Es wusste mich

Gedicht zum Thema Augenblick

von  Saira

Der Morgen hatte kein Gesicht,
doch etwas darin kannte mich.

 

Ein Lächeln lag im Raum,
weiß, nicht leer –
wie Schnee,
der noch nicht gefallen ist.

 

Ich hob die Hand,
und ein Faden legte sich hinein,
fein wie Atem.

 

Er nahm nichts.
Er erinnerte.

 

Du sprachst,
deine Worte waren leicht,
öffneten sich
wie Licht durch geschlossene Lider.

 

Die Zeit begann zu fließen,
nicht mehr zu tropfen.
Sie lief durch mich hindurch
und blieb.

 

Ich stand darin
und wusste:
Kein Taumel.

Die Fäden waren da.
Überall.

 

Zwischen meinen Fingern,
in der Luft,
in dem, was uns verband –
doch sie hielten nicht.

Sie trugen.

 

Ich bewegte mich,
und sie gaben nach,
folgten,
ließen Raum,
als vertrauten sie.

 

Mein Spiegel trat näher.

 

Er wartete nicht mehr.
Er erkannte mich,
bevor ich hinsah.

 

Und ich erkannte zurück.

 

Als ich die Fäden berührte,
lösten sie sich nicht.
Sie wurden weiter.

 

Aus Linien wurden Wege,
aus Halt Bewegung.

 

Das Lächeln blieb,
aber es gehörte nicht dir.

 

Es gehörte dem Moment,
der mich fand.

 

Und als es verging,
war nichts verloren.

 

Nur verwandelt.

 

Stille,
nicht leer.

 

Und Ruhe,

die in mir lag.


 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (04.04.26, 10:56)
Hallo Sigi,

wenn man die Fäden des Schicksals berührt und sie halten, gehört der Moment dazu, in dem man gefunden und zur Stärke verwandelt wird.

Liebe Grüße und frohe Ostern
Ekki

 Hannes (04.04.26, 11:40)
Zart und leicht geschrieben wie die Spinnenfäden, die im Altweibersommer glitzernd durch den Herbstmorgen schweben.

 Moppel (04.04.26, 11:45)
ein guter, vertrauter Freund vielleicht, der nicht einengt, sondern Halt gibt. Schöne, ermutigende Zeilen, Saira. lG von M.
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