Es stimmt schon, dass er eher sparsam ist. Geizig, würde seine Frau sagen. Ein Mann mit einem Taschenrechner im Kopf. Keine Ausgabe, die ihm nicht total schwer fiele – so, als müsse er sich das Geld blutig aus den Rippen schneiden. Die lebende Konsumbremse – klar, dass sie sich da nicht wertgeschätzt fühlt. Denn an ihr, so ihre immer wieder erlebte Enttäuschung, spare er ja besonders.
Schon, dass er vor dem Einkaufen die Sonderangebote aller Discounter durchforstet, und wehe, sie verlangt auch einmal das etwas teurere Markenprodukt. Wehe, sie hat mal Lust auf einen Kaffee, auf die Vorspeisen von der Frische-Theke oder gar ein kleines schokoladiges Extra. Selbst der Umstand, dass sie so oft „für kleine Mädchen“ muss, wird zum Drama , wenn es Geld kostet! Nein, ihr Mann ist ein ausgemachter Pfennigfuchser, und zwar ein zwanghafter.
Jetzt auch bei dieser Drei-Tage-Tour an die Weser. Er hatte sie ihr als Geschenk angekündigt – ein großes, wie er sofort betonte. Deshalb, so gab er ihr zu verstehen, sei damit Zwanzigstes Hochzeitsjubiläum, Weihnachten und Valentinstag in einem abgegolten. Schließlich müsse er ja doch etwas tiefer in die Tasche greifen, für diese dann feierlich angekündigte Radtour.
Natürlich hatte er alles so gebucht, dass er noch den Vorsaison-Rabatt ergatterte, Start und Unterbringung in schlichten Gasthöfen, Anfahrt per Bundesbahn und – ha! – die Leihfahrräder im Preis inbegriffen! „Aber bitte ein E-Bike!“ war da noch ihr tollkühner Wunsch gewesen.
Hatte er es nicht gehört oder wollte er es gar nicht hören? Jedenfalls - als sie mit ihrem voll bepackten Proviantkorb vor das Gasthaus traten, um ihre Fahrräder in Empfang zu nehmen, erklärte er ihr in unschuldigstem Ton: „Wir kriegen einfache Räder. Bei dem flachen Streckenprofil ja kein Problem.“ Und dann noch, quasi entschuldigend: „Dein E-Bike hätte fünf Euro Aufpreis gekostet. Pro Tag!“
Da ist sie ausgerastet. Nicht wieder dieses Mitrechnen! Nicht schon wieder dieser krankhafte Geiz – ohne auch nur einmal auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Eiskalt hatte er sie wieder hintergangen - nein, skrupellos übergangen!
Da stach sie zu. Das Brotmesser, das sie im Proviantkorb verstaut hatte, war lang und scharf. Und es traf ihn ziemlich genau ins Herz.
Ziemlich erschrocken war sie dann doch, dass sie es getan hatte. Nicht nur heimlich gedacht, wie so oft schon zuvor. Und sie wandte sich hastig ab von ihrem …. Ex, um zurück in den Gasthof zu gehen.
Da kam ihr am Eingang der Gastwirt entgegen. Freundlich lächelnd: „Der Radverleiher hat angerufen. Die normalen Damenräder in Ihrer Größe sind vergeben. Sie kriegen ein E-Bike!“
Der Gastwirt war dann ein bisschen irritiert, dass die Frau zu lachen anfing. Ein irres Lachen. Lauthals. Lang. War da irgendwas mit dem E-Bike?