Feuer unter Asche

Gedicht

von  Drita

Restzeit.

Spritzen,
blind geworden im Warten.

Medikamente
für Herz, Niere,
das Schweigen im Kopf.

Staubblumen
erinnern sich ans Blühen.

Entfärbte Fotografien
bewahren,
was sich längst entzog.

Rauch hängt noch
über Gesprächen
ohne Mund.

Die Vase zerbrochen.

Ein Kuss,
der nicht blieb.

In meinem Zimmer:

Feuer unter Asche.

Ich bleibe
im Gewesenen.



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Kommentare zu diesem Text


 Vaga (26.06.26, 10:36)
Liebe Drita,
seit Beginn deiner Mitgliedschaft hier verfolge ich die Auswahl deiner Gedichte, die du postest, mit großer Aufmerksamkeit. Aus deinem Profil habe ich entnommen, dass deine Muttersprache Albanisch ist. 

Wenn Gedichte aus einer anderen Sprache - z. B. durch Übersetzungshilfen - ins Deutsche übertragen werden, klingen die Zeilen oftmals ein wenig "hart" oder "klinisch".

So habe ich hier zu deinem Gedicht Feuer unter Asche, das mich wieder sehr berührt hat, ein Experiment gewagt, um mich in die lyrische Qualität und das albanische Sprachgefühl noch besser einfühlen zu können: Ich habe deine deutsche Version in eine albanische Übersetzungshilfe eingegeben und diese albanische Version dann wieder rückübersetzen lassen ins Deutsche.
Dabei ist eine - auch in der deutschen Sprache - wunderschöne, zarte Variation sichtbar geworden. Ich vermute fast, dass diese Fassung deiner albanischen Ursprungspoesie auf eine noch poetischere und würdevollere Art gerecht wird.

Bitte bedenke, dass ich einen tiefen Respekt vor deiner Arbeit und deiner Original-Poesie habe, die mich zu dieser deutschsprachigen Modifikation inspiriert hat. Ich möchte sie dir hier als Ganzes schenken: 

Feuer unter Asche


Die verbleibende Zeit.

Spritzen.
Ich war blind vor Warten.

Medikamente
fürs Herz, die Niere,
die Stille im Kopf.

Die verstaubten Blumen
erinnern an die Blüte.

Vergilbte Fotografien
bewahren
das längst Vergangene.

Der Rauch hängt noch immer
über den stillen Gesprächen.

Die Vase - zerbrochen.

Ein Kuss,
der
nicht von Dauer war.

In meinem Zimmer:

Feuer unter der Asche.

Ich verweile
in dem, was war.

In der Hoffnung, dass du, liebe Drita, diese kleine sprachliche Reise als das verstehst, was sie ist, nämlich ein Zeichen meiner großen Wertschätzung für deine Kunst, mit herzlichen Grüßen - Vaga

 Drita meinte dazu am 26.06.26 um 10:43:
Liebe Vaga,
ich danke Dir von Herzen für Deine einfühlsamen Worte und für die grosse Aufmerksamkeit, mit der Du meine Gedichte liest. Es hat mich sehr berührt, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, diesen sprachlichen Weg zu gehen und eine so feine Variation meines Gedichts zu schreiben.
Du hast recht: Meine Muttersprache ist Albanisch, und vielleicht trägt meine deutsche Lyrik tatsächlich Spuren dieses Sprachgefühls in sich. Deine Fassung empfinde ich nicht als Korrektur, sondern als eine poetische Annäherung - als einen Dialog zwischen zwei Sprachwelten. Das ist für mich ein schönes Geschenk.
Danke für Deinen Respekt gegenüber meinem Original und für Deine Offenheit. Solche Begegnungen sind für mich ein besonderer Teil des Schreibens.

Mit herzlichen Grüssen aus Basel.
Drita

 Vaga antwortete darauf am 26.06.26 um 10:49:
Deine Reaktion, liebe Drita, freut mich sehr! Vielen Dank, dass du mir so schnell geantwortet hast. So kann ich sicher sein, dass du mich voll und ganz verstanden hast.

Dir einen schönen Tag und nochmals liebe Grüße - Vaga

 Saira (26.06.26, 12:09)
Liebe Drita,

dein Gedicht erzählt nicht laut vom Verlust, sondern von dem, was danach bleibt. Im Gewesenen zu verweilen, wird hier zu einer stillen Form des Weiterlebens.

Liebe Grüße
Saira
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