In der Provinz - (Frau Negenborn)

Text zum Thema Liebe und Tod

von  Gabyi

Schwierig gestaltete es sich für die Immobilie, einen angemessenen Preis zu erzielen. Geerbt und kleinwüchsig - aus der Zeit nach dem letzten Krieg - als diese Art verhuschter Häuser in Mode waren, aus rotem Klinker mit kleinem Vorgarten und einem größerer Garten hinter dem Haus, in dem regelmäßig der Rasen gemäht werden musste. Verschiedene Obstbäume, Stachelbeerbüsche, Brombeer- und Himbeerbüsche und ein kleiner Geräteschuppen. Windfang und unnütze Verwinkelungen führten in kleine Zimmer. Dachfenster erlaubten einen zaghaften Blick zum Himmel und aufs Meer. Im Flur ein Hundekorb, die Leinen an der Garderobe. Die Kinderwagen stehen schon lange im Keller, die Fahrräder im Schuppen und das Auto in der Garage. A*di 100 Coupé. Gelb. Gewienert.
Doch innen im Haus bündelt sich das Grauen kleiner Städte.
Von fahlem Grau war das Gefühl, wenn man das Gebäude betrat mit dem Wissen, dass hier jemand wohnt, der todunglücklich ist und krank zudem. Broken-Heart-Syndrom, Herzrhythmusstörungen über Jahre. Am Ende wagte sie sich kaum noch allein nach draußen und als das letzte Kind das Haus verlassen hatte, ging es sehr schnell. Ein Stroke. Tod mit 63. Die näheren Umstände erbärmlich, ungerecht und frauenverachtend in einer allgemein tolerierten Weise. Sozial akzeptierter Standard. Frauen stand es nicht zu, zum Duell aufzufordern. Effi Briest reziprok - kein Thema.
Fundamentalismus der christlichen Gesellschaft.


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