Resonanz ohne Substanz

Gedicht zum Thema Beobachtungen

von  Saira

Sie spricht – und hält sich für Gewicht,
doch Tiefe hat das Ganze nicht.
Ein Ton, der laut die Runde macht,
doch hohl verhallt in eigner Macht.


Sie teilt die Welt in schlicht und klar,
in richtig hier und falsch sogar,
und wo es kippt, wird schnell erklärt:
Wer widerspricht, ist glatt verkehrt.

Ein rascher Griff ins Wortarchiv,
dort liegt es griffbereit und schief:
Ein Urteil, das nichts tragen muss,
doch wirkt – für einen Augenfluss.

Sie meidet jede Gegenwehr,
nicht still – nein, laut und immer mehr.
Denn wer nichts hat, was wirklich hält,
erhöht die Stimme statt die Welt.

So kreist sie um sich selbst im Raum,
verwechselt Lautstärke mit Traum
und merkt nicht, wie ihr Satz zerfällt,
noch eh er auf den Boden fällt.

Und was am Ende übrig bleibt,
ist nichts, was irgendwen antreibt –
nur Atem, der sich in Worte legt
und keinen Schritt nach vorne trägt.

So glänzt die Klinge, kalt und fein,
doch schneidet selten wirklich ein –
denn was nur Oberfläche trifft,
verliert sich schnell im eignen Schliff.

Und was so sicher wirken mag,
trägt kaum Gewicht von einem Tag:
Ein Mensch, der nie nach innen fragt,
hat sich am Ende selbst vertagt.

Sie nennt es klar, sie nennt es wahr –
und übersieht, wie flach es war.
Was laut beginnt und sicher klingt,
verhallt, sobald man tiefer dringt.


 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (01.04.26, 14:15)
Liebe Saira,
Du hast das Thema in Gedichtform behandelt: Eine Kritik der Kritik wegen. Es gibt viele Gründe, weshalb sich ein Mensch über einen anderen überhöht, oder sei es auch nur eine Besserwisserei. Das mag auch in einen Afront münden - jedenfalls nicht schön und fügt sich nahtlos in ein allgemeines Gebrabbel der Wichtigtuer, die sich gerne selber reden oder schwafeln hören. Und darin geht auch eine Einzelperson unter. Hier auf KV gibt es viele Personen, die den Verlust ausgleichen und das ist schön!
Lieber Gruß!
Reli

Kommentar geändert am 01.04.2026 um 14:16 Uhr

 Saira meinte dazu am 01.04.26 um 19:55:
Lieber Reli,

deine Worte treffen die Tiefe, während die Hohlen nur sich selbst hören. Sie gähnen laut, doch was wirklich trägt, bleibt bei ihnen still.

Dein Kommentar ist ein Lichtpunkt – ein Echo, das bleibt.

Liebe Grüße
Saira

 LotharAtzert (01.04.26, 14:44)
Denn wer nichts hat, was wirklich hält,
erhöht die Stimme statt die Welt.
Weil ich nichts habe, was wirklich hält - das Wort "gegenwärtig" fehlt aus gutem Grund - es geht ja nur um die Welt, also die "diesseitige", denn nur im Diesseits hält etwas höchstens ein Leben lang. ... weil ich also nichts habe, mithin auch keine "Habsucht", erhöhe ich die Stimme ... ja das ist manchmal Leidenschaft pur, wenn ich an die Himmelswanderinn denke ... und wann würde ich nicht an sie denken und ... was wirklich hält, darf ich junge Dame sagen?, ist der Dharmakaya, der Wahrheitszustand. Aber für den können sich nur die habgierigen Weltlinge was kaufen.

Die andern richten sich nach Goethe und Kant und Trump und Putin sagen Ah und Oh ... das ist Wahnsinn, nach ... jetzt hab ich den Namen des Sängers vergessen

Resonanz, Substanz, - fehlt da nicht noch der Schwanz?

 Saira antwortete darauf am 01.04.26 um 19:57:
Hallo Lothar,

ich verstehe deinen Gedankengang und finde die Verbindung zwischen Diesseits, Leidenschaft und Dharmakaya sehr spannend. Es stimmt: Wer in der Welt nichts zu besitzen glaubt, kann doch in der Stimme und in der Wahrnehmung eine Tiefe erzeugen, die stärker wirkt als alles Materielle.

 
Resonanz und Substanz sind manchmal flüchtig, doch gerade darin liegt ihre Kraft – und in der Aufmerksamkeit, die wir füreinander aufbringen.
 
Danke für diese sehr persönliche Perspektive.
 
Liebe Grüße
Saira

 EkkehartMittelberg (02.04.26, 10:18)
Hallo Sigi,
Resonanz ohne Substanz zerfällt gleich nach der Wahrnehmung. Aber in den Ohren der Produzenten schwillt sie an zu einem gewaltigen Bocksgesang.
Liebe Grüße
Ekki

 Saira schrieb daraufhin am 02.04.26 um 12:35:
Hallo Ekki, 

stimmt




Liebe Grüße
Sigi
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