellen und Warten noch nicht mal gelohnt hat...
Liebe Grüße
Stefan
Getroffen! Ich bin beeindruckt. Die Pointe sauber herausgearbeitet. 
LG Nanna
LG Nanna
Merci, Nanna! Ich hoffe, das Warten auf den Schluss hat sich gelohnt...
Liebe Grüße
Stefan
Liebe Grüße
Stefan
Lieber Stefan,
das Warten ist auch nicht meine Stärke und an so vielen Orten muss man es ja tun. Richtig übel ist es, wenn jemand sich zu einer Verabredung verspätet.
Liebe Grüße
Sigi
das Warten ist auch nicht meine Stärke und an so vielen Orten muss man es ja tun. Richtig übel ist es, wenn jemand sich zu einer Verabredung verspätet.
Liebe Grüße
Sigi
Es heißt, Geduld ist eine Tugend, liebe Sigi, aber manchmal möchte ich gar nicht tugendsam sein...
Herzliche Grüße
Stefan
Herzliche Grüße
Stefan
Deine Verse reihen sich in die Schlange der Weltliteratur ein, Stefan. «Warte, warte nur ein Weilchen» sangen sie im vorigen Jahrhundert in der Operette, dann wurde es zum Serienmördersong, und auf Godot wartet man heute noch. Literarisch ein höchst dankbares Thema, wie du hier wieder demonstrierst.
Ja, wenn das so ist, Peter, dann reihe ich mich gerne ein... 
Auch in der Musik wird das Thema gerne aufgegriffen, z.B. in Johnny Logans Schnulze "What's another year?"
Im realen Leben ist es allerdings eher undankbar...
Liebe Grüße
Stefan

Auch in der Musik wird das Thema gerne aufgegriffen, z.B. in Johnny Logans Schnulze "What's another year?"
Im realen Leben ist es allerdings eher undankbar...
Liebe Grüße
Stefan
Lieber Stefan,
ich weiß nicht so recht, worüber du dich aufregst.
Einen herrlicheren Pausenfüller als eine Patience zu legen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen!
Und Take That ist ohnehin ein Solitär unter den Interpreten - in welcher Richtung auch immer.
Manche haben halt immer was zu meckern ...
ich weiß nicht so recht, worüber du dich aufregst.
Einen herrlicheren Pausenfüller als eine Patience zu legen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen!
Und Take That ist ohnehin ein Solitär unter den Interpreten - in welcher Richtung auch immer.
Manche haben halt immer was zu meckern ...
Na warte, Heidrun!
Mein Gejammer nicht ernst zu nehmen, grenzt an Majestätsbeleidigung. Zwerge, die meine Geduld überstrapazieren, werden im Garten auf Winterhärte getestet. Dort können sie dann so viele Patiencen legen, bis der Frost die Karten festfriert. So!!
Ich erwarte Kotau und Fußkuss...
Stefan
Mein Gejammer nicht ernst zu nehmen, grenzt an Majestätsbeleidigung. Zwerge, die meine Geduld überstrapazieren, werden im Garten auf Winterhärte getestet. Dort können sie dann so viele Patiencen legen, bis der Frost die Karten festfriert. So!!
Ich erwarte Kotau und Fußkuss...
Stefan
Servus Stefan
Kauft die Dame neue Schuhe,
trink ich einen, ganz in Ruhe.
Lässt sie mich im Bette warten,
krieg ich trotzdem einen Vers drauf ...
LG Tula
Kauft die Dame neue Schuhe,
trink ich einen, ganz in Ruhe.
Lässt sie mich im Bette warten,
krieg ich trotzdem einen Vers drauf ...
LG Tula
Servus Tula,
So unreine Reime bin ich ja von Dir gar nicht gewohnt
Verharre nicht zu lang gespannt,
Du hast es selber in der Hand...
Liebe Grüße
Stefan
So unreine Reime bin ich ja von Dir gar nicht gewohnt

Verharre nicht zu lang gespannt,
Du hast es selber in der Hand...
Liebe Grüße
Stefan
Antwort geändert am 19.10.2024 um 13:20 Uhr
Teo (73) meinte dazu am 19.10.24 um 13:22:
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„Wart mal kurz!“ ist wie der Versuch, auf einem defekten Aufzug nach oben zu fahren – der Fehler liegt zwar offensichtlich bei dir, aber du stehst trotzdem felsen- und literaturresistent da und wartest darauf, dass es irgendwann ankommt. Spoiler: Es kommt nie an.
Die erste Zeile, „Ach, wie hass ich dieses Warten“, ist ein Gemütsausbruch, den wahrscheinlich jeder von uns im Leben schon mindestens einmal hatte, aber niemand, und ich wiederhole: niemand, hat diesen Gedanken je so plump in Reimform gegossen. Der Hass ist nachvollziehbar – ich kann den deine Unzufriedenheit nur teilen, denn in dem Moment, in dem ich diesen Text lese, wünsche ich mir nichts mehr, als zu warten, dass dieser Alptraum endlich vorbei ist.
Du beginnst mit dem ewigen Warten, und was sich daraus entwickelt, ist nichts weniger als ein poetisches Slow-Down: die Reimstruktur wabbelt dahin wie ein billiges Ballett von gestrandeten Schmetterlingen. Jedes Bild, das du anführst – vom Stau über die Kasse bis hin zum Wartezimmer – ist so abgedroschen, dass sie in ein Museum für literarische Pleiten gehören würden. Es ist, als hättest du eine Liste aus „Dingen, die jeder schon mal in einem schlechten Gedicht gesehen hat“ abgearbeitet. Hast du wirklich geglaubt, dass ein paar trivial klingende Aufzählungen von „Kassen“, „Staus“ und „Wartezimmern“ uns zu einem erleuchteten Wartemodus führen könnten? Komm schon, plotzn – das ist so spannend wie ein Video über trocknende Farbe.
Und dann diese abgrundtiefe, fast tragische Unfähigkeit, die Zeit sinnvoll zu nutzen: Du hockst da, in deiner Warteschlange des Lebens, als ob der Inhalt dieses Gedichts der dramatische Höhepunkt deiner Existenz wäre. Aber das ist es nicht. Das ist kein Warten – das ist der literarische Tod auf Raten. Ein leeres Sitzen in der Ecke, während andere längst vor dir vorbeiziehen. Und wenn du dich dann im Gedicht mit „Missgelaunt“ zu einem dieser Endlosreihen begibst, um uns die Verzweiflung vorzuführen – na klar, das geht runter wie eine zähe Tasse Kaffeefilter.
„Aber ab da geht es bei meiner / überhaupt nicht mehr voran.“ – Ah, die Pointe. Die unerhörte Weisheit des „Nicht-Vorankommens“. Welche Frage du uns hier stellst: „Was ist Warten?“ Vielleicht sollten wir dir als Antwort den „Warteschleifen-Lebenscode“ schicken, den du so dringend zu brauchen scheinst, um aus deiner eigenen lyrischen Sackgasse herauszukommen.
Und dann dieser Klassiker: Du greifst zum Telefon, und der Rest ist… naja, die umwerfend innovative Vorstellung, dass „Patience“ von Take That läuft. Warum nicht gleich die gesamte Karriere von Rick Astley in die Warteschleife packen und die Leute so richtig ins Nirvana schicken? Es hat denselben Wert, um ehrlich zu sein. Das ist nicht Warten, das ist der literarische Äquivalent eines schlechten TikTok-Videos, das man noch nicht gelöscht hat. Und das schlimme ist: Wir können nicht entkommen. Wir müssen den Endlosloop ertragen, wie der sträflich langweilige Song, der uns nie erlöst.
Aber der absolute Höhepunkt ist der Schluss: „Klappert’s aber in der Ferne, / klopft der Tod an unser Tor, / ruf ich schnell: »Ich warte gerne / und lass lieber andre vor!«“ – Was, plotzn, was willst du uns damit sagen? Du wartest auf den Tod? Ehrlich? Klar, du kannst den Tod rufen, aber das Gedicht hat sich bereits umgebracht, ohne dass du es überhaupt merkst. Der Tod ist das einzige, was hier noch an der Tür klopft – und er möchte sich wahrscheinlich über die literarische Leere beschweren, die du ihm ins Gesicht geschrieben hast.
Die erste Zeile, „Ach, wie hass ich dieses Warten“, ist ein Gemütsausbruch, den wahrscheinlich jeder von uns im Leben schon mindestens einmal hatte, aber niemand, und ich wiederhole: niemand, hat diesen Gedanken je so plump in Reimform gegossen. Der Hass ist nachvollziehbar – ich kann den deine Unzufriedenheit nur teilen, denn in dem Moment, in dem ich diesen Text lese, wünsche ich mir nichts mehr, als zu warten, dass dieser Alptraum endlich vorbei ist.
Du beginnst mit dem ewigen Warten, und was sich daraus entwickelt, ist nichts weniger als ein poetisches Slow-Down: die Reimstruktur wabbelt dahin wie ein billiges Ballett von gestrandeten Schmetterlingen. Jedes Bild, das du anführst – vom Stau über die Kasse bis hin zum Wartezimmer – ist so abgedroschen, dass sie in ein Museum für literarische Pleiten gehören würden. Es ist, als hättest du eine Liste aus „Dingen, die jeder schon mal in einem schlechten Gedicht gesehen hat“ abgearbeitet. Hast du wirklich geglaubt, dass ein paar trivial klingende Aufzählungen von „Kassen“, „Staus“ und „Wartezimmern“ uns zu einem erleuchteten Wartemodus führen könnten? Komm schon, plotzn – das ist so spannend wie ein Video über trocknende Farbe.
Und dann diese abgrundtiefe, fast tragische Unfähigkeit, die Zeit sinnvoll zu nutzen: Du hockst da, in deiner Warteschlange des Lebens, als ob der Inhalt dieses Gedichts der dramatische Höhepunkt deiner Existenz wäre. Aber das ist es nicht. Das ist kein Warten – das ist der literarische Tod auf Raten. Ein leeres Sitzen in der Ecke, während andere längst vor dir vorbeiziehen. Und wenn du dich dann im Gedicht mit „Missgelaunt“ zu einem dieser Endlosreihen begibst, um uns die Verzweiflung vorzuführen – na klar, das geht runter wie eine zähe Tasse Kaffeefilter.
„Aber ab da geht es bei meiner / überhaupt nicht mehr voran.“ – Ah, die Pointe. Die unerhörte Weisheit des „Nicht-Vorankommens“. Welche Frage du uns hier stellst: „Was ist Warten?“ Vielleicht sollten wir dir als Antwort den „Warteschleifen-Lebenscode“ schicken, den du so dringend zu brauchen scheinst, um aus deiner eigenen lyrischen Sackgasse herauszukommen.
Und dann dieser Klassiker: Du greifst zum Telefon, und der Rest ist… naja, die umwerfend innovative Vorstellung, dass „Patience“ von Take That läuft. Warum nicht gleich die gesamte Karriere von Rick Astley in die Warteschleife packen und die Leute so richtig ins Nirvana schicken? Es hat denselben Wert, um ehrlich zu sein. Das ist nicht Warten, das ist der literarische Äquivalent eines schlechten TikTok-Videos, das man noch nicht gelöscht hat. Und das schlimme ist: Wir können nicht entkommen. Wir müssen den Endlosloop ertragen, wie der sträflich langweilige Song, der uns nie erlöst.
Aber der absolute Höhepunkt ist der Schluss: „Klappert’s aber in der Ferne, / klopft der Tod an unser Tor, / ruf ich schnell: »Ich warte gerne / und lass lieber andre vor!«“ – Was, plotzn, was willst du uns damit sagen? Du wartest auf den Tod? Ehrlich? Klar, du kannst den Tod rufen, aber das Gedicht hat sich bereits umgebracht, ohne dass du es überhaupt merkst. Der Tod ist das einzige, was hier noch an der Tür klopft – und er möchte sich wahrscheinlich über die literarische Leere beschweren, die du ihm ins Gesicht geschrieben hast.
Wow, Isensee!
Ich habe noch nie eine so geschliffene und treffende Analyse unter einem Stümpertext gelesen. Das ist quasi Perlen unter die Sau gerollt.
Du solltest Dein Talent nicht an solch Banalitäten verschwenden. Du bist zu Höherem berufen!
Ich habe noch nie eine so geschliffene und treffende Analyse unter einem Stümpertext gelesen. Das ist quasi Perlen unter die Sau gerollt.
Du solltest Dein Talent nicht an solch Banalitäten verschwenden. Du bist zu Höherem berufen!
Hallo Stefan,
wenn ich warten muss, denke ich über Dinge nach, die ich aus Zeitnot verdränge. Der Tod gehört nicht dazu.
Dein humorvoll ironisches Gedicht gefällt mir sehr.
Liebe Grüße
Ekki
wenn ich warten muss, denke ich über Dinge nach, die ich aus Zeitnot verdränge. Der Tod gehört nicht dazu.
Dein humorvoll ironisches Gedicht gefällt mir sehr.
Liebe Grüße
Ekki
Servus Ekki,
das freut mich. Früher habe ich im Wartezimmer beim Arzt tatsächlich in den rumliegenden Zeitschriften geblättert. Heute mit Smartphone gibt es genügend andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben...
Liebe Grüße
Stefan
das freut mich. Früher habe ich im Wartezimmer beim Arzt tatsächlich in den rumliegenden Zeitschriften geblättert. Heute mit Smartphone gibt es genügend andere Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben...
Liebe Grüße
Stefan
Lieber Stefan, lange habe ich dich warten lassen. Aber da es nichts Besseres gibt als den Text von Browiak, hier für dich noch einmal extra:
Warten auf Godot
An einem nicht näher definierten Ort im Internet überwältigt Schreibende oft ein existenzialistisches Dilemma: Man verbringt seine Zeit damit, Tagesgedanken, Lyrik und Prosatexte zu posten. Und dann noch mehr Zeit, um nichts zu tun. Abzuwarten, ob der, den man nicht näher kennt, der sich Godot nennt, von dem nichts Genaues bekannt ist, nicht einmal, ob es IHN überhaupt gibt, jemals kommen wird und sich äußern mag.
Falls es IHN doch geben sollte, wird vorsichtshalber ein originelles Profil erstellt, damit ER sofort weiß, dass man etwas Besonderes ist: „Hallo, Godot, ich bin ein einsamer Landstreicher/In, mein Nickname ist Wladimir oder Estragona und ich schreibe hier nur für DICH …“
Dazu ein weichgezeichnetes Photo, das die Gewissheit des eigenen Verfalls um erhebliche Jahre senkt. Jugendlichkeit scheint gefragt, am nicht näher definierten Ort. Obwohl man sich hier weder sehen noch anfassen kann.
Festzuhalten ist, dass bis dato nicht klar ist, auf wen oder was am nicht näher definierten Ort im Netz eigentlich gewartet wird. Hunderte sollen es sein, daraus wird geschlossen, dass doch was dran sein müsse, wenn sich so viele dort versammeln, um gemeinsam auf IHN zu warten.
Lustig jene, die genau zu wissen scheinen, auf wen sie absolut nicht warten. Und wen sie daher gar nicht erst lesen, geschweige denn kommentieren wollen.
Was von denen zu halten ist, die glaubwürdig versichern, sie seien IHM dort tatsächlich begegnet, weiß man nicht. Sind es doch viele, die gedacht hatten, ER sei es gewesen und dann war ER es doch wieder nicht. Sondern nur eine andere, verirrte Seele, die auf IHN gewartet hat.
Erstmal ist festzuhalten, dass ER bislang noch nie in Erscheinung getreten ist: Weder bei den passiv zu Entdeckenden noch bei den aktiv Werbenden. Weder bei den Textsicheren noch bei den Schreib- oder Kommentierfaulen. Bisher hat ER sich noch bei keinem blicken lassen.
Um die unheimliche Stille auf Abstand zu halten, wird viel diskutiert, lamentiert, zuweilen über Belangloses vehement gestritten und sich hernach wieder versöhnt.
Häufig wird in Texten wenig gesagt und viel angedeutet; mit bedeutungsschwangeren Metaphern eine Spur gestreut, die sich im Nichts verliert. Und sich gefreut, wenn selbst Minimalistisches oft angeklickt wird, weil im Subtext gigantisch Gemeintes vermutet wird.
Zuweilen rauft sich die Germanistikpolizei ärgerlich das Haar, wenn in Texten Satzbau und Syntax, Metrik, Rhythmus und Reim quick and dirty daherkommen.
Vor allem aber beschäftigt man sich mehr schlecht als recht damit, kleine Textbausteine zu erstellen, um sich die zähe Zeit zu vertreiben. Manchmal werden diverse Möglichkeiten, unglücklich zu sein oder am Leben zu verzweifeln erörtert, falls ER sich weiterhin nicht blicken lässt.
Oder es wird versucht, anderen das Leben schwer zu machen, indem Texte verfasst werden, die andere vor Ehrfurcht erstarren lassen sollen. Im wahnhaften Erleben der eigenen Großartigkeit glauben manche, dass der nicht näher definierte Ort ihnen allein gehöre und kein anderer des Schreibens mächtig sei und daher unwürdig, dieselbe Luft zu veratmen wie sie. Deshalb übt man sich im Beleidigungs-Ping-Pong und im Wegschmettern von Argumentations-Bällen, statt hilfreiche und wertschätzende Textarbeit zu leisten. Die meisten scheinen zu glauben, man sei nur da, um sich gegenseitig zu bereits vollendeten Texten zu beglückwünschen.
Kaum einer bedenkt, dass Schriftsteller ebenso Fantasiefiguren ihrer Leser sind wie ihre Romanfiguren.
In der Community der Wartenden gelten bestimmte Regeln. Von Administratoren oder Moderatoren überwacht oder solchen, die sich selbst eine Führungsposition unter den Wartenden gegeben haben.
Sie ahnden Trunkenheit am Text, Fahrlässigkeit an der Syntax, Selbstbesoffenheit im Ausdruck oder Torkelei im Versmaß.
Für das Warten auf Godot kann man auch viel Geld bezahlen. Manchmal erwirbt man dadurch bessere Möglichkeiten zum Kontakt oder eine uneingeschränkte Schreib - und Redefreiheit. Bis ER kommen soll.
Bis dahin sorgen die Wartenden für ein wenig Unterhaltung – vor allem mit jenen, auf die man dort nicht gewartet hat.
Manchmal entsteht so etwas wie Kommunikation.
Blöd nur, dass man deswegen nicht dort ist.
In trotziger Restwürde beharrt man auf der ewig enttäuschten Illusion des Wartens auf Godot.
Denn ob ER kommen wird, dafür gibt es - trotz Mitgliedsbeitrag - keine Garantie.
Zuweilen gesellt sich ein Diener, der sich Lucky nennt, zu den Wartenden. Dieser bringt keine Klärung, sondern sorgt für zusätzliche Verwirrung: Wie kann einer „lucky“ sein, wenn er auf Godot wartet? Und es gibt da noch diesen reichen Tyrann Pozzo, der den armen Lucky mit knallender Peitsche auffordert, „laut zu denken“ – und das tut er. Was dabei herauskommt, sind wirre, hastig abgespulte Monologe von bizarrer Hilflosigkeit. In Wortmüll zerfledderte Logorrhöen. Und manchmal, eher selten, reine Glücksmomente flüssiger Sprache, die ans Herz geht. Dann mag es völlig scheißegal erscheinen, ob Godot jemals kommt.
„…Komm, wir gehen!
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir müssen warten. Auf Godot …“
Herzlich Gil.
Warten auf Godot
An einem nicht näher definierten Ort im Internet überwältigt Schreibende oft ein existenzialistisches Dilemma: Man verbringt seine Zeit damit, Tagesgedanken, Lyrik und Prosatexte zu posten. Und dann noch mehr Zeit, um nichts zu tun. Abzuwarten, ob der, den man nicht näher kennt, der sich Godot nennt, von dem nichts Genaues bekannt ist, nicht einmal, ob es IHN überhaupt gibt, jemals kommen wird und sich äußern mag.
Falls es IHN doch geben sollte, wird vorsichtshalber ein originelles Profil erstellt, damit ER sofort weiß, dass man etwas Besonderes ist: „Hallo, Godot, ich bin ein einsamer Landstreicher/In, mein Nickname ist Wladimir oder Estragona und ich schreibe hier nur für DICH …“
Dazu ein weichgezeichnetes Photo, das die Gewissheit des eigenen Verfalls um erhebliche Jahre senkt. Jugendlichkeit scheint gefragt, am nicht näher definierten Ort. Obwohl man sich hier weder sehen noch anfassen kann.
Festzuhalten ist, dass bis dato nicht klar ist, auf wen oder was am nicht näher definierten Ort im Netz eigentlich gewartet wird. Hunderte sollen es sein, daraus wird geschlossen, dass doch was dran sein müsse, wenn sich so viele dort versammeln, um gemeinsam auf IHN zu warten.
Lustig jene, die genau zu wissen scheinen, auf wen sie absolut nicht warten. Und wen sie daher gar nicht erst lesen, geschweige denn kommentieren wollen.
Was von denen zu halten ist, die glaubwürdig versichern, sie seien IHM dort tatsächlich begegnet, weiß man nicht. Sind es doch viele, die gedacht hatten, ER sei es gewesen und dann war ER es doch wieder nicht. Sondern nur eine andere, verirrte Seele, die auf IHN gewartet hat.
Erstmal ist festzuhalten, dass ER bislang noch nie in Erscheinung getreten ist: Weder bei den passiv zu Entdeckenden noch bei den aktiv Werbenden. Weder bei den Textsicheren noch bei den Schreib- oder Kommentierfaulen. Bisher hat ER sich noch bei keinem blicken lassen.
Um die unheimliche Stille auf Abstand zu halten, wird viel diskutiert, lamentiert, zuweilen über Belangloses vehement gestritten und sich hernach wieder versöhnt.
Häufig wird in Texten wenig gesagt und viel angedeutet; mit bedeutungsschwangeren Metaphern eine Spur gestreut, die sich im Nichts verliert. Und sich gefreut, wenn selbst Minimalistisches oft angeklickt wird, weil im Subtext gigantisch Gemeintes vermutet wird.
Zuweilen rauft sich die Germanistikpolizei ärgerlich das Haar, wenn in Texten Satzbau und Syntax, Metrik, Rhythmus und Reim quick and dirty daherkommen.
Vor allem aber beschäftigt man sich mehr schlecht als recht damit, kleine Textbausteine zu erstellen, um sich die zähe Zeit zu vertreiben. Manchmal werden diverse Möglichkeiten, unglücklich zu sein oder am Leben zu verzweifeln erörtert, falls ER sich weiterhin nicht blicken lässt.
Oder es wird versucht, anderen das Leben schwer zu machen, indem Texte verfasst werden, die andere vor Ehrfurcht erstarren lassen sollen. Im wahnhaften Erleben der eigenen Großartigkeit glauben manche, dass der nicht näher definierte Ort ihnen allein gehöre und kein anderer des Schreibens mächtig sei und daher unwürdig, dieselbe Luft zu veratmen wie sie. Deshalb übt man sich im Beleidigungs-Ping-Pong und im Wegschmettern von Argumentations-Bällen, statt hilfreiche und wertschätzende Textarbeit zu leisten. Die meisten scheinen zu glauben, man sei nur da, um sich gegenseitig zu bereits vollendeten Texten zu beglückwünschen.
Kaum einer bedenkt, dass Schriftsteller ebenso Fantasiefiguren ihrer Leser sind wie ihre Romanfiguren.
In der Community der Wartenden gelten bestimmte Regeln. Von Administratoren oder Moderatoren überwacht oder solchen, die sich selbst eine Führungsposition unter den Wartenden gegeben haben.
Sie ahnden Trunkenheit am Text, Fahrlässigkeit an der Syntax, Selbstbesoffenheit im Ausdruck oder Torkelei im Versmaß.
Für das Warten auf Godot kann man auch viel Geld bezahlen. Manchmal erwirbt man dadurch bessere Möglichkeiten zum Kontakt oder eine uneingeschränkte Schreib - und Redefreiheit. Bis ER kommen soll.
Bis dahin sorgen die Wartenden für ein wenig Unterhaltung – vor allem mit jenen, auf die man dort nicht gewartet hat.
Manchmal entsteht so etwas wie Kommunikation.
Blöd nur, dass man deswegen nicht dort ist.
In trotziger Restwürde beharrt man auf der ewig enttäuschten Illusion des Wartens auf Godot.
Denn ob ER kommen wird, dafür gibt es - trotz Mitgliedsbeitrag - keine Garantie.
Zuweilen gesellt sich ein Diener, der sich Lucky nennt, zu den Wartenden. Dieser bringt keine Klärung, sondern sorgt für zusätzliche Verwirrung: Wie kann einer „lucky“ sein, wenn er auf Godot wartet? Und es gibt da noch diesen reichen Tyrann Pozzo, der den armen Lucky mit knallender Peitsche auffordert, „laut zu denken“ – und das tut er. Was dabei herauskommt, sind wirre, hastig abgespulte Monologe von bizarrer Hilflosigkeit. In Wortmüll zerfledderte Logorrhöen. Und manchmal, eher selten, reine Glücksmomente flüssiger Sprache, die ans Herz geht. Dann mag es völlig scheißegal erscheinen, ob Godot jemals kommt.
„…Komm, wir gehen!
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir müssen warten. Auf Godot …“
Herzlich Gil.
Ein wahrlich guter Text, lieber Gil!
Und ohne ihn zu kennen, habe ich mir einige Vorschläge wie "Deshalb übt man sich im Beleidigungs-Ping-Pong" bereits zu Herzen genommen.
Da hat sich das Warten ja gelohnt!
Liebe Grüße
Stefan
Und ohne ihn zu kennen, habe ich mir einige Vorschläge wie "Deshalb übt man sich im Beleidigungs-Ping-Pong" bereits zu Herzen genommen.
Da hat sich das Warten ja gelohnt!
Liebe Grüße
Stefan