Sie marschieren wieder,
die Pappnasen,
Nichtversteher
und Dumpfbacken –
ein Triumphzug
geistiger Minderleistung,
laut hupend
mit leerem Tank
und noch hohlerem Kopf.
Man erkennt sie sofort:
Sie tragen Gedanken wie Stolperfallen,
platzieren sie sich selbst vor die Füße
und wundern sich anschließend,
dass die Welt so kompliziert sei.
Die Pappnase
probt täglich den Aufzug ins Gehirn,
doch der Fahrstuhl bleibt stecken –
mangels Etagen.
Ein einzelner Dachboden
ohne Dach.
Der Wind pfeift hindurch
und trägt jeden Ansatz von Gedanken davon.
Der Nichtversteher
brütet stolz
über Missverständnissen,
bis sie ihm ausschlüpfen
wie kleine, fiepende Dummheiten.
Er füttert sie
mit Halbwissen
und wundert sich,
dass sie wachsen.
Die Dumpfbacke indes
hält sich für die dunkle Königin
des Denkens.
Sie thront
auf einem Sockel aus Vakuum,
salbt jeden Einfall
mit der goldenen Regel:
„Wenn ich’s nicht verstehe,
ist es bestimmt falsch.“
Ein Dogma,
zierlicher als jede Ketzerei.
Sie debattieren,
verhandeln,
gestikulieren –
und erschaffen dabei
eine neue Geistesdisziplin:
das professionelle Nichtdenken.
Ein Studiengang
für jene,
denen schon das Atmen
als intellektuelle Herausforderung gilt.
Wenn sie in ihren Hirnkammern
nachschauen,
ob irgendwer zuhause ist,
hallt nur ein Nichts zurück:
„Besetzt!“ –
doch niemand meldet sich.
Und dennoch
sind sie überzeugt,
die Welt erklären zu können.
Wie?
Mit Worten,
die sie nicht verstehen,
Argumenten,
die sie nicht besitzen,
und einer Selbstgewissheit,
die nur dort gedeiht,
wo kein Gedanke überlebt.
So ziehen sie weiter,
wieder und wieder –
ein Karneval
kognitiver Resteverwertung.
Hinten weht ein Banner:
„Hier bläst der Wind
durch längst entfesselte Brandherde.“
©Sigrun Al-Badri/ 2025