Aus der Reihe „Werden wir noch richtig regiert?“ ist heute wieder unser Reporter Holger Laberschnack in Groß Mühlendorf für Sie unterwegs.
Es ist 11.45 Uhr. Ich stehe hier in der Schlange an der einzigen Tankstelle des Ortes und möchte versuchen mit Autofahrern ins Gespräch zu kommen, die unbedingt vor der Preisumstellung um 12.00 Uhr noch tanken möchten. Der aktuelle Preis von € 2,08 für den Liter Super scheint heute extrem niedrig zu liegen, wie ich im Vorbeifahren mit dem Fahrrad erfahren konnte. Allerdings war kaum einer der Autofahrer zu einem längeren Gespräch bereit, da der Stress durch permanentes Wiederanfahren und den bangen Blick auf die Uhr die Menschen einfach zu unkonzentriert werden lässt.
Hier ein paar Kurzkommentare, die ich durch geöffnete Autofenster erhalten konnte:
Ich hab extra meine Mittagspause vorgezogen, damit ich noch zum Tanken fahren konnte. Und jetzt diese Schlange hier! Ich werd's wohl nicht mehr schaffen.
Hauen Sie bloß mit Ihrem Fahrrad ab! Ihr Grünen seid doch die wahren Schuldigen an der ganzen Misere!
Morgen fahr ich noch eine Stunde früher los, damit ich auch ganz sicher vor 12 noch drankomme ...
Wir sind heute extra mit unseren beiden Autos unterwegs – das da hinter mir ist meine Frau. Wenn wenigstens einer von uns noch drankäme ...
Wenn ich Merz und Klingbeil mal persönlich treffen könnte ...
Mir fallen mehrere Handwerkerfahrzeuge mit der Aufschrift „Piepenbrinck - Binnen und buten – unsere Fliesen sind die guten!“ auf, die allerdings ziemlich weit hinten in der Schlange stehen. Ich radele kurz zurück und frage einen der Fahrer, warum hier gleich mehrere von ihnen unterwegs sind.
Unser Chef hatte kurz nach 10 noch mal im Internet die Preise gecheckt und alle verfügbaren Fahrzeuge losgeschickt. Man vandaag warrt dat wohl nix mehr ... Dat gifft Mecker ...
An der Spitze der Schlange scheint es einen Moment lang zügig voranzugehen. Weitere zwei Fahrzeuge nähern sich den beiden Zapfsäulen, begleitet von wildem Gehupe zweier aufgemotzter tiefergelegter Fahrzeuge, die sich in der Auffahrt zum Tankstellengelände einfach daneben geschoben hatten. Der genaue Wortwechsel mehrerer Fahrer ist leider nicht bis hierher zu verstehen, wohl auch, weil mir die Sprache oder der Dialekt fremd ist.
Während es vom nahen Kirchturm zwölfmal läutet und die Preisanzeige gemächlich auf € 2,22 klettert, starten alle wartenden Autos dröhnend durch. Ich rette mich mit meinem Fahrrad auf den Gehsteig und kämpfe in der Abgaswolke um Luft. Mein Vorhaben, einzelne Autofahrer in Ruhe interviewen zu können, scheint sich nun nicht mehr realisieren zu lassen.
Das war's für heute aus Groß Mühlendorf. Ich würde mich freuen, wenn Sie morgen Vormittag wieder unseren Sender einschalten und wir vielleicht dann die Frage klären können: „Werden wir noch richtig regiert?“.