Elektrisches Summen

Kurzgeschichte zum Thema Essen/ Ernährung

von  RainerMScholz

Beim Einfrieren der Fleischstücke immer aufpassen. Dass keine Plastikfolie zwischen die Falten gerät, zum Beispiel, die man später schlecht wieder herausbekommt und beim verarbeiten vielleicht übersieht. Niemand möchte das mitessen. Vor allem bei den Überfahrenen, das ist immer so ein Durcheinander an Knochen, Sehnen und Muskelsträngen; und bis die wieder sauber sind, frei von Asphaltstückchen, Glas- und Lacksplittern usw., Laub, kleinen Ästchen, was weiß ich.

Die Kühltruhen laufen ja auch auf Hochtouren, verbrauchen ganz schön Energie, aber ich habe ja die Paneele auf dem Dach, alles selbst verlegt, haha; solange die Sonne scheint läuft es also.

Lunge, Niere und Leber sind natürlich das Beste. Die rosaroten Nierchen lege ich vorher in Essig und Rotwein ein – und dann an den Holzspießchen auf den Grill, richtiggehendes Schaschlik, hm, ich lecke mir die Lippen. Und die Leber – aber nicht zu lange braten, mit etwas Lorbeer und Thymian, sonst nur schwarzer Pfeffer und Salz.

Manches wecke ich auch ein, für schlechte Zeiten sozusagen. Man weiß ja nie.

Hirn verarbeite ich gerne zu Wurst, versteht sich, mit dem Fett aus den Oberschenkeln durch den Wolf, Gewürze dazu und fertig. Die Reste – wie man es vom Schwein kennt, nicht wahr, auf den Grill und dann ist das schon in Ordnung, Rippchen, Hinterbacken.

Und dann ziehe ich die Haut vom Gesicht und mache lustige Lampen oder stülpe sie über Buchenholzscheite, dass sie trockne, die Haut; manchmal wird probate Kunst daraus, denke ich. Aber nur, wenn ich die Zeit dazu finde. Ja, klar, Seife geht auch, aber das überschüssige Fett verbuddele ich normalerweise im Garten. Die Maulwürfe wollen auch etwas haben. Außerdem finde ich es etwas unangenehm, wenn das so hervorquillt, so aus den Körpernischen; genau wie die unvermeidlichen Exkremente, aber da kann man eben nichts machen. Ich muss ja nicht alles verwerten. Gibt ja genug, nicht wahr. Nicht wahr?! Na also.



© Rainer M. Scholz



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