Hasen im Koalitionsnest

Gedicht zum Thema Unachtsamkeit

von  Saira

Im Klee tagt streng der Hasenrat,
weil jeder heut zu fordern hat.
Herr Hase Scholz zählt still und schlau
die Möhrenlisten ganz genau.
Herr Hase Merz hebt streng die Hand
und prüft den Vorrat im Bestand.
„So geht das nicht, das ist zu viel –
wir brauchen Ordnung, Maß und Ziel.“

 

Sie schieben Möhren hin und her,
mal wird es mehr, mal wieder leer.
Ein Kompromiss wird rasch gemacht,
doch hat man eines nicht bedacht:
Dass unterm Busch, im Schattenland,
ein kleines Häschen steht am Rand.
Es wartet still seit Stunden schon
auf eine Möhre als Portion.

 

„Geduld“, so heißt es, „braucht noch Zeit,
allein, es fehlt die Einigkeit.“
So wird gezählt und neu gewogen,
bis sich die Zahlen selbst belogen.
Die Eier liegen bunt im Gras,
doch keiner sieht sie – ach, wie krass!
Zu tief versunken in Zahl und Wahl,
verpasst man leicht das Ostermahl.

 

Erst als ein Küken leise lacht
und einfach eine Pause macht,
da stockt dem Rat für einen Moment
sein wohlgeübtes Argument.
Man schaut sich an – ganz ungewohnt –
und merkt, was sich zu teilen lohnt:

 

Dass Sinn nicht nur in Listen liegt
und Herz nicht nach Tabellen wiegt.
Ganz ohne Plan, doch endlich hier,
beginnt das Teilen im Revier.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Reliwette (02.04.26, 13:07)
Liebe Saira, ein wunderschönes Hasen-Ostergedicht mit einem kleinen Hasen, der im Gebüsch lauert, dass ein Möhrchen für ihn abfällt. "Hattu eine Möhre für mich"? Ostern kommt mit Riesenschritten, und wir werden mittendrin sein! Auch wenn es nix nützt.
Lieber Gruß"
Reli

 Saira meinte dazu am 02.04.26 um 13:43:
Lieber Reli,

ich sehe es schon vor mir:
ein kleines Häschen im Gebüsch, mit großen Augen und noch größerer Hoffnung und im Rat wird derweil über die Krümmung der Möhren beraten.  :(

„Hattu eine Möhre für mich?“ ist vermutlich der klügste Satz im ganzen Nest.

Herzliche Grüße
Saira

 EkkehartMittelberg (02.04.26, 14:04)
Hallo Sigi,
was due Unachtsamkeit angeht, stehen Menschen den Hasen nicht nach.
Liebe Grüße
Ekki

 Saira antwortete darauf am 02.04.26 um 19:42:
Hallo Ekki,

Unachtsamkeit geschieht und während die Hasen einfach weiterziehen, halten wir inne, benennen sie, ordnen sie ein und verlieren dabei manchmal den Blick für das, was am Rand geschieht.

Liebe Grüße
Sigi

 plotzn (03.04.26, 12:31)
Ein süßes Ostergedicht, liebe Sigi! Doch Egoismus greift um sich, nicht nur bei den Regierenden.

Ich fürchte, es wird ein Märchen bleiben...

Trotzdem schöne Osterfeiertage!
Stefan

 Saira schrieb daraufhin am 03.04.26 um 20:45:
Servus Stefan,

das Kleine, das Teilt, bleibt oft leise, aber es verschwindet nicht.

Ich wünsche dir erholsame Ostertage!


Liebe Grüße
Sigi

 Moppel (03.04.26, 12:54)
ich denke, die Regierungshasen werden unruhige Ostern haben, Saira.
Es ist ja nicht so, dass ihr Volk nicht teilen würde. Aber eben nicht gerecht. Und das ist das Problem...
Ungerechigkeit legt die Basis für die Annahme, dass Egoismus wegen der Ungerechtigkeit nicht verwerflich sei. Und jedem ist das eigen hemd dann am nöchsten...
Schwierige Situation, aber vielleicht sind die Oberen ja schon so abgebrpht, dass sie genüsslich und ganz ruihig ihren Osterbraten verspeisen...
lG und schne Ostern dir von M.

 Saira äußerte darauf am 03.04.26 um 20:48:
Moin Moppel,


wenn Ungerechtigkeit zur Gewohnheit wird, dann kippt irgendwann auch das moralische Empfinden. Dann erscheint Egoismus nicht mehr als Problem, sondern als logische Konsequenz.

Und ja, ich fürchte auch, dass manche längst so abgebrüht sind, dass sie sehr ruhig essen können, nicht trotz der anderen, sondern neben ihnen.

Dir ebenfalls schöne Ostertage.

Liebe Grüße
Saira
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