Der Kritiker
Kurzgeschichte zum Thema Rache
von Der_Rattenripper
Ich schlage die Augen auf, in meinem Kopf dreht sich alles, was hatte das zu bedeuten? War das ein Traum? Lag ich zu Hause in meinem Bett und schlief? Vor meinen Augen tanzen Blitze. Mein Mund ist trocken und mir ist übel. Ich habe Probleme, die Augen offen zu halten. Ich möchte schlafen, einfach schlafen, dann fallen mir die Lider erneut zu und ich sinke in eine wohltuende Schwärze. Als ich erneut die Augen öffne, geht es mir besser. Mir ist noch immer leicht schwindelig und mein Kopf dröhnt wie nach einer durchzechten Nacht. Aber so viel hatte ich doch gar nicht getrunken. Was war gestern noch mal gesehen? Ich habe Probleme, mich zu erinnern, wo ich gestern gewesen bin, oder war das heute? Welchen Tag hatten wir? Ich drehe den Kopf was von einem stechenden Schmerz begleitet. Was würde ich jetzt für eine Aspirin geben? Ich versuche, die Arme zu bewegen, was mir aber nicht gelingt. Wieso kann ich meine Arme nicht bewegen? Auch meine Beine wollen mir nicht gehorchen?
Schlafparalyse? Das musste es sein, ich hatte mal darüber gelesen, dass es in den Momenten gerade im Übergang vom Wachzustand zum Schlaf oder vom Schlaf - in den Wachzustand in denen wir uns nicht bewegen konnten. Diesen Zustand nannten die Wissenschaftler Schlafparalyse, war das so etwas, war ich in einem Dämmerzustand zwischen Wach- und Schlafzustand? Das musste es sein oder wenig später schwanden mir die Sinne erneut. Als ich wieder erwache, fühle ich mich besser. Ich weiß immer noch nicht, was geschehen war, aber ich kann wenn auch ein wenig verschwommen, Umrisse und Formen erkennen. Ich liege auf einem Bett hinter mir eine Wand aus Holz. Eine Hütte von draußen her dringen die Geräusche von Vögeln und ein komisches Hämmern an meine Ohren? War das ein Specht? War ich in einem Wald? Wie war ich hierher gekommen? Ich rieche Erde und Gras? Ich schaue mich um. Ich liege auf einem Klappbett. Als ich den Kopf hebe, fährt ein pochender Schmerz in meinen Schädel. Ich lasse den Kopf wieder auf die Matratze sinken. Ich schließe abermals die Augen, was die Schmerzen in meinem Schädel lindert. Wie war ich hierher gekommen? Wie lange war ich bereits in der Hütte? Ich lasse einen Blick durch die Hütte schweifen, ein Kamin steht an der Wand, ein Tisch, zwei Stühle und dieses Feldbett auf dem ich liege. Die Tür ist geschlossen. Langsam kehrt das Gefühl in den Armen und Beinen zurück. Ich versuche, abermals mich aufzusetzen, was mir mit einiger Anstrengung gelingt. Meine Kehle brennt und ist so trocken, wie ein Reibeisen, meine Zunge scheint am Gaumen festzukleben. Ich setze mich auf die Kante des Feldbettes, was von einem Rasseln begleitet wird, ich schaue nach unten, als ich an mich hinabblicke, entdecke ich eine Kette, die um meinen linken Knöchel geschlungen ist. Das Ende der Kette ist um ein Bein des Feldbettes geschlungen und mit einem Vorhängeschloss gesichert.
Verdammt was sollte diese Scheiße?
Erlaubte sich da jemand einen Scherz mit mir? Soll ich schreien oder lieber den Mund halten?
Ich entschließe mich, den Mund zu halten, bestimmt war mein Peiniger ganz in der Nähe und was würde er mir antun, wenn ich jetzt Lärm machte? Was wollte man von mir? Ich inspiziere das Bett genauer, es ist an beiden Seiten mit eisernen Beschlägen und Schrauben am Boden befestigt. Wer auch immer das war, hatte ganze Arbeit geleistet. Ich fahre mit den Fingern an der Kette um meinen Knöchel entlang, bis zu der Stelle wo sie am Bettpfosten befestigt ist. Die Kette ist knapp 10 Zentimeter lang. Nicht gerade viel Bewegungsfreiheit vielleicht könnte ich mit dem Fuß hindurchschlüpfen, falls die Kette nicht zu eng anliegt. Ein Blick auf meinem Fuß verrät mir aber, dass dieser Versuch aussichtslos ist. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als abzuwarten. Wie lange wollte man mich hier schmoren lassen? Wie spät war es? Und wie lange war ich schon hier? Eine Stunde? Zwei oder mehrere Tage? Welchen Tag hatten wir heute? Ich durchsuche meine Hosentaschen, nichts, man hatte mir das Portemonnaie, mein Smartphone und meine Schlüssel abgenommen, die Sache konnte nur besser werden.
Wenn ich mich bei meinen Freunden nicht meldete, würden die irgendwann suchen und die Polizei informieren, man würde mich suchen. Aber wer würde darauf kommen, dass ich mich in einer verlassenen Hütte in einem Wald befand?
Waren wir überhaupt noch in Kalifornien? Was war, wenn wir ganz woanders befanden vielleicht in Virgina oder Kentucky? Ich schlucke, ich verdränge den Gedanken, ich muss positiv denken und einen klaren Kopf bewahren, wenn ich verzweifele und in Panik gerate, würde mir das überhaupt nichts nützen. Ich erhebe mich und gehe zum Waschbecken. Meine Kehle ist so trocken wie ein Reibeisen. Ich drehe den Wasserhahn auf und trinke einen Schluck Wasser. Ich genieße es, wie das kühle Nass meine Kehle hinuntergleitet. Anschließend fühle ich mich besser, die Kopfschmerzen lassen nach und weichen einem leichten Hämmern in meinem Hinterkopf. Ich gehe zurück zum Klappbett, als ich das Knacken von Ästen höre. Schritte die sich der Hütte nähern. War das ein Mensch oder ein Tier? Soll ich schreien? Was habe ich zu verlieren?
„Feuer, helfen Sie mir es brennt, Feuer!“, schreie ich aus voller Kehle. Die Tür geht auf und eine große Frau mit langen schwarzen Haaren betritt die Hütte.
„Halten Sie Ihre verdammte Klappe, hier draußen kann Sie niemand hören außer ich.“ , sagt die Frau und lächelt mich an.
„Wer sind Sie? Was wollen Sie von mir? Wollen Sie Geld? Ich kann Ihnen Geld geben, wenn es das ist, was Sie wollen.“, sage und komme mir gleichzeitig unglaublich dumm vor.
Das Gesicht der Frau kommt mir bekannt vor, ich hatte das Gesicht der Frau schon mal gesehen, kann mich aber nicht daran erinnern, wo das gewesen sein könnte.
„Erinnern Sie sich an mich?“, fragt die Frau, als hätte sie meine Gedanken gelesen.
Ich schüttel langsam den Kopf.
„Ihnen zu Folge bin ich eine selbstverliebte aber völlig talentfreie Schreiberin, die ihre Ergüsse besser zum Anzünden eines Kamines oder als Klopapier nutzen soll, als sie der Öffentlichkeit zu präsentieren? Kommen Ihnen diese Worte bekannt vor?“, fragt die Frau.
Kathy Kate, schießt es mir in den Sinn. Stimmt, ich hatte ihren Liebesroman ein ungleiches Ehepaar gelesen und auf ihre Bitte hin rezensiert und das, obwohl ich eigentlich keine Liebesromane lese.
„Ja ich erinnere mich an Sie. Tut mir leid, aber mir hat Ihr Roman nicht gefallen. Ich bin auch eigentlich die falsche Zielgruppe für so etwas. Und was wollen Sie jetzt von mir?“, frage ich.
„Ich will dass Sie Ihre Rezension löschen und mir eine fünf Sterne Rezension schreiben. Danach lasse ich Sie gehen. Sie werden mich nie wieder sehen. Sie brauchen nie wieder etwas von mir lesen und wir gehen getrennte Wege. Haben wir einen Deal, wenn nicht, werden Sie das zutiefst bereuen.“
Verstand ich die Dame richtig, den Aufriss veranstalte sie nur, damit ich meine Rezension zu ihrem Buch änderte. Wäre die Lage nicht so ernst, hätte ich darüber lachen können.
„Ich lasse mich von Ihnen nicht erpressen. Ich werde meine Bewertung also meine Meinung zu Ihrem Buch nicht ändern.“ , sage ich.
Kathy lächelt mich an, dann sagte sie: „Ist das Ihr letztes Wort?“
„Mein letztes.“
„Was jetzt passiert haben Sie sich selbst zu zuschreiben Sie kleiner Schmierfink.“
Wovon spicht diese Person? Ich sehe, wie sie die Hütte verlässt, mit Argusaugen beobachte ich jede ihrer Bewegungen. Sie sieht nicht schlecht aus und sie hat einen beeindruckenden Körperbau aber, sie hat auch einen gewaltigen Sprung in der Schüssel. Ich hatte den Gedanken gerade zu Ende gesponnen, als sie mit einem Knüppel in der Hand in die Hütte zurückkehrt. Mir schlägt das Herz bis zum Hals, kleine Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn. Sie wollte mich doch nicht etwa ...?
Kathy tritt auf mich zu, dann sagt sie: „Letzte Chance Schätzchen? Nehmen Sie Ihre Bewertung zurück oder möchten Sie Bekanntschaft mit diesem Knüppel machen?“
Meint sie das wirklich ernst? Vielleicht könnte ich den Knüppel abwehren. Ich habe die Hände frei und ich war, Gott sei dank nur mit einem Fuß ans Bett gekettet. Vielleicht würde es mit gelingen. Ich komme nicht dazu, meinen Plan zu Ende zu spinnen, als der Stock mit voller Wucht meine linke Schläfe trifft. Ein weiterer Schlag landet genau auf meinem Kopf. Mir wird schwindelig, für den Bruchteil einer Sekunde wird mir schwarz vor Augen. Wenn ich jetzt ohnmächtig werde, wäre das fast eine Erlösung, kommt es mir in den Sinn.
Weitere Schläge treffen meinen Rücken und meine linke Schulter. Ich schreie, doch gehen meine Schreie schon bald in ein leises Wimmern über. Ich weiß nicht, wie oft sie mich mit dem Knüppel trifft, aber es kommt mir vor, als ob mein Körper nur noch aus einem einzigen Schmerz besteht.
Das wird eine Menge blauer Flecken geben, kommt es mir in den Sinn. Ich schreie und stöhne unter den Hieben auf, versuche den Hieben zu entkommen oder den Knüppel zu fassen, aber es gelingt mir nicht. Ich überlege, um Gnade flehen, entscheide mich aber dagegen. Vor dieser gestörten Person werde ich mir nicht die Blöße geben und um Gnade winseln wie ein räudiger Hund. Dann lässt sie von mir ab und ich atme erleichtert auf.
„Und sind Sie jetzt bereit Ihre Meinung zu meinem Werk zu revidieren?“, fragt Kathy, wobei ihre Augen mich anfunkeln, wie ein gefährliches Wesen, welches sie zerstören muss.
Das Herz in meiner Brust rast, doch habe ich nicht vor, mich einschüchtern zu lassen, daher antworte ich: „Sie verstehen es einen Knüppel zu schwingen, aber ich gebe Ihnen den gut gemeinten Rat, beenden Sie diesen Wahnsinn bevor es zu spät ist.“
„Sie haben meine Frage nicht beantwortet.“ , sagt Kathy, während sie sich eine Zigarette anzündet.
„Es spielt keine Rolle, ob ich meine Meinung zu Ihrem Werk lösche oder nicht, Sie werden mich so oder so töten.“ , antworte ich.
„Glauben Sie wirklich, dass ich eine so eiskalte Killerin bin?“ , fragt Kathy.
„Sie könenn es sich nicht leisten, mich laufen zu lassen, denn ich könnte Sie bei der Polizei verpfeifen.“
„Sie irren sich erstens, Spuren kann man beseitigen, zweitens habe ich ein wasserdichtes Alibi. Mindestens drei Personen werden bezeugen, dass ich am fraglichen Abend auf einer Partie gewesen bin, wo auch Sie waren. Sie sehen, niemand wird Ihnen glauben Sie kleiner Schmierfink. Glauben Sie etwa ich habe mich nicht abgesichert? Halten Sie mich für so naiv? Dann sind Sie ja noch dümmer als ich dachte. Wie sieht es aus werden Sie die Rezension löschen? Dann können Sie Ihr jämerliches Leben weiterleben. “
Ich schüttel den Kopf.
Wieder saust der Knüppel mich herab, es gelingt mir nicht, mich rechtzeitig wegzudrehen, sodass der Stock direkt auf meinem Gesicht landet, meine Lippe platz auf und einer der oberen Schneidezähne löst sich und kullert meine Kehle hinab. Der Geschmack meines eigenen Blutes breitet sich in meinem Mund aus. Ich würge schwarze Punkte tanzen vor meinen Augen und für den Bruchteil einer Sekunde wird mir schwindelig. Ich schließe die Augen, als ich sie wieder öffne, ist das Schwindelgefühl so plötzlich verschwunden, wie es aufgetaucht war.
„Eines muss ich Ihen lassen Sie Kleckser, Sie sind hart im nehmen, dafür verdienen Sie meine Hochachtung ehrlich. Aber warum lässt Sie die Schmerzen über sich ergehen, ist es Stolz? Ist es Ihr verdammter Stolz, der Sie dazu zwingt, den Mist den Sie über mein Werk geschrieben haben stehen zu lassen oder was? Was ist Ihnen dabei durch den Kopf gegangen? Ist Ihnen nicht klar, dass Sie Künstler wie mich damit verletzen? Haben Sie eine Ahnung wie viele Stunden und schlaflose Nächte man in Kauf nimmt, nur um sich sein Herz auszuschütten? Haben Sie kleiner elender Schmierfink überhaupt eine Ahnung davon, wie viel Herzblut in jedem einzelnen Wort steckt? Nein, Leute wie Sie schreiben nur aus reiner Profitgier, Ihnen geht es doch bei Ihren Kritiken gar nicht um die Autoren oder deren Bücher, sondern nur darum, sich als selbsternannten Literaturpapst über uns Autoren zu erheben habe ich recht? Dabei könen Sie selbst nicht einen vernüftigen Satz schreiben Sie elender Stümper. Geht Ihnen dabei vielleicht einer ab, wenn Sie unsere Werke verreissen? Obwohl ne kann nicht, weil Sie Schlappschwanz eh nichts in der Hose haben. Und wahrscheinlich bekommen Sie auch sonst keinen hoch. Deshalb vereissen Sie die Bücher von uns Autoren. Habe ich recht? Aber diese mal haben Sie sich die Falsche ausgesucht Schätzchen.“
Wahnsinnig schießt es mir in den Sinn, die Frau ist komplett wahnsinnig und sie braucht Hilfe, da bin ich mir sicher. Sie braucht dringend psychologische Hilfe.
„Hören Sie ich verreise nicht die Bücher anderer Autoren, ich sage nur, was mir an ihren Werken gefällt und was nicht. Sehen Sie meine Kritik doch als Chance sich zu verbessern und an ihrem Stil zu arbeiten und werten Sie es nicht als Angriff. Wenn Sie wollen helfe ich Ihnen dabei sich zu verbessern. Wenn Sie mich jetzt gehen lassen, verspreche ich Ihnen, dass ich Sie nicht anzeigen werde“ , sage ich.
Kathy funkelt mich an, ich kann den blanken Hass in ihren Augen sehen. Das Herz rutscht mir in die Hose, als sie den Knüppel schwingt und schreit. „Sie lügen, sie lügen, sie elender Kleckser Sie lügen“
Wiede und wieder saust der Knüppel auf meinen Schädel nieder, bis alles um mich herum schwarz wird.
Zeitungsmeldung
Am 25. 03 fanden Spaziergänger die Leiche eines knapp 45 Jahre alten Mannes, der anscheinend mit einem stumpfen Gegenstand einer Holzlatte oder einem dicken Ast erschlagen wurde. Die Polizei bittet um Hinweise, aus der Bevölkerung.